Dorf-Treffpunkte Wenn Bürger anpacken

Symbolfoto: red

KOMMENTAR. Ein Mittel gegen das viel beklagte Wirtshaussterben haben die Bürger aus Wirbenz gefunden: Sie wollen eine Veranstaltungshalle für stolze 155.500 Euro bauen.

Nachdem ein Wirtshaus in dem Dorf geschlossen und das zweite nur noch einmal pro Monat von Freitag bis Sonntag geöffnet hat, packen die Wirbenzer an. Die Idee ist so gut, dass der Gemeinderat Speichersdorf in seiner jüngsten Sitzung einen Antrag der Dorfgemeinschaft zum Bau dieser Halle auf Gemeindegrund einstimmig befürwortet hat.

Solche Scheunen könnten auch andernorts ein Rezept gegen die sterbende Dorfkultur sein – gibt es kein Wirtshaus mehr, fehlt ein Treffpunkt für den Stammtisch, für die Feuerwehr, die Jugend und die örtlichen Vereine. Dann kann es mit dem Miteinander schnell vorbei sein.

Um den Bau einer Veranstaltungshalle zu schultern, bedarf es eines großen Zusammenhalts. Viel Eigenleistung ist damit verbunden, und die Vereine müssen einen nicht geringen verbleibenden finanziellen Anteil schultern. Nicht in jedem Dorf wird das möglich sein, doch Wirbenz mit seinen sechs Vereinen wird das machen. Der neue Treffpunkt für Kirchweih, Versammlungen oder Kulturveranstaltungen ist eine Investition für die kommenden Jahrzehnte.

Der Zusammenhalt auf dem Land ist zweifellos groß – größer als in den Zentren. Die zahlreichen Kirchweihen und Feste zeigen das. Viele junge Leute nehmen sogar Urlaub, um das Festzelt auf- und abzubauen und auf der Kirchweih mitzuhelfen. Von Städtern manchmal belächelt, zeigt das doch eines: Das Miteinander auf dem Land funktioniert – noch einigermaßen – gut. Einen Beitrag dazu leisten viele dieser Treffpunkte, die in Eigenleistung errichtet wurden: Im Feuerwehr-Schulungsraum finden Stammtische oder Jahresversammlungen statt und im Dorfgemeinschaftshaus trifft man sich zum Bier.

Ja, das Land verliert im Vergleich zu den Zentren an Attraktivität. Viele junge Menschen gehen zum Studieren oder zum Arbeiten in ferne Großstädte. Veranstaltungshallen werden die Dörfer nicht retten können, aber sie sind ein Ansatz, das flache Land lebens- und liebenswert zu halten. Und das ist schon was.

peter.engelbrecht@kurier.de

 

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