Differenzen gibt es seit Jahren. Hochgekocht sind sie am 27. April. Im Vereinsheim des Kleingartenvereins Herzoghöhe. Bei der Jahresversammlung. Mit 35 anwesenden Mitgliedern. „Ich habe die Tagesordnung durchgestrichen, Katastrophe drauf geschrieben und sie abgeheftet“, sagt ein Mann, der beim Treffen mit dem Kurier sonst nicht als Lautsprecher auftritt. „Wir wollen alle nicht mehr hin.“

Was war los? „Sie waren alle betrunken“, sagt Danuta Sklorz, Initiatorin des Treffens und stellvertretende Kassiererin des Vereins mit gut 130 Kleingärten. Ihre Wahl zur stellvertretenden Vorsitzenden scheiterte an zwei Stimmen. Die restlichen Vorstandsmitglieder gehören dem, wie Sklorz es nennt, „anderen Lager“ an. Denen, die gerne im Vereinsheim sitzen, Karten spielen, Bier trinken, sich gut verstehen. Aber, so findet es Sklorz, „die anderen ausgrenzen“.

Gezeigt habe sich dies vor allem am 11. April. Sklorz wollte ins Vereinsheim. Sie dachte, es sei Vorstandssitzung. So war es aber nicht – und Sklorz war unerwünscht. „Mir wurde von einem Mitglied körperliche Gewalt angedroht.“

Die Kartrunde sei eine geschlossene Gesellschaft gewesen. Ob und wohin die Vereinsheim-Miete von 60 Euro gezahlt wurde, wollte Sklorz überprüfen. Für die Jahresversammlung stellte sie den Antrag, Kosten und Einnahmen offenzulegen. Das geschah aber nicht. Und das Mitglied, das sie bedroht habe, wurde auch nicht gerügt, wie von Sklorz gefordert.
„Ich habe 60 Euro eingenommen. Das könnte ich logischerweise auch nachweisen“, sagt Jürgen Zimmermann, der Vorsitzende des Kleingartenvereins. „Die Gruppe, die sich beschwert, ist schon immer ein Verein im Verein.“

Vorsitzender: Versammlung ist normal verlaufen

Im Gegensatz zu denen, die im Vereinsheim für Umsatz sorgen, bringe Sklorz zu den Sitzungen ihr Wasser selbst mit. Zimmermann: „Es gibt welche im Verein, die stört alles und die kümmern sich um gar nichts.“ Die Versammlung sei normal verlaufen. Er und seine Vorstandskollegen wurden klar wiedergewählt, Anträge besprochen. Niemand sei bedroht worden.

Sklorz und die sechs anderen schildern es anders. „Das war unterhalb der Gürtellinie“, sagt einer. Sklorz habe nicht in die Unterlagen schauen dürfen und sie sei angeschrien worden. Als ihr eine Frau näher kam, hätte er sie vorsichtshalber am Arm hinausgezogen – schildert ein Gesprächsteilnehmer. Viele Mitglieder seien schon vorher gegangen.

An Zimmermann prallt die Kritik ab. „Die verstehen halt nicht immer alles“, sagt er. „Und es sind immer dieselben.“ Damit meint er vor allem Gerhard Bauer, der einer der sieben ist. „Ich bin seit über 50 Jahren auf der Anlage unterwegs, aber so wie seit 2012 war es nie“, sagt der 74-Jährige, der seit gut 25 Jahren Mitglied ist, vorher Schwiegermutters Garten pflegte. 2012 wurde Zimmermann gewählt.

Ein Beispiel für Unruhe im Verein: Bauer hat bis 2016 jahrelang den Arbeitsdienst ausgeführt, sich um die Anlage gekümmert. Er bekam dafür Geld, das die Mitglieder pauschal zahlen. Anfangs pro Garten 60, heute 50 Euro im Jahr. „Da blieb immer etwas übrig“, sagt er, und zeigt in den Unterlagen auf einen vierstelligen Betrag. „Wo ist das Geld?“ 66 andere Mitglieder wollten das auch wissen – und haben dafür unterschrieben.
Zimmermann, seit 42 Jahren Mitglied, antwortete schriftlich. Mit Bilanzzahlen. Die für Bauer wichtige Auskunft, wie viele Arbeitsstunden seine Nachfolger ausführen, war nicht dabei. Zimmermann pocht darauf, dass die Bilanz stimmt. „Es läuft alles ordentlich ab, es gibt für alles Belege.“

Der Gesprächsfaden ist gerissen. Der Vorsitzende argumentiert in einem Schreiben, Bauer störe den kleingärtnerischen Frieden und droht mit Vereinsausschluss. Bauer hat sich einen Anwalt genommen. Jetzt klären also Juristen, wer in Sachen Gartenpflege Recht hat.