Dramatische Situation Landwirtschaft leidet unter Trockenheit

Eher die Ausnahme: In der Nähe von Schnabelwaid drosch am Dienstag ein Landwirt Getreide. Andere Landwirte häckseln ihr Getreide, um es als Viehfutter zu verwenden. Fachleute bezeichnen die Situation in der Landwirtschaft, besonders aber im Wald, wegen der langen Trockenheit als dramatisch. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Sie haben sich nicht abgesprochen und doch beschreiben sie die Situation mit dem selben Wort: dramatisch. Im Landkreis Bayreuth, sagen Landwirt Harald Galster und Landwirtschaftsberater Fritz Asen übereinstimmend, richtet die lang anhaltende Trockenheit wie schon im Vorjahr wieder verheerende Schäden an.

Braune Flächen, wo eigentlich Grünland wächst; Daumennagel-große Früchte, wo zu dieser Zeit eigentliche dicke Frühkartoffeln hängen; Getreide, das nur als Viehfutter dient und gehäckselt statt gedroschen wird: Galster, stellvertretender Kreisobmann des Kreisverbandes des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und in Stein bei Gefrees ansässiger Landwirt, will eigentlich nicht lamentieren, auch wenn er allen Grund dafür hätte.

„Wenn das Wetter nicht umschlägt und es einen längeren Zeitraum regnet, wird die schon kritische Situation noch schlimmer“, sagt der Milchviehhalter, in dessen Stall – noch – 80 Kühe stehen.

Daran habe auch der Regen am vergangenen Wochenende nichts geändert: In den wenigen Tagen habe es gerade mal 26 Liter pro Quadratmeter geregnet. Die Feuchtigkeit sei maximal fünf Zentimeter in den Boden eingedrungen. Darunter ist es weiterhin staubtrocken. „Der Regen war nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der Landwirt. Ein Tropfen, der lediglich dem Mais zugute gekommen sei.

Regen kam zu spät

Der Regen sei für den Mais gerade noch rechtzeitig gekommen, sagt Fritz Asen, landwirtschaftlicher Berater beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth. Die Ertragseinbußen schätzt er trotzdem auf bis zu 20 Prozent.

Für das Getreide kam der Regen hingegen zu spät. Sowohl Winterroggen als auch Winterweizen, beide spät im Vorjahr gesät, würden unter der Trockenheit leiden und hätten nur kleine Körner entwickelt. Noch stärker leide das im März und April gesäte Sommergetreide. Lediglich die im frühen Herbst ausgebrachte Wintergerste habe sich als Tiefwurzler normal entwickelt.

Was das Grünland betreffe, das bisher zwei Mal hätte gemäht werden könne, sehen die beiden Fachleute pessimistisch in die nahe Zukunft. Wo grüne Futterpflanzen gedeihen sollten, seien die Flächen braun, die Pflanzen abgestorben. Einen dritten und vierten Schnitt werde es in diesem Jahr nicht geben, sind Galster und Asen überzeugt.

Diese Situation zwinge viele Landwirte zu dem eher ungewöhnlichen Schritt, das Getreide zu häckseln statt zu dreschen, um ausreichend Futter für ihre Tiere bevorraten zu können. Aber auch das werde nicht ausreichen, um die Tiere auch im Winter versorgen zu können. Viele Landwirte würden wieder – wie schon im vergangene Jahr – genötigt sein, Stroh, Heu und Silage an der Futterbörse zu kaufen, sind beide Fachleute überzeugt.

Braune Waldhänge

Als „besonders dramatisch“ stufen Galster und Asen jedoch den Zustand des Waldes ein. „Egal, wo man im Landkreis unterwegs ist – überall sieht man Hinweise auf die lang anhaltende Trockenheit“, sagt Asen. Bewaldete Hangflächen, wo das Regenwasser schneller abfließt, seien bereits braun.

Dabei spiele keine Rolle, ob Nadel- oder Laubbaum. Mittlerweile würden alle Bäume, auch die Straßenbäume in der Stadt, unter der Trockenheit leiden. Er habe, sagt Galster, seit fast drei Monaten keinen Harzfluss an seinen Bäumen mehr festgestellt. „Bei dieser dramatischen Situation kann einem Angst und Bang werden“, sagt Asen.

Mit welchen Folgen für die Landwirtschaft rechnen die beiden Fachleute? Wenn die Trockenheit in den nächsten Jahren anhält, wovon er ausgehe, werden viele Landwirte ihre Viehhaltung aufgeben, weil sie Futtermittel nicht mehr in ausreichender Menge anbauen können, sagt Asen voraus.

Galster, der von Milchvieh auf Mastrinder umsteigen will, sieht pessimistisch in die Zukunft. Die herrschende Trockenheit stelle die ersten Auswirkungen des Klimawandels dar. ist er überzeugt. Und fügt an: „Dass es uns so schnell erwischt, hätte ich nicht gedacht.“

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading