DRV und Hotel in Seulbitz Therme: Schluss mit Einsiedler-Dasein

Nur eine von mehreren Flächen, die bebaut werden sollen: Südlich der Therme soll sich – wie berichtet – ein Luxus-Hotel ansiedeln, im Norden der Therme will die Deutsche Rentenversicherung (DRV) eine Klinik errichten. Foto: Eric Waha/Eric Waha

Der Schub für die Therme soll kommen: Der Bauausschuss empfiehlt dem Stadtrat, die Verfahren für die Flächen rund um die Lohengrin-Therme fortzuführen und für die öffentliche Auslegung vorzubereiten. Trotz einiger Bedenken, die unter anderem von den Grünen kommen, was die Gebäude-Höhen der Rentenversicherungs-Klinik und des geplanten Hotels angehen.

Bayreuth - Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) will in Seulbitz ihre Klinik in direkter Nachbarschaft zur Lohengrin-Therme bauen. Neben der Therme will  eine österreichische Investoren-Gesellschaft ein Luxus-Hotel bauen. zwei weitere Flächen in der Nachbarschaft des Heilbades sollen ebenfalls bald eine neue Nutzung bekommen. Das Paket findet die Zustimmung des Bauausschusses in seiner Sitzung am Dienstag – mit entsprechender Empfehlung an den Stadtrat, die Planverfahren fortzuführen. Allerdings gibt es auch den einen oder anderen Kritikpunkt.

Rund 15 Hektar Geltungsbereich

Der Flächennutzungsplan muss ebenso geändert werden wie der Bebauungsplan für den knapp 15 Hektar großen Bereich, sagt die Stadtbaureferentin Urte Kelm in der Sitzung – und skizziert, was dort entstehen soll: Nördlich der Therme soll die DRV-Klinik hin. 20 Meter hoch, Stellplätze dazu. Das Hotel südlich der Therme solle vier Vollgeschosse bekommen, also rund 13 Meter hoch werden. Östlich der Therme könne man sich die Bebauung mit Praxen oder Gastro-Nutzung noch vorstellen, westlich der Therme sollen die Chalets entstehen, die zum Hotel gehören. 8500 Quadratmeter Ausgleichsfläche für die Baumaßnahmen sollen bei Thiergarten realisiert werden.

Anbindung an den Golfplatz mit Straße geht nicht

Was sich schwer realisieren lasse, sagt Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU), sei eine Anregung der BG, die eine Anbindung von der Therme zum Golfplatz ins Spiel gebracht habe, so wie es dem Golfplatz schon seit Jahrzehnten versprochen sei, wie Georg Kämpf (BG) später sagt. Man befinde sich hier schon „fast im Naturschutzgebiet“, sagt Ebersberger. Außerdem bestünde die Gefahr, dass man „den Verkehr von Laineck rüberzieht“. Das sei so nicht darstellbar.

Projekt, auf das man lange gewartet hat

Die Stadträte betrachten die Vorhaben differenziert. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Stefan Specht sagt, er sei „sehr glücklich, dass wir nach 20 Jahren Einsiedler-Dasein der Therme diese Phase verlassen“ – und dass es erkennbar vorwärts gehe. Was er etwas „gestalterisch unglücklich“ findet: Die vielen Parkplätze, die die DRV-Klinik braucht. Eine Tiefgarage aber sei da nicht machbar, sagen Kelm und der Leiter des Stadtplanungsamts, Ulrich Meyer zu Helligen. „Ein Projekt, auf das wir viele Jahre gewartet haben“, nennt der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Bauske die beiden Vorhaben.

Sorge wegen der Investitionen

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Steininger setzt auf „den zweiten Blick“: Der bringe nach der Euphorie einen Dämpfer, denn als Stadtwerke-Aufsichtsrätin sehe sie große Investitionen auf die Bayreuther Thermalbad- GmbH (BTB) und damit die Stadtwerke zukommen, die man „deckeln muss“, wie sie sagt. Zumal das Bad mit einem jährlichen Defizit von drei Millionen Euro nicht zu den Aufgaben der Daseinsvorsorge gehöre. Ein weiterer Punkt Steiningers, den auch der Ortssprecher Klaus Becher ins Spiel bringt: die Gebäudehöhen. Steininger fürchtet hier den verschlechterten Kaltluft-Abfluss. Ebersberger antwortet, dass die Lohengrin-Therme „deutlich über 20 Jahre alt ist, da müsste ohnehin investiert werden“. Und: Man hoffe, dass das Defizit um – möglicherweise – eine halbe Million Euro pro Jahr gesenkt werden könne, „wenn mehr Menschen rein gehen“. Kelm sichert zu, dass der Klimabeirat mit beiden Projekten in Kürze befasst werde.

Bauchschmerzen wegen der Erschließung

Georg Kämpf sagt, es sei „immer schwer nach den Grünen zu sprechen“ wegen deren fundierter Argumente. Dennoch sieht er „in beiden Projekten mehr Vor- als Nachteile“. Seine Anregung, mit dem Golf-Club zu sprechen, hat Ebersberger schon umgesetzt, wie er sagt. „Es soll schon gewährleistet sein, dass man da hin und her kommt, sagt Ebersberger. Während Stephan Huttner (FDP) „überwiegend Vorteile“ in der geplanten Ansiedlung sieht, was auch der JB-Fraktionsvorsitzende teilt – „wir bekommen eine neue Besuchergruppe. das sehe ich auch unter dem Nachhaltigkeitsaspekt, dass man in Deutschland Urlaub macht und nicht wegfliegen muss“, wie er sagt. Allerdings hat Süss ebenso wie Gert-Dieter Meier leichte Bauchschmerzen wegen der Erschließung.

Elektro-Wägelchen zwischen Hotel und Golfplatz

Die – beim zweiten von drei Gutachtens-Punkten gegen zwei Stimmen der Grünen – Empfehlung an den Stadtrat ist jedoch eindeutig: Weitermachen mit den Planungen. Und auch für die Golfplatz-Erschließung gibt es eine Idee: Helmut Parzen (CSU) regt an, Elektro-Golf-Fahrzeuge am Hotel bereit zu stellen.

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