Drücken, heben, pressen: Welterbe Opernhaus bekommt alte Dachkonstruktion wieder Opernhaus: Dach wird aufgerichtet

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Alles auf Anfang. Das ist die Aufgabe der Zimmerleute im Dachstuhl des Bühnenhauses des Markgräflichen Opernhauses. Das Dach ist, anders als das Dach über dem Logenhaus, an mehreren Stellen eingesackt. Hat sich gesenkt, teilweise um bis zu 50 Zentimeter. Behutsam wird er gehoben und in seine Ausgangsposition zurückgedrückt. Eine Arbeit, die vor einigen Jahrzehnten technisch unmöglich gewesen wäre.

Es knarzt. Es knirscht. Staub rieselt von oben. Von ganz oben, aus dem First des Markgräflichen Opernhauses. Millimeter um Millimeter hebt sich der graue Balken. Gedrückt von einem hydraulischen Wagenheber, den einer der Zimmermänner nach oben pumpt. Sein Kollege achtet auf den Balken, der den Querbalken der nächsten Ebene des zweischichtigen Tragwerks stützt. Löst er sich, muss auch er nachgedrückt werden. Der Balken muss zurück in seine Ausgangsposition. Und er ist nicht der einzige. Das riesige Dach über dem Bühnenhaus des Welterbes war eingesackt. War windschief. "Dass es so schlimm war, war von außen nicht zu sehen. Und von innen war der Zugang zum Dachtragwerk von der Dämmung, die eingebaut worden war, nicht möglich", sagt Michael Erhard, Baudirektor beim Staatlichen Bauamt und Projektleiter der Sanierung des Opernhauses. 

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Es fehlten viele Hölzer

Erst als die Mineralwolldämmung weg war, sah man die Schäden. Und die Gründe dafür. Erhard und Michael Fränkel, der Architekt, der die Sanierung des Welterbes betreut, nennen zwei Hauptgründe: "Es fehlten viele konstruktive Hölzer", sagt Erhard. Und im Traufbereich, wo die Hölzer auf der Mauerkrone aus Sandstein aufliegen, haben "Fäulnis und Schwammbefall das Holz angegriffen", sagt Fränkel. "Auf der Seite zum Operncafé hin war das Dach um rund 50 Zentimeter eingesackt", sagt Erhard. Das Dach ist seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr mit dem Dach über dem Logenhaus direkt verbunden. Damals war die Brandwand zum hölzernen Logenhaus eingebaut worden. Das Dach über dem Bühnenhaus ist in Richtung Bühne um etwa 40 Zentimeter aus dem Lot gekippt. 

Dachstuhl wird in ursprüngliche Lage gedrückt

Die Lösung, die der Statiker ausgetüftelt hat, ist komplex: "Man hätte ein drittes Tragwerk neben dem alten und dem des Schnürbodens einbauen können. Zusammen mit der Schlösserverwaltung sind wir aber dem Vorschlag des Statikers gefolgt: Wir drücken den Dachstuhl in seine ursprüngliche Lage zurück", sagt Erhard. "Das Schöne ist: Mit Holz kann man das machen", sagt Fränkel. "Das ist der einzige Werkstoff, der das mitmacht." Auch wenn das Holz mehrere hundert Jahre alt ist. Und wenn es über Jahrzehnte verformt war. Und es geht vergleichsweise schnell, wie Fränkel mit dem Metermaß zeigt: 25 Zentimeter hing einer der Querbalken durch. Inzwischen ist er fast schon in der Position, die er später wieder braucht. Als einer von vielen, die nach und nach angehoben werden.

Ein schwerer Weg

Der Weg dorthin allerdings ist nicht einfach. "Wir haben damit begonnen, ein Notdach auf dem alten Dachstuhl zu errichten. Auf dem alten Dachstuhl deshalb, weil der ja die Bewegungen mitmachen muss, wenn wir das Dach anheben", sagt Erhard. "Das ist ein Bauwerk für sich", sagt Fränkel. Genauso wie die zwölf Meter hohe Arbeitsplattform aus Holz, die das komplette Bühnenhaus innen ausfüllt. Das Notdach und die Plattform waren Vorarbeiten, die Ende des vergangenen Jahres gemacht wurden. Zwei Monate hatte allein das gedauert.

Neue Windaussteifungen

Danach kamen die Dacheindeckung aus Schiefer und die komplette Dämmung weg. Seit wenigen Wochen wird gedrückt, gehoben, gepresst. Werden abgefaulte Schwellen ersetzt. Werden neue Balkenköpfe eingebaut. Bekommt das Dach neue Windaussteifungen, die zum Teil komplett gefehlt haben. Man nehme an, sagen Fränkel und Erhard, dass die konstruktiven Hölzer entfernt worden waren, als einst die neue Bühnentechnik eingebaut wurde. Das passierte in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Folge: "Das Dach kam nie zur Ruhe. Überall Verformungen. Und Verbindungen, die auseinander gingen."

65 Kubikmeter Holz

Das soll ein Ende haben, wenn das Dach wieder auf seinen Ursprungszustand zurückversetzt ist. Ergänzungen aus Stahl werden dann nicht mehr zu finden sein. "Das, was fehlt, wird wieder durch richtige Zimmermannsarbeit ergänzt", sagt Fränkel. In etwa so, wie es auch bei der benachbarten Synagoge gemacht worden war, dem Vorläuferbau des heutigen Welterbes Opernhaus. Wie Erhard und Fränkel sagen, dauert die Sanierung des Daches über dem Bühnenhaus rund ein Jahr. Die Kosten allein dafür: rund eine Million Euro. Etwa 120.000 Euro kostete es allein, das Gerüst, das Notdach und die Arbeitsplattform zu bauen. 65 Kubikmeter Holz wurden verbaut. "Dazu kommt noch die Dacheindeckung. Die ist gerade in der Ausschreibung", sagt Fränkel. 

Restaurierung läuft nach Plan

Die Restaurierung des Opernhauses insgesamt läuft nach Plan, sagt Fränkel. "Im Frühsommer kommt das Gerüst raus aus dem Logenhaus. Das ist der Plan." Das Welterbe soll im April 2018 wieder eröffnen. Mitte 2018 wird dann wieder gebaut: Im benachbarten Redoutenhaus wird ein Welterbezentrum eingerichtet, das noch einmal knapp fünf Millionen Euro kosten wird. Alles zusammengenommen kostet die Restaurierung des Opernhauses dann 32,3 Millionen Euro. 

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