Hof/Bad Steben - E-Sport heißt im Moment für viele Vereine ein gemeinsames virtuelles Training – der Pandemie sei dank. Und womöglich wird die Trennung noch länger anhalten – und ein Grund, womöglich darüber nachzudenken, ob nicht auch noch andere virtuelle Spiele-Formen das Vereinsleben am Leben halten können. An diesem Donnerstag findet daher ein digitales Treffen für oberfränkische Vereine unter der Frage „E-Sport als Chance – klassische Sportvereine starten durch“ statt. Einer der Initiatoren ist Florian Tinter aus Bad Steben, der Gründer der E-Sport-Talentschmiede Minkz ist.

Herr Tinter, im Moment ruht der Vereinssport. Viele Vereine treffen sich digital. Ist die Pandemie eine Chance für den E-Sport?

Der elektronische Wettkampf hat einen richtigen Push erhalten. Leider ist der E-Sport im Moment noch nicht überall in Deutschland gleich stark präsent. Hätte man einen stärkeren lokalen Bezug, wenn also Naila gegen Kronach spielen würde, dann kann der E-Sport gut zum klassischen Vereinssport passen. Und wenn ich als klassischer Verein im Moment aufgrund des Lockdowns schon keinen Zulauf an neuen Mitgliedern habe, dann ist es aus meiner Sicht doch logisch, zu schauen, wohin die Jugend nun geht. Und das ist der E-Sport!

Es wäre also der richtige Zeitpunkt, nun in den E-Sport als Verein einzusteigen?

Wenn die Jugend die digitalen Wettkämpfe sucht, warum denn nicht? Ich würde als Verein den Sprung ins kalte Wasser wagen, damit der Bezug zu dieser Zielgruppe wiederhergestellt werden kann. Und in der neuen Sparte kann ich meine Werte als Sportverein auch transportieren – also den Zusammenhalt und die Förderung des Gemeinwohls. Zudem ist es doch das Ziel eines Vereins, möglichst viele Mitglieder an sich zu binden. Wenn sich also die einen mit klassischem Sport beschäftigen, können doch die anderen auch genauso ihre Ambitionen in der elektronischen Welt pflegen.

Also eine Gleichberechtigung von klassischem Sport und E-Sport?

Zunächst sollen sich die Vereine öffnen. Denn was ist denn die Folge, wenn die Vereine dies nicht tun: Die E-Sportler werden etwas Eigenes gründen. Die großen Vereine gehen bereits einen anderen Weg – und zwar auch, um ihre Anhängerschaft zu vergrößern.

Also sollten die Fußballvereine auf eine eigene Abteilung mit der Fußball-Simulation Fifa setzen?

Wer nur auf einen Spiele-Titel baut, wird schnell enttäuscht. Bei Fifa kommt das Teamgefühl gar nicht auf, weil nur ein Spieler gegen einen anderen spielt. Das Auto-Fußballspiel Rocket League ist hingegen der erfolgreichste Newcomer-Titel. Warum? Weil es ein eingängiges Spielprinzip ist, man im Team spielt, es kostenlos zu spielen ist und keine Tötungsabsicht im Spiel steckt.

Das Team ist also wichtig?

Ja, denn wenn man in einem Team spielt, kommt der Gemeinschaftsgedanke viel besser auf. Das zeigt der TSV 08 Kulmbach mit seiner E-Sport-Abteilung, die auch auf eine Erzählung um das Spiel herum aufbaut.

Und Sie unterstützen mit Ihrem Unternehmen die Vereine, wie den TSV, dabei?

Ja. Mit unserer E-Sport-Talentschmiede Minkz unterstützen wir Vereine und fördern Talente aus der Region – und kommen dabei immer öfter mit klassischen Vereinen in Kontakt. Dabei stellen wir uns oft die Frage: Was ist der Antrieb eines Vereins, eine E-Sport-Abteilung zu gründen?

Und was sind die Gründe?

Sie wollen neue Zielgruppen erschließen, attraktiver für junge Menschen sein. Und da wir den E-Sport in Oberfranken fördern wollen, sind wir auf die Idee einer Veranstaltung gekommen, um zu zeigen, wie schon größere Vereine diesen Schritt gewagt haben. Das wird uns Ratiopharm Ulm an diesem Donnerstag erklären.

Gibt es überhaupt die Nachfrage in der Region?

Der E-Sport-Markt an sich ist riesig und zu einem Milliarden-Geschäft geworden. In der Region ist es aber noch eher so, dass sich die Leute noch nicht an das Thema herantrauen. Denn für viele ist E-Sport immer gleich Counterstrike – also ein Spiel mit Gewaltdarstellung. Dabei ist E-Sport mehr – bei uns zum Beispiel Rocket League. E-Sport ist ein elektronischer Wettkampf zwischen zwei Parteien – und es muss eben nicht gleich ein Shooter-Spiele sein.

Das heißt: Es gibt einen Markt und Interesse, aber noch Zurückhaltung von den klassischen Vereinen?

Genau. Bei unseren bisherigen Veranstaltungen hatten wir eine riesige Resonanz – vor allem von Privatpersonen, weniger von Vereinen. Aber beispielsweise hat der FC Nordhalben bei uns angefragt – und überlegt, ob sie nicht auch eine E-Sport-Abteilung gründen.

Sie malen ein positives Bild von der Zukunft des E-Sports. Wohin kann die Entwicklung führen?

Zu lokalen Ligen-System und auch dazu, dass Investoren das Feld wahrnehmen. Ein Beispiel: Mit Minkz haben wir eine jährliche Reichweite von 56 Millionen Zielgruppenansprachen. Wenn ein Sponsor eines Vereins dies erkennt, wird er diese Plattform auch nutzen wollen. Und das Gute ist: Der digitale Raum ist unbegrenzt.

Und am Donnerstag sollen die Vereine erfahren, wie eine Gründung eine E-Sport-Abteilung läuft?

Ja. Wir wollen zeigen, dass es neben dem Kerngeschäft des Vereins noch eine andere Welt gibt. Eine digitale Welt.

Nun sind oftmals die Vereinsvorstände keine Digitalisierungsexperten. Was entgegnen Sie dieser Zurückhaltung?

Ich sage immer: Sie haben doch nichts zu verlieren. Der finanzielle Aufwand hält sich in Grenzen, es kann also nicht viel passieren. Nur ein Konzept ist nötig. Dafür kann man sich aber bei anderen Vereinen schlau machen, die den Schritt schon gewagt haben, – oder gleich bei uns. Ich rate daher immer: Einfach mal ausprobieren! Aber mit der Prämisse: Verstellt euch nicht! Aus einem Turnverein wird nicht ein reiner E-Sport-Verein, sondern es ist ein Miteinander.

Das Gespräch führte Marcus Schädlich