DJ Antoine: "Der Erfolg kam später"

Von Martina Bay
Foto: Andreas Harbach Foto: red

Er war in der Jury von "Deutschland sucht den Superstar" und legt sonst in Dubai, Rom oder London auf. Am Freitagabend war der Schweizer DJ Antoine im Breakout in Bayreuth zu Gast. Seinen internationalen Durchbruch feierte er mit dem Song "Welcome to St. Tropez". Im Interview mit dem Kurier sprach der 41-Jährige über misslungene Auftritte und darüber, wie sich das Deutsche vom Schweizer Publikum unterscheidet.

Wann hast du dir das letzte Mal eine Schallplatte gekauft?

DJ Antoine: Ich hatte damals den größten Schallplattenvertrieb der Schweiz für elektronische Musik mit mehreren tausend Schallplatten. Aber ich kaufe mir keine Schallplatte mehr, ich würde sie nicht hören. Die meisten Leute wollen überwiegend gestreamte Musik hören, gratis auf dem Handy, was eigentlich schrecklich ist.

Wann ist ein Aufritt für dich gelungen?

DJ Antoine: Manchmal bezahlen Leute Eintritt, aber sie feiern nicht richtig. Wenn man weggeht, sollte man gute Laune haben, die Songs mitsingen, Freude an der Musik haben.

Hattest du schon einmal einen richtig misslungenen Auftritt?

DJ Antoine: Ich wurde einmal für eine private Show in Rom für 16 Leute gebucht. Sie saßen auf ihren Stühlen, haben gegessen und ich habe am DJ-Pult Musik aufgelegt. Das war schon bizarr.

Talent und Ausdauer

Erkennt man einen talentierten DJ oder kann man ein guter DJ durch viel Übung werden?

DJ Antoine: Mann muss eigene Musik produzieren, Charisma haben und man sollte schon einen Fanclub mitgbringen, wenn man in einem Club auflegt. Und heute ist es wichtig, dass man einen guten Song hat.

Heute gibt es viele Promis, die auch mal einen auf DJ machen. Findest du das gut oder stört dich das?

DJ Antoine: Ich finde das nicht schlimm, wenn jeder zweite Prominente ein DJ ist. Das kann eine Phase sein. Wenn jemand DJ sein möchte, muss er Talent und eine lange Ausdauer haben. Ich habe mit 14 Jahren angefangen und mich mit 20 Jahren selbständig gemacht. Der Erfolg kam auch erst später. Aber ich habe immer das gemacht, was mir Spaß macht.

Du bist jetzt 41. Wie lange kann man diesen Job machen?

DJ Antoine: Die nächsten fünf Jahre möchte ich noch auflegen, weil es mir Spaß macht. Aber irgendwann muss man auch aufhören. Ich kann nicht 24 Stunden im Studio sitzen, da würde ich mich langweilen. Ich mache noch viel mit Immobilien, Einrichtungsgeschichten, Kunst und Wein. Ich treffe einfach gerne neue Leute.

Wie auf einer Strip Party

Du wohnst in Sissach, einer kleinen Gemeinde bei Basel. Hast du dir diesen kleinen Ort ganz bewusst ausgesucht?

DJ Antoine: Ja, dort ist es schon sehr grün, ich brauche die Ruhe. Auch im Urlaub fahre ich nicht nach Las Vegas oder nach St. Tropez. Da gehe ich lieber ins Burgund. Ich mag das Gegenteil zu meinem Leben: die Ruhe und das Nichtstun.

Du bist sehr religiös. Kriegst du nicht manchmal einen Schock, wenn du siehst, wie freizügig manche rumlaufen?

DJ Antoine: Ich bin ein überzeugter Christ und ich finde es gut, wenn man an etwas glaubt. Klar, manchmal denke ich schon: "Leute, wie lauft ihr rum?" Von der Loveparade habe ich mich auch irgendwann distanziert. Das hat nichts mehr mit Party zu tun, das ist einfach eine Strip Party.

Unterscheidet sich das Deutsche vom Schweizer Publikum?

DJ Antoine: Die Deutschen sind die treueren Fans. Sie reisen einem teilweise hinterher. Das gibt es auch in der Schweiz, aber Deutschland ist viel größer.

Zur Person:

DJ Antoine (gebürtig Antoine Konrad) ist ein Schweizer House-DJ, Produzent und Label-Chef. Seinen internationalen Durchbruch feierte er mit dem Remix des Songs "Welcome to St. Tropez" des russischen Rappers Timati. 2015 saß er in der Jury der deutschen Castingshow "Deutschland sucht den Superstar". Insgesamt hat der 41-Jährige über drei Millionen Tonträger verkauft.

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