Doreths Rückblick Rekordwerfer Paulding "Vorbild für alle"

Treffsicher wie eh und je: Einen Monat nach seinem 38. Geburtstag hat Rickey Paulding die Marke von 7000 Bundesliga-Punkten übertroffen. Foto: Carmen Jaspersen/dpa Foto: Verwendung weltweit

BASKETBALL. Selten steht eine einzelne Person derart im Mittelpunkt eines Bundesliga-Spieltags, wie es Rickey Paulding am vergangenen Wochenende getan hat. Der 86:69-Sieg der Baskets Oldenburg gegen die Skyliners Frankfurt stand ganz im Zeichen des dienstältesten Bundesligaspielers, weil er mit seinem Dreier zum 60:38-Zwischenstand (22.) als erster Spieler seit Beginn der digitalen Datenerfassung im Jahr 1998 die Marke von 7000 erzielten Punkten erreichte. In der ewigen Korbjägerliste steht nur noch Mike Jackel vor ihm, der zwischen 1982 und 1999 für Göttingen, Köln, Berlin, Bamberg und Braunschweig schwer zu übertreffende 10 783 Punkte gesammelt hat.

Paulding steht folglich auch am Anfang des Rückblicks von Bastian Doreth: „Rickey Paulding ist eine absolute Legende“, sagt der Kapitän von Medi Bayreuth. Seine Leistung verdient Hochachtung und sollte ein Vorbild sein für jeden jungen Spieler.“ Dabei hebt er neben den nüchternen Zahlen vor allem auch die Tatsache hervor, dass der 38-jährige amerikanische Flügelspieler in 13 BBL-Spielzeiten ausschließlich für Oldenburg gespielt hat: „Er identifiziert sich zu hundert Prozent mit seinem Verein und wird nicht müde, immer neue Höchstleistungen abzuliefern. Nach allem, was man hört, ist er Weltmeister darin, wie ein Profi zu leben. Das zahlt sich aus und wird mit solchen historischen Momenten zurecht belohnt.“

Die Franken: Aus regionaler Sicht tauchte am Wochenende die Frage auf, ob man sich allmählich Sorgen um die fränkischen Vereine machen muss: Brose Bamberg hat nach der 75:78-Niederlage in Hamburg nun auch in Crailsheim mit 95:101 verloren (allerdings ohne den verletzten Spielmacher Tyler Larson), und die Würzburger sahen beim 61:90 gegen Hamburg sogar über weite Strecken ganz schlecht aus (22 Ballverluste). „Der wichtigste fränkische Verein hat aber gerade zweimal gewonnen“, hält Doreth lachend dagegen. Doch er hat auch aufmunternde Worte für die Nachbarn: „Dass die Würzburger eine schwere Saison haben werden, haben sie auch selbst schon formuliert. Da hat Corona wohl viel vom Budget weggenommen. Hamburg ist aber auch ein starker Gegner, mit dem man rechnen muss.“ Neben den Niederlagen müsse man auch den bisher einzigen Sieg in den sechs Pflichtspielen sehen: „Würzburg hat in Vechta gewonnen – was nie leicht ist.“

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Noch weniger Alarmzeichen sieht der Medi-Kapitän in Bamberg: „Auch eine Niederlage gegen Crailsheim kann passieren. Aber die Bamberger haben schon sehr gute Leistungen in der Champions League gezeigt. Ich glaube, dass sie auf einem vernünftigen Weg sind. Allerdings ist es in Bamberg eben auch nicht ganz einfach, den Ansprüchen gerecht zu werden.“

Das Spitzenspiel: Mit den Riesen Ludwigsburg hatte der FC Bayern München jenen Klub zu Gast, der ihm im Viertelfinale des BBL-Turniers im Juni den Weg zur Titelverteidigung verbaut hat. Die Revanche fiel mit 93:70 so deutlich aus, dass die Favoritenrolle des Ex-Meisters klarer denn je erscheint. „Das war eine Machtdemonstration“, sagt Doreth vor allem in Bezug auf das dritte Viertel, in dem die Bayern mit 35:16 dominierten. „Das ist ein Topteam, das auch in der Euroleague tolle Siege feiert. An den Bayern führt wahrscheinlich kein Weg vorbei. Wenn es einer schaffen kann, dann wohl nur die Berliner.“ Wie zur Bestätigung legte auch Titelverteidiger Alba gegen die gewiss nicht schwachen Bonner ein überlegenes drittes Viertel hin (30:12) als Basis für den klaren 97:74-Sieg.

Die Deutschen: Einen Rekord ganz eigener Art haben die Löwen Braunschweig bei ihrem klaren 96:78 gegen Vechta aufgestellt: Die ersten fünf Plätze in der internen Korbschützenliste wurden von fünf deutschen Spielern besetzt, die zusammen 80 Punkte sammelten – angeführt vom Ex-Bayreuther Lukas Meisner (19). „Es ist schön zu sehen, wenn deutsche Spieler so viel Vertrauen bekommen und es auch so zurückzahlen“, sagt Doreth. „Und ganz besonders freut es mich für meinen sehr guten Freund Lukas, der in Bayreuth eine sehr gute Entwicklung genommen hat und diese nun in Braunschweig fortsetzt.“ Die Mannschaft mit nur drei Kontingentspielern werde wohl auch mal Lehrgeld zahlen müssen, „aber ich würde mir wünschen, dass mehr Klubs so einen Weg gehen.“

Die Pause: Die Spiele der Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation verschaffen dem Medi-Team nun eine Pause bis zum Doppeleinsatz in Vechta (4. Dezember) und gegen Berlin (6. Dezember). Rundum begeistert ist Bastian Doreth davon aber nicht: „Ich finde es eher schade, weil wir gerade Rhythmus und Selbstvertrauen aufgebaut haben. Hoffentlich geht davon nicht wieder etwas verloren, wenn Raoul Korner und Andi Seiferth nicht da sind. Andererseits können wir die Zeit schon gut nutzen, denn es gibt doch noch ein paar Punkte zu verbessern. Jedenfalls wird es guttun, ein bisschen Kraft zu tanken, denn der Dezember wird knackig.“