Drei Architekten für einen Bahnhof?

Von Moritz Kircher

Der Weidenberger Gemeinderat will den denkmalgeschützten Bahnhof im Ort sanieren. Und das vor allem mit Fördergeld des Freistaates. Doch der schreibt dann auch vor, wie das Ganze abzulaufen hat. Dass dabei gleich drei Architekten eine Rolle spielen sollen, hat im Gemeinderat am Montagabend für Kopfschütteln gesorgt. Dabei hat die Regierung von Oberfranken dafür eine Erklärung.

Sanierung des Bahnhofs: Die Städtebauförderung sorgt beim Weidenberger Gemeinderat für Irritationen. Foto: Ronald Wittek Foto: red

Sollen drei Architekten damit beauftragt werden, die Sanierung des denkmalgeschützten Weidenberger Bahnhofs zu planen? „Das gibt eine Kakophonie“, schimpfte Gemeinderat Martin Lochmüller (Bürgerforum/UW) in der Sitzung am Montagabend. Eine Kakophonie, das sind Laute und Geräusche, die besonders hart, unangenehm oder unästhetisch klingen.

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Wittauer: "Wer bezahlt, bestellt."

Man könnte Lochmüllers Befürchtung im Fall des Weidenberger Bahnhofs so übersetzen: Zu viele Köche verderben den Brei. Und das auch noch für viel Geld. Aber angeblich will das die Regierung von Oberfranken so. Doch ganz so heiß, wie der Brei im Gemeinderat gekocht wurde, ist er am Ende wohl nicht.

Der Freistaat gibt 80 Prozent der Mittel für die Sanierung über die Städtebauförderung. Und die ist bei der Regierung angesiedelt. Dass gleich drei Architekten beim Bahnhof mitwirken sollen, kommentierte Bürgermeister Hans Wittauer trocken: „Wer bezahlt, bestellt. Da muss man sich mit dem Fördergeber arrangieren.“

Drei Architekten? "Da bin ich sprachlos."

Ganz so nüchtern sahen es die Gemeinderäte nicht. Nicht nur, dass es gleich drei Architekten sein sollen. Nein, es soll auch noch einen Bürgerworkshop geben, in dem die Weidenberger Vorschläge einbringen können, wie der Bahnhof nebst kleiner Veranstaltungshalle künftig aussehen soll. Der Vorschlag der Regierung, die Bürger zu beteiligen, kam im Gremium gut an. „Aber das mit den drei Architekten irritiert mich ein wenig“, sagte Christa Reinert-Heinz (CSU).

Ihr Fraktionsvorsitzender Gerhard Steiniger stimmte ein. „Das irritiert mich völlig“, sagte er. „Da bin ich sprachlos.“ Es klang durch, dass der Gemeinderat das für ein kostspieliges Unterfangen hält – und das bei der schlechten finanziellen Lage der Gemeinde.

Ohne Fördergeld keine Sanierung des Bahnhofs

Bürgermeister Wittauer betonte, dass es nur den Weg der Regierung gebe oder gar keinen. Denn ohne das Geld aus der Städtebauförderung würde es nur einen niedrigen Fördersatz für das Bahnhofsgebäude über den Denkmalschutz geben – und keinen Cent für die Veranstaltungshalle. „Die Bürgerbeteiligung ist wichtig“, sagte Klaus Trautner (Bürgerforum/UW). „Aber drei Architekten? Okay, wahrscheinlich haben sie ihre Erfahrungen damit.“

Und die hat die Regierung tatsächlich. Dass mehrere Architekten eingebunden werden müssen, sei so in den Vergabevorschriften der Städtebauförderung geregelt, teilt Regierungssprecherin Heike Hampl auf Kurier-Anfrage mit. „Bei Angebotsverfahren sind gemäß der Vergabeordnung mindestens drei bis fünf Bewerber einzuladen.“ Und mit dem Modell – Architektenvorschläge plus Bürgerbeteiligung – habe man bei der Sanierung eines Jugendtreffs in Eggolsheim in der Vergangenheit schon gute Erfahrungen gemacht.

Architekten machen Entwürfe und kommen vielleicht gar nicht zum Zug

Die Regierung bestätigt, dass für drei Architekten auch Kosten entstehen. Die Honorare müsse die Gemeinde mit der Bayerischen Architektenkammer absprechen. Aber das sei auch gerechtfertigt, weil Architekten nicht einfach ein Angebot abgeben können. Sie müssen vielmehr mit einer Planung in Vorleistung gehen, ohne zu wissen, ob sie überhaupt zum Zug kommen.

Am Ende der Debatte begrub der Gemeinderat seine Zweifel und stimmte einstimmig für das Verfahren. Im kommenden Jahr sollen die Planungen für den Bahnhof beginnen.