Drei Jagden mit Hunden am Wochenende in der Region Jäger Georg Bayer über Drückjagden: „Wir wollen töten, nicht verletzen“

Von Sarah Bernhard

In der Region finden morgen gleich drei Drückjagden statt. Bei dieser Art der Jagd schrecken Hunde die Wildschweine auf. Die Schweine bewegen sich von den Hunden weg – und laufen den Jägern vor die Flinte, die auf ihren Hochsitzen warten. Eine der Jagden findet im Bereich Pottenstein statt, wo Georg Bayer Hegegemeinschaftsleiter ist. Der Kurier sprach mit ihm über den Sinn von Drückjagden.

Am Wochenende finden in der Region gleich drei Drückjagden statt. Foto: dpa Foto: red

Na Herr Bayer, geht’s morgen wieder auf Trophäenjagd?

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Georg Bayer: Für Rehbock ist gerade keine Schusszeit und Rotwild haben wir keines. Eine Trophäe wären also nur Zähne des Wildschwein-Keilers. Aber darum geht es morgen gar nicht.

Sondern?

Bayer: Darum, den Schwarzwildbestand einzudämmen. Früher war die Jagd für die Jäger ein Vergnügen, mittlerweile ist sie eine Herausforderung. Oft sogar Stress.

Warum das denn?

Bayer:Drückjagd bedeutet, dass sich 120 Jäger vier Stunden in den Wald stellen und dann mit Glück 20 Schweine geschossen haben. 100 Jäger waren also umsonst im Wald.

Hört sich nicht sehr effektiv an. Fällt den Jägern denn nichts Besseres ein?

Bayer: Wir könnten uns auch auf einem Hochsitz die Nächte um die Ohren schlagen. Das geht aber nur, wenn der Mond voll ist und außerdem muss ich nebenbei auch noch etwas arbeiten. Deshalb hat sich die revierübergreifende Drückjagd als effektiveres Mittel herausgestellt.

Gerade haben Sie noch gesagt, 120 Jäger schießen bei einer solchen Jagd nur 20 Wildschweine.

Bayer: Eine Untersuchung hat gezeigt, dass Jäger durchschnittlich 25 mal ansitzen müssen, um ein Wildschwein zu erlegen. Das ist noch ineffektiver.

Ich hörte mal einen Jäger sagen, dass wenn Wildschweine eine Tastatur bedienen könnten, sie schon lange die Welt erobert hätten.

Bayer: Wildschweine passen sich vor allem unheimlich gut an Veränderungen an. Gerade habe ich mit einem Jäger telefoniert, der die Jagd morgen vorbereitet. Er hat einen Hochsitz aufgebaut und erst als ein Hund angefangen hat zu stöbern, hat er bemerkt, dass genau nebenan Wildschweine saßen, die ihn beobachteten.

Kein Grund, mit Geschossen auf sie zu schießen, die sich im Körper aufsplitten und innere Organe zerfetzen.

Bayer: Wir wollen töten, nicht verletzen. Also muss ich ein Geschoss verwenden, das möglichst sicherstellt, dass das Tier sofort tot ist.

Und trotzdem besagt eine Studie der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, dass 70 Prozent der bejagten Tiere nicht sofort tot sind.

Bayer: Das glaube ich nicht, denn ich habe deutlich andere Erfahrungen gemacht. Bei einer Drückjagd sollen Hunde das Wild auf die Beine bringen, sie treiben es aber nicht. Die Schweine sollen möglichst ruhig an einem Jagdstand vorbeikommen, auf dem hoffentlich ein Jäger sitzt. Auf flüchtendes Wild wird gar nicht geschossen, weil das zu unsicher ist. Es ist auch immer ein Nachsucher-Gespann da, das einem verwundeten Tier nachgeht und es tötet, damit es nicht unnötig leiden muss. Außerdem haben wir einen Tierarzt, die Polizei und Rettungskräfte informiert. Wenn ich diese ganzen Maßnahmen beachte, ist eine Drückjagd mit Sicherheit eine tierschutzkonforme Form der Bejagung.

Sie scheinen aber selbst nicht so recht daran zu glauben, dass Ihre Jäger gut schießen können – sonst würden sie doch kein Schießkino bauen.

Bayer: Manuel Neuer ist einer der besten Torwarte der Welt und der übt trotzdem jeden Tag. Wir machen das genauso: Wir üben und streben danach, immer besser zu werden.