Drei Jahre Nichtraucherschutzgesetz Manche Gastronomen kämpfen nach wie vor mit Beschwerden von Nachbarn

Von Andrea Franz

Immer wieder gibt es Raucher-Zoff in der Innenstadt. Und das seit drei Jahren. So lange gibt es das strikte Nichtraucherschutzgesetz in Bayern. Betreiber von Kneipen, Clubs und Gaststätten sind seitdem gezwungen, ihre rauchenden Gäste nach draußen zu schicken. Zum Leidwesen der Raucher, aber auch der Anwohner.

Seit dem Rauchverbot ist es vor dem Trichter oft zu laut. 45 Dezibel sind erlaubt. Viele Gastronomen in der Innenstadt kämpfen seit dem Nichtraucherschutzgesetz mit diesem Problem. Foto: Lammel/Archiv Foto: red

Für Ahmad Kord Bacheh fingen mit dem Rauchverbot seine Probleme an (der Kurier berichtete). Mittlerweile kämpft der Geschäftsführer des Bayreuther Lokals Trichter um seine Existenz. Die Inhaberin des benachbarten Hotels Goldener Anker Eva Graf-Handel beschwerte sich über den Lärm, den die Raucher vor dem Lokal verursacht haben sollen, und ging vor Gericht. Weil es nach 22 Uhr vorm Trichter meist lauter ist als 45 Dezibel. Und damit gemäß bayerischer Vorschrift zu laut. Deshalb darf er nur zwölfmal pro Jahr neben seinem normalen Barbetrieb Partys veranstalten. „Wie soll ich da mit den anderen Clubs mithalten?“

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Bacheh hat seitdem Umsatzeinbußen von knapp 40 Prozent. „Hinzu kommen Mehrkosten für zwei Sicherheitsleute, die vor der Tür darauf achten, dass es ruhig ist“, sagt der Gastronom. Trotzdem kämen immer wieder Beschwerden von Seiten des Hotels. Sogar eine Zivilklage habe er am Hals: Das sei frustrierend und traurig, sagt Bacheh. Die Hotelbesitzerin wolle sich zu der Sache nicht äußern, sagte eine Angestellte am Telefon.

„Ich habe aus einer Spelunke einen Szeneladen gemacht, und dann macht mir ein Gesetz alles kaputt.“ Nach Bachehs Meinung wurde das Nichtraucherschutzgesetz nicht zu Ende gedacht. „Weil es keinen Ausgleich für die Gastronomen gibt“, sagt der Chef des Trichters. Zum Beispiel in Form einer gelockerten Dezibel-Vorschrift. Denn 45 Dezibel könne laut Bacheh keiner einhalten. „Aber ,wo kein Kläger, da kein Richter’, sagte mir mal die Stadtverwaltung. Das heißt, wenn es irgendwo 70 Dezibel laut ist und es keinen stört, ist es egal.“

Das Ordnungsamt der Stadt könne die Lärmwerte nicht beeinflussen, sagt Dienststellenleiter Alfons Linhardt. Das Problem mit zu lauten Kneipengäste gebe es in ganz Bayern, nicht nur in Bayreuth. „Insgesamt hat sich die Zahl der Beschwerden aber erhöht, seitdem das verschärfte Nichtraucherschutzgesetzes eingeführt wurde“, sagt Linhardt. „Was den Trichter anbelangt, gehen nach wie vor Lärmbeschwerden bei uns ein.“ Das gelte aber auch für andere Lokale in der Innenstadt.

Auch Gigi Hofer bekommt das zu spüren. Die Pächterin der Kneipe Kanapee bezeichnet das Rauchverbot als „Drama“. Damit habe der ganze Lärm-Ärger begonnen. „Einer unserer Nachbarn beschwert sich oft mehrmals pro Woche, dass es vor unserem Lokal zu laut sei“, sagt Hofer. Dabei seien sie und ihre Mitarbeiter immer darum bemüht, den Lärmpegel unter den Raucher vor der Tür gering zu halten. Manche der lärmenden Nachtschwärmer seien auch keine Gäste des Kanapees. „Die laufen halt einfach durch die Passage.“ Was für Gigi Hofer noch viel schlimmer ist: „Durch das Rauchverbot ist die Gemütlichkeit und Harmonie weg. Wir waren halt schon immer eine Raucherkneipe.“ Anfangs seien deshalb auch weniger Gäste gekommen. Hofer gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich das Gesetz irgendwann wieder lockert.

„Man hätte das Gesetz auf die Essensgastronomie beschränken sollen“, sagt Sonja Hofmann, Betreiberin der Rosenau. Auch sie kennt das Problem, dass es vor dem Tanzlokal mal zu laut werden kann. „Vor allem im Sommer ist es schlimm. Im Winter rauchen sie schneller und gehen wieder rein“, sagt Hofmann. Seit dem Rauchverbot beschäftigt sie zwei Sicherheitsleute mehr, die draußen für Ruhe sorgen sollen. Das sei sonst unfair den Nachbarn gegenüber. „Vor allem beim angrenzenden Hotel Lohmühle versuchen wir, es ruhig zu halten. Die sind schließlich auf ihre Gäste angewiesen. Genauso wie wir“, sagt Hofmann. Der Vorteil des Rauchverbots: „Die Luft ist viel besser.“
Für Martina Groh-Walter vom Hotel Lohmühle wäre eine Klage der letzte Schritt. „Mit Kommunikation kommt man viel weiter.“ Wenn es ein Lärmproblem gibt, spricht sie mit Sonja Hofmann darüber. Aber Groh-Walter könne sich momentan nicht beschweren. Es sei schon mal viel schlimmer gewesen.

Im Rosa Rosa hat man sich arrangiert mit der Situation, dass nur noch draußen geraucht werden darf. „Natürlich bleibt die Gemütlichkeit ein bisschen auf der Strecke. Aber unsere Raucher-Gäste sind dran gewöhnt“, sagt Andreas Wohlrab, einer der Pächter. Außerdem sei es sowohl für das Personal als auch für die anderen Gäste so angenehmer. Probleme mit Lärmbeschwerden habe er nicht. „Wir achten darauf, dass es draußen nicht zu laut ist.“

Info: Derzeit sammelt die Bayernpartei Unterschriften für ein Volksbegehren gegen das Rauchverbot.