E-Ladestationen, Digitalisierung, Parkplätze Urlaubsregion nachhaltig fit machen

Rosi Thiem
Das bayerische Sonderförderprogramm „Tourismus in Bayern – Fit für die Zukunft“ fördert Margit Dippold, die Tourismusleiterin der Stadt Betzenstein. Foto: Rosi Thiem

Vom neuen Förderprogramm des Bayerischen Wirtschaftsministeriums können umweltbewusste Kleinbetriebe profitieren

Betzenstein - Im Fränkischen Seenland wirbt der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger für das neue bayerische Förderprogramm „Tourismus in Bayern – fit für die Zukunft“ und schüttet dort bereits Geld für die Betriebe aus. Ist das seit dem 15. September geltende Programm auch schon in der Fränkischen Schweiz angekommen? Matthias Helldörfer von der Tourismuszen­trale Fränkische Schweiz geht davon aus, dass das Programm den meisten Betrieben bekannt ist: „Wir haben die Infos an alle Touristinformationen versendet und die leiten das an ihre Betriebe weiter.“

Um was geht es in diesem neuen Programm, das auf vier Schienen beruht? Eine Schiene ist die Verbesserung der digitalen Barrierefreiheit des Marketingangebotes der Tourismusverbände und Tourismusregionen. Ein weiterer Arm ist die Erhebung von touristisch relevanten Echtzeitdaten und Besucherstromlenkungen. Dazu Sabine Kerner, die Pressesprecherin der Regierung von Oberfranken: „Antragsteller können hier alle Anbieter von touristischen Angeboten, Attraktionen oder Parkmöglichkeiten sein. Gefördert werden insbesondere der Kauf von Hard- und Software für Parkplätze oder touristische Ziele, um die Auslastung von Stellflächen zu erfassen. Ziel ist, die Echtzeitauslastungsdaten den Nutzern zur Verfügung zu stellen und damit Besucherströme besser verteilen zu können.“

E-Ladestationen können beantragt werden

Interessant ist ein weiterer Zweig: E-Ladepunkte für Autos und E-Bikes. „Hier kann jedermann/frau, die im Bereich des Tourismus tätig sind, einen Antrag stellen. Neben stationären Ladepunkten für Elektroautos werden auch Ladesäulen für E-Bikes und Pedelecs gefördert, um umweltschonende Tagesausflüge noch attraktiver zu machen“, erklärt die Pressesprecherin. Einerseits können nun auch Hotels, Restaurants und Ferienwohnungsanbieter für ihre Kunden nicht öffentliche Ladepunkte gefördert bekommen und andererseits werden erstmals in Bayern auch Ladepunkte für E-Bikes und Pedelecs an touristischen Standorten gefördert. Der Zuschuss beträgt pauschal je Ladesäule 1500 Euro für Autos und 300 Euro für E-Bikes – maximal 90 Prozent der förderfähigen Ausgaben.

Wie schaut es in den Tourismuszentren derzeit mit E-Lademöglichkeiten aus? Thomas Bernard von der Touristinfo Pottenstein: „E-Ladestationen gibt es an der Rodelbahn für Besucher und am E-Fun-Park – das war bislang während der Saison ausreichend. Derzeit verweisen wir auf die nächste Lademöglichkeit an der Autobahnraststätte. Die Nachfragen halten sich saisonbedingt aber sehr in Grenzen.“

In Waischenfeld gibt es in der Stadtmitte eine öffentlich zugängliche Ladestation beim Verkehrsbüro. Bürgermeister Thomas Thiem: „Eine Ladesäule ist zu wenig, da es immer mehr E-Autos werden. Wir justieren als Tourismusgemeinde nach und haben eine zweite Lademöglichkeit geplant.“

Touristikerin Margit Dippold aus Betzenstein sagt: „Die Mobilität geht immer mehr in Richtung Elek­troantrieb. Dadurch werden auch die Möglichkeiten, E-Mobile aufzuladen, zunehmen. Für Autos gibt es bei uns eine öffentliche E-Tankstelle mit mehreren Ladesäulen im Gewerbegebiet Plech bei der Autobahnausfahrt. Außerdem hält ein touristischer Großbetrieb eine E-Tankstelle für Hausgäste bereit. E-Bikes können von den Gästen problemlos in den Unterkünften geladen werden. Für Ausflugsradfahrer gibt es die Möglichkeit, den Akku im Maasenhaus zu laden oder während eines Besuchs der Gastronomie.“ Als Fahrradverleih- und Servicestationen im Gemeindegebiet Betzenstein sind der Landgasthof Fischer in Stierberg und ­„Radlaktiv in Leupoldstein gelistet, sagt Margit Dippold.

Eine weitere Schiene ist die Förderung zur Steigerung der Attraktivität von nicht gewerblichen Klein- und Kleinstbeherbergungsbetrieben unter 25 Betten. In dieser Investitionsförderung zur Zukunftsfähigkeit der Betriebe werden Summen von mindestens 4000 Euro bis zur Höhe der zuwendungsfähigen Ausgaben von 30 000 Euro gefördert. Die Maßnahmen müssen über Schönheitsreparaturen – die der Gast als selbstverständlich voraussetzt – hinausgehen. Zu den förderfähigen Investitionen zählen insbesondere auch Maßnahmen zur Aufwertung des Innen- und Außenbereichs einschließlich Werbeanlagen, die technische Modernisierung des Betriebs einschließlich Software und die Erstellung von Webseiten, Maßnahmen für die Barrierefreiheit, die Anschaffung von Investitionsgütern und Ersatzbeschaffungen, soweit diese der Modernisierung des Betriebs dienen.

In Betzenstein gibt es momentan 27 Kleinbeherbergungsbetriebe bis 25 Betten. „Das sind fast 80 Prozent der Ferienunterkünfte im Gemeindegebiet“, erklärt Margit Dippold. „Diese Betriebe könnten alle von der Förderung profitieren.“ Das Sonderprogramm setze auf Nachhaltigkeit und fördere Projekte, die die Betriebe vor allem in Bezug auf Naturverträglichkeit, Barrierefreiheit, Ökologie, Marketing und Digitalisierung zukunftsfähig machten. Egal, ob es sich um bauliche Maßnahmen oder um eine neue Webseite handle. „Es zählt das Konzept.“

„Guter Anreiz für Kleinbetriebe“

Gefördert werden bis 50 Prozent mit einer Höchstfördersumme von 30 000 Euro pro Betrieb. Ich kann mir vorstellen, dass das ein guter Anreiz für Kleinbetriebe sein kann, in die Zukunft zu investieren.“ Wie ist dazu bereits die Resonanz? „Wir müssen hier noch die Antragszahlen abwarten. Natürlich hoffen wir auf gute Nachfrage aus unserer Region, damit die Attraktivität Oberfrankens noch besser herausgestellt werden kann“, teilt Sabine Kerner, die Pressesprecherin der Regierung von Oberfranken mit.

Info: Weitere Informationen und den Link zur Beantragung gibt es unter https://www.stmwi.bayern.de/service/foerderprogramme/sonderprogramm-tourismus
 

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