Wie das Seniorenheim Brigittenheim aufpasst, dass die Bewohner auch bei Hitze genug trinken Wenn der Körper nicht durstig ist

Durst, den muss man stillen, gerade bei so einer Hitze wie in den vergangenen Wochen. Aber nicht jeder hat dieses Durstgefühl: Ältere Menschen vergessen oft einfach zu trinken, was für sie sehr gefährlich werden kann. Im Seniorenheim Brigittenheim weiß man von diesem Problem – und wie man damit umgeht. Aber: Einfach ist das nicht.

Die Arbeit von Pflegerinnen in Altenheimen ist nicht immer leicht. An heißen Tagen wie in den vergangenen Wochen wird sie noch schwieriger. Besonders in diesem Sommer und besonders wenn es darum geht, dass die Senioren auch genügend trinken. Roswitha Schecklmann ist die Pflegedienstleiterin im Seniorenheim Brigittenheim und weiß, wovon sie spricht.

„Das Problem ist, dass ältere Menschen eine verminderte Durstwahrnehmung haben“, erzählt die Pflegedienstleiterin. Das Bedürfnis nach Flüssigkeit ist einfach nicht mehr so ausgeprägt wie bei jüngeren Menschen – jeder, der einen älteren Menschen daheim versorgt, wisse das. „An heißen Tagen stehen wir manchmal vor einem Problem. Denn wir können die Bewohner nur auffordern, genügend zu trinken. Dazu zwingen dürfen wir sie aber natürlich nicht.“

Erst kürzlich bekam man im Brigittenheim wieder ein Fax vom Landratsamt. In dem steht drinnen, wie man sich an sehr heißen Tagen im Umgang mit den Senioren verhalten soll. Für die Pflegerinnen sind diese Empfehlungen nichts Neues, aber sicher ist sicher. Außerdem führt der Deutsche Wetterdienst (DWD) ein Zentrum für medizinmeteorlogische Forschung und gibt für jeden Tag Warnungen per Fax an Seniorenheimen weiter. „Heute ist der fünfte Tag der Warnsituation in Folge“, steht da drin, die erwarteten Temperaturen sind auch angegeben.

Sobald sich ein Bewohner im Seniorenheim anmeldet, wird seine Biografie erstellt. Da steht auch drinnen, was das Lieblingsessen und Lieblingsgetränk ist. Schecklmann: „Was bringt es, wenn unsere Senioren Getränke bekommen, die die aber gar nicht mögen.“ Aber selbst wenn das Lieblingsgetränk geliefert wird – meist reicht es trotzdem nicht. Denn durchschnittlich mindestens eineinhalb bis zwei Liter, je nach Körpergewicht, müssten ältere Menschen an heißen Tagen trinken. „Wenn wir merken, dass jemand nicht genügend Flüssigkeit zu sich nimmt, dann setzten wir uns mit demjenigen zusammen und trinken gemeinsam mit ihm“, so Schecklmann. Außerdem könne die Flüssigkeit im Körper auch mit dem Essen zumindest teilweise ein wenig ausgeglichen werden. Etwa indem mit ein wenig mehr Salz gekocht wird. Denn Kochsalz führe dazu, dass das Wasser länger im Körper gehalten wird. Oder es wird Obst mit einem besonders hohen Flüssigkeitsgehalt gereicht, etwa Wassermelonen. Oder es gibt mal einen Eiskaffee.

Besonders schwierig sei es, Bewohner mit Erkrankungen, etwa Demenz oder nach einem Schlaganfall, zum trinken zu bekommen. Die könnten das so gut wie überhaupt nicht mehr umsetzen – sie vergessen einfach, etwas zu trinken. In solchen Fällen sind die Pflegekräfte besonders gefordert.

Wenn es wirklich hart auf hart komme, so die Pflegedienstleiterin, wird ein Trinkprotokoll erstellt. Dann werden die Bewohner mit genau abgemessenen Flüssigkeiten versorgt, und stündlich rechnen die Pflegerinnen die getrunkenen Mengen zusammen. Falls alle Überredungskunst nicht hilft, wird es für die Belegschaft des Seniorenheims kompliziert. „Wenn wir merken, dass es wirklich kritisch wird und der Bewohner partout nichts trinkt, dann setzten wir uns mit den Familienangehörigen in Verbindung, wenn sie eine Vollmacht besitzen. Die bitten wir dann, dass wir eine Infusion setzen dürfen. Das wird dann von Hausarzt gemacht“, sagt Schecklmann. In den letzten zwei Jahren musste dieser letzter Schritt zwar nicht angewendet werden, davor aber schon ab und zu. Betreuungspersonen hätten so eine Empfehlung noch nie abgelehnt.

Frank Zeißler, Pressesprecher beim BRK-Kreisverband Bayreuth, kann davon berichten, dass an „signifikant heißen Tagen“ die Einsätze, die gefahren werden und die Senioren betreffen, steigen. Man führe allerdings keine Liste, was die Gründe für diese Einsätze sind. „Ob die vermehrten Fahrten mit Älteren wirklich etwas mit der Flüssigkeitsaufnahme zu tun haben, können wir nicht nachvollziehen“, sagt er.

Foto: Münch

 

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