S. hatte am selben Tag Geburtstag, als Peggy verschwand, aber das Alibi des damals 24-Jährigen konnten die Ermittler bei den Nachforschungen vor 17 Jahren nicht erhärten.

Etwa gegen 12.45 Uhr muss er mit einer älteren Lichtenbergerin, die am Marktplatz wohnte, über den Kauf landwirtschaftlicher Flächen gesprochen haben. Er selbst gab an, danach ins Haus seiner Eltern gegangen zu sein, um dort Blumen mit seiner Mutter umzutopfen und später mit Verwandten Geburtstag zu feiern. Auch will er Ulvi K. gesehen haben, der sich gegen 13 Uhr in der Ortsmitte aufhielt. Was er abends und den Rest des Tages machte, wurde nie ganz geklärt.

Bakteriell kleine Mengen von Torf waren es, die die jetzige Sonderkommission wieder auf die Spuren von S. brachten. Denn solche fanden sie da, wo S. Peggys Leiche vergraben hatte. Auch Spuren von Farbe, wie sie bei Hausrenovierungen verwendet wurden, fanden sich.

S. sagte in seiner stundenlangen Vernehmung im September, er habe die Leiche des Mädchens am Bushäuschen in der Turnstraße von einem Mann übernommen, habe versucht, sie wiederzubeleben und dann in den Kofferraum seines Autos gelegt und sie weggebracht.

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Beamte fanden bei der Durchsuchung seines Hauses in einem Ortsteil von Marktleuthen weitere Hinweise, die sein Geständnis untermauerten. Pikant ist, dass die Zeugenaussagen von Manuel S. und seiner Mutter 2004 mitverantwortlich waren, dass Ulvi K. damals zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Denn S. Mutter fiel nach einem Jahr ein, dass sie Ulvi K. zur tatrelevanten Zeit in der Ortsmitte auf einer Bank sitzen gesehen habe. Und sie gab ihrem Sohn Manuel ein Alibi.

Die Ermittler hielten ihre Aussage für glaubhaft. Im Wiederaufnahmeverfahren 2014 vor dem Landgericht Bayreuth sagten weder S. noch seine Mutter aus, obwohl sie geladen waren. Der damalige Vorsitzende Richter Michael Eckstein lud sie nicht mehr vor. Nach Informationen des Kuriers sollten auch Familienmitglieder von S. nochmals vernommen worden sein, denn ihre Aussagen könnten falsch gewesen sein.

Günther Beckstein, CSU-Innenminister in der Zeit von Peggys Verschwinden, sagte in einem Interview mit dem MDR und dem Kurier, die Ermittler hätten das damals Mögliche getan. Er räumte ein, in dem Fall „Druck gemacht“ zu haben. Beckstein sagte, die Akten nicht gekannt zu haben, „es ist auch nicht meine Aufgabe“.

Er sei aber laufend über den Fall informiert gewesen und habe „dann natürlich auch nach unten den Druck weiter gegeben. Man habe ihm gesagt, er könne sich darauf verlassen, dass wirklich mit großer Sorgfalt vorgegangen ist“. Doch er räumte ein, „jetzt mit dem Rückblick, hätte man da vielleicht noch ein bisschen mehr Zeit gebraucht, um diesen Tatverdächtigen doch noch vielleicht rund zu kriegen und an der Spur dranzubleiben.“

Im Lauf der Jahre gab bereits mehrere Verdächtige

Warum die Ermittler S. erst jetzt verhaftet haben, steht nicht fest. In solchen Fällen werden Haus und Telefone eines Verdächtigen ständig überwacht. Schon einmal hatte S. nicht mehr dem Ermittlungsdruck standgehalten. 2003 drohte er, sich umzubringen, wenn die Polizei noch mal zu ihm komme.