DLD-Campus Keine Scheu vor Risiken in der digitalen Welt

BAYREUTH. Wohin entwickelt sich der Digitalstandort Bayern? Wie finden Unternehmen das passende Personal für das digitale Zeitalter? Werden Roboter und intelligente Geräte unsere neuen Partner? Mit diesen und noch mehr spannenden Fragen und möglichen Antworten setzten sich Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer und Studenten beim DLD-Campus Bayreuth einen Tag lang auseinander.

Ein vielseitiges und eng getaktetes Programm haben die Organisatoren von Hubert Burda Media dafür auf die Beine gestellt. Eröffnet wurde der DLD-Campus von Judith Gerlach, Bayerns Ministerin für Digitales. Sie will den Freistaat zur Leitregion auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz machen.

Katharina Schulze, Landtagsabgeordnete der Grünen seit 2013 und Fraktionschefin, forderte eine Mobilitätsgarantie für den ländlichen Raum (siehe Interview). Beim DLD-Campus diskutierte sie mit Michael Danzer (Uni Bayreuth), Martin Soltés (Evum Motors) und Martin Wippermann (Rehau) über Konzepte für den ländlichen Raum.

Robuster Elektro-Transporter

Mit Mobilitätslösungen für Schwellen- und Entwicklungsländer beschäftigt sich Evum Motors, eine aus einem Forschungsprojekt der TU München gegründete Firma. Ihr aCar ist ein robuster Elektro-Transporter, der vor zwei Jahren auf der IAA vorgestellt wurde.

Danzer, Professor für Elektrische Energiesysteme und Sprecher des Bayreuther Batterietechnikzentrums, hält den ländlichen Raum prädestiniert für E-Mobilität. „Die Menschen haben längere Wege, vielleicht ein eigenes Carport, so dass der Bedarf und die Gegebenheiten besser sind als in Städten.“ Die Nachhaltigkeit der Batteriesysteme sei noch zu verbessern. „Die recycelte Menge ist noch zu klein.“

Über digitale Transformation sprachen Gudrun Herrmann (Tik Tok), Andreas Kunze (Konux), Jörg Liebe (Lufthansa) und Dirk Treiber (Medi). Die Bayreutherin Gudrun Herrmann arbeitet für das Videoportal, dessen Mitarbeiter im Durchschnitt 29 Jahre alt sind. „Wir wollen ältere gewinnen, die möchten aber nicht“, sagte sie. „Viele nehmen uns als Kinderkram wahr. Mit 42 bin ich da schon ein Dinosaurier.“ Die App ist heiß begehrt und wird im Schnitt 40 Minuten täglich genutzt.

Konux wiederum versucht, Züge pünktlicher zu mache. „Wir haben 55 Millionen Euro eingesammelt, sind in sechs Ländern vertreten und haben 100 Mitarbeiter“, sagte Kunze, der vor fünf Jahren noch studierte. „Vor zwei Jahre war ich der Jüngste in meinem Unternehmen, mit 28 Jahren bin ich es nicht mehr ganz.“ Heute beschäftige die Firma Mitarbeiter aus 20 Ländern, „alle haben Anteile, wir gewinnen und wir verlieren zusammen“.

Mit dem Tastsinn eines Menschen

Jeder solle sich genau überlegen, wo er was bewegen möchte, gab Kunze den Studenten mit auf den Weg. „Man darf sich nicht frustrieren lassen von Leuten, die einem sagen, was man alles nicht kann. Dann lieber woanders hingehen, wo es besser passt.“ Das unterstützte Gudrun Herrmann sofort: „Gehe weg, wenn das nicht deine Leute sind. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mal hier sitze und Kommunikation für eine Videoplattform mache.“

Kunststoffe, die zum Problem werden, die Zukunft der Ernährung oder des Onlinehandels von Alibaba bis Baur sowie künstliche Intelligenz waren weitere Themenfelder.

Das Unternehmen Frank Emika hat mit Panda einen Roboterarm mit dem Tastsinn eines Menschen entwickelt. „Intuitiv, haptisch, sehr sensibel, eigentlich ist er eine Frau“, sagte Mitgründer und Geschäftsführer Philipp Zimmermann. Der US-Forscher und Designer David Hanson entwickelte Sophia, einen humanoiden Roboter. Im Aussehen der Schauspielerin Angelina Jolie sehr ähnlich, begrüßte sie die Zuhörer per Video-Botschaft. Hanson kommt aus der Kunstszene, studierte Film und Video. Sein Ziel ist es, respektvolle Androiden zu erschaffen. „Das entscheidende ist Mitgefühl.“

Der Publizist und Literaturprofessor Hans Ulrich Gumbrecht wohnt auf dem Campus der Stanford-University. Er sprach über die inspirierende Stimmung im Silicon Valley, wo die Codes geschrieben würden, die die Welt revolutionierten. Das Credo der Leute: Nichts ist unmöglich. „Es gibt keine Grenzen des Umgangs mit elektronischer Technologie. Es herrscht ein ekstatischer Optimismus“, sagte Gumbrecht. „Ich lebe lieber in einer Risikokultur als in einer Fehlerkultur.“

 

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