Javkhlanbileg Enkhbat, Jack genannt, lebt erst seit wenigen Monaten wieder in Coburg. Der 29-Jährige ist gerade aus Hof hierher gezogen, um in der Nähe seiner Kinder zu sein, die bei der Mutter im Landkreis Coburg leben. Jack stammt aus der Mongolei und kam 2008 zur Offiziersausbildung bei der Bundeswehr nach Deutschland. Als Gebirgsjäger war er nach Ende der dreijährigen Ausbildung für zwei Jahre beim mongolischen Militär, ehe er zum Studieren wieder nach Deutschland zurückkehrte. Um dafür zugelassen zu werden, musste er seine Deutschkenntnisse unter Beweis stellen und absolvierte 2013 in Coburg das zwei Semester dauernde Berufskolleg.
"Ich hatte ein kleines, sehr günstiges Zimmer am Markt", erinnert er sich. Für das BWL-Studium ging er dann nach Hof, inzwischen ist er im vierten Semester. Als im vorigen Oktober der Umzug nach Coburg anstand, rief er seinen alten Vermieter in der Stadt an. "Er bot mir diese Wohnung an, genauso günstig wie das Zimmer am Markt, aber viel größer", freut er sich. Ohne Besichtigung sagte er am Telefon sofort zu und unterschrieb kurz darauf den Mietvertrag. "So was ist in Coburg sofort weg", weiß er.
Auf etwa 30 Quadratmetern erstrecken sich WC, Flur, Küche, Wohn- und Schlafzimmer, dazu eine Kammer mit einer Dusche. Im Vergleich zu seiner letzten Coburger Unterkunft ist diese Wohnung geradezu großzügig.
Dafür nimmt Jack auch in Kauf, dass der Flur nicht zu heizen ist und dass das Haus deutlichen Renovierungsbedarf hat. Sein Blick geht weit über die Coburger Dächer, zum Marktplatz ist es ein Katzensprung. "Ich freue mich auf die vielen Feste im Sommer", sagt Jack, der sich in der Vestestadt schon richtig wohl fühlt. "Die Leute hier sind sehr nett, Coburg ist eine internationale Stadt mit vielen Ausländern durch die Hochschule und die großen Firmen."
Die Mehrgenerationen-WG: Lernen von den Älteren
Yelena Potupalova nennt zwölf Quadratmeter ihr Eigen. In dem kleinen, günstigen Zimmer in einem Wohnblock am Rande von Coburg hat es sich die Studentin aus Kasachstan gemütlich gemacht. Es gibt einen schmalen Tisch, an dem sie arbeitet und isst, und eine Fotogirlande am alten Hochbett. Die Vierzimmerwohnung teilen sich zwei Studenten mit der eigentlichen Mieterin, einer älteren Dame, Küche und Bad werden gemeinsam benutzt.
"Wir gehen manchmal zusammen in ein Konzert oder unterhalten uns, ich habe auch schon einen Tanzkurs mit älteren Leuten mitgemacht", sagt Yelena Potupalova, die gerne neue Dinge ausprobiert. "Wir tauschen Erfahrungen aus, es ist für mich sehr interessant, zu hören, was sie alles erlebt hat", sagt die 28-Jährige über ihre Vermieterin. Schon seit vier Jahren lebt sie in diesem Zimmer und genießt die Ruhe hier am Stadtrand. "Das ist viel schöner als im Wohnheim, der Wald ist ganz nah", schwärmt sie.
Nach Deutschland gekommen ist sie zunächst als Au pair, hat dann ein soziales Praktikum in Bad Staffelstein absolviert und schließlich mit dem Studium der Sozialen Arbeit an der Coburger Hochschule begonnen. Inzwischen ist sie im achten Semester und steht kurz vor dem Abschluss. "Ich mache langsam, die Sprache ist nicht leicht", sagt sie. Über eine Bekannte hatte sie von dem kleinen Zimmer erfahren und ist froh, hier gleich freundlichen Anschluss gefunden zu haben.