Duell der Dezimierten Tigers wollen gegen Tölz in die Erfolgsspur zurück

Stinksauer war der Bayreuther Topscorer Ville Järveläinen nach seinem aberkannten Siegtor bei den Löwen Frankfurt. Mittlerweile haben sich die Wogen wieder geglättet. Der Blick der Tigers richtet sich auf Dienstagabend. Dann sind die Tölzer Löwen zu Gast. Foto: Nadine Roith

Die enge Taktung des DEL2-Spielplans bringt auch Vorteile mit sich – selbst für Teams mit einem überschaubaren Kader, wie ihn die Bayreuth Tigers aktuell haben. Denn es bleibt kaum Zeit, sich mit negativen Erlebnissen zu beschäftigen, zu denen die 3:4-Niederlage nach Verlängerung in Frankfurt zweifelsohne zählt. Denn schon am Dienstag um 20 Uhr erwartet die Mannschaft von Trainer Petri Kujala mit den Tölzer Löwen der nächste Prüfstein.

Eishockey - Es liegt zwar ohnehin im Naturell des Bayreuther Coaches, sich nicht allzu lange mit Ereignissen zu beschäftigen, die er eh nicht mehr ändern kann, im Falle der jüngsten und so frustbeladenen Niederlage bei den Löwen Frankfurt half dem 51-Jährigen aber auch ein klärendes Gespräch.

Geführt hat er es mit Stefan Vogl, dem Leiter des Schiedsrichterwesens in der DEL2. „Es war ein langes und gutes Telefonat. Er hat mir alles genau erklärt und mir sogar den Paragraphen im Regelwerk vorgelesen, der den Entscheidungen der Referees zu Grunde lag“, sagt Kujala und fügt hinzu: „Und nun muss auch ich zugeben, dass alles korrekt war. Wir haben wirklich etwas zu schnell gewechselt. Es hat sich im ersten Moment einfach sehr nach einem Skandal angefühlt. Nun muss ich sagen – es war keiner.“

Damit sind für den Bayreuther Trainer die negativen Begleiterscheinungen abgehakt – das Positive vom Gastspiel in Hessen will er mitnehmen in die Partie gegen die Tölzer Löwen. Und davon gab es einiges. Angefangen bei der defensiven Disziplin, über die große Effizienz in der Offensive, bis hin zur intakten Moral. „Es ist einfach großartig, was diese Mannschaft Spiel für Spiel aufs Eis bringt.“ Ein Geheimnis des Erfolges liege sicherlich auch in der überschaubaren Spielerzahl, sagt Kujala. „Die Jungs sind zur verschworenen Einheit geworden und mental unheimlich stark. So sind wir auch nach Frankfurt gefahren – nicht um irgendwie Schadensbegrenzung zu betreiben. Nein, wir wollten da absolut gewinnen.“

Die Personalsituation: Pferdekuss – keine Chance für Ivan Kolozvary

Und so muss einem als Tigers-Fan gar nicht bange davor sein, dass das „dreckige Dutzend“ (Kujala) auch gegen die zuletzt ebenfalls personell gebeutelten Isarwinkler wohl in der Tat wieder nur aus zwölf Spielern bestehen wird. Kapitän Ivan Kolozvary, der aufgrund eines gegen Kassel erlittenen Pferdekusses am Oberschenkel in Frankfurt passen musste, wird noch nicht zurückkommen. „Es hat so stark eingeblutet, dass er das Bein kaum beugen kann“, erklärt der Tigers-Coach. Der hat ein kleines bisschen Hoffnung, Christian Kretschmann und Jan-Luca Schumacher zumindest am kommenden Wochenende wieder zur Verfügung zu haben. Nach Ablauf ihrer häuslichen Quarantäne infolge einer Corona-Infektion müssen sie aber noch die Ergebnisse der kardiologischen Untersuchungen abwarten.

Der Gegner: Bad Tölz seit neun Wochen mit nur vier Verteidigern

Während bei den Bayreuthern mit Verteidiger Matic Podlipnik ein überzähliger Kontingentspieler auf der Tribüne schmoren muss, haben die Tölzer aktuell nur drei Ausländer zur Verfügung. Nachdem die Werdenfelser Lukas Vantuch in Richtung Selb hatten ziehen lassen, zog sich der amerikanische Stürmer-Neuzugang Grant Besse vor einer Woche im Spiel bei den Ravensburg Towerstars eine schwere Gehirnerschütterung zu. Die eigentliche Problemzone der Bad Tölzer aber ist die Defensive. „Seit mittlerweile neun Wochen spielen wir mit nur vier Verteidigern“, sagte Löwen-Trainer Kevin Gaudet nach der jüngsten 4:5-Niederlage nach Verlängerung gegen die Dresdner Eislöwen. Dass sein stärkster Verteidiger Ian Brady das entscheidende Gegentor auf der Kappe hatte – ohne Bedrängnis beförderte der 27-jährige US-Amerikaner die Scheibe ins eigene Tor –, sei einzig dem hohen Kräfteverschleiß geschuldet. „Die Jungs sind einfach todmüde.“

Der Topscorer: Järveläinen nun auch in der DEL2 ganz oben

Todmüde? Das kann man von Ville Järveläinen nicht behaupten. Obwohl der Bayreuther Topscorer in Frankfurt mehr als 35 Minuten Eiszeit nahm, war er bis zum Schluss brandgefährlich. Sein Spiel erinnerte etwas an den nimmermüden Duracell-Hasen. Während der Plüschhase immer mit der gleichen hohen Intensität trommelte, ackerte Järveläinen bis zum Schluss auf hohem Niveau. Er eroberte sich Scheiben, lief in Position und schloss ab. Immer und immer wieder. Ehe sein vermeintlicher 4:3-Siegtreffer aberkannt wurde, hatte er schon zweimal getroffen.

Und damit die Führung in der Topscorer-Wertung der DEL2 übernommen. 30 Punkte (17 Tore/13 Assists) stehen für den finnischen Wirbelwind aktuell zu Buche. Er hat damit Peter Quenneville (15/13) von den Lausitzer Füchsen und Jordan Knackstedt (11/17) von den Dresdner Eislöwen distanziert. Der 28-Jährige freut sich über diese „schöne Momentaufnahme“, betont aber auch, dass seine Reihenpartner einen gewaltigen Anteil daran haben. „Vor allem Cason Hohmann. Zwischen uns beiden stimmt einfach die Chemie. Er ist einer der besten Vorlagengeber der Liga. Wir können uns glücklich schätzen, solch einen Spieler in unseren Reihen zu haben.“ Alles in allem sei es kein Hexenwerk mit dieser Mannschaft, einen Platz unter den besten sechs Teams zu erreichen, erklärt Ville Järveläinen. Am Dienstagabend wollen er und sein Team einen Schritt in diese Richtung tun.

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