Direkt neben Stadtbad Wärmewende auf zwei Flächen

Kein einfaches Thema für die Stadtwerke: Wie soll die Wärmewende funktionieren? Eine mögliche Option präsentieren Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Bayer, Pressesprecher Jan Koch und Andreas Waibel (von links) zusammen mit Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (links) am Mittwoch. Foto: Eric Waha

Das Stadtbad fällt als Standort aus, doch es gibt zwei Flächen direkt in der Nachbarschaft, um die Wärmewende anzuschieben. Das müssen jetzt die Gremien diskutieren. Und es gibt eine weitere dezentrale Option, wie die Stadtwerke jetzt mitteilen.

Die Wärmewende ist ein heiß diskutiertes Thema in Bayreuth. Eines, bei dem der Bürgerwille die Gestaltungshoheit in die Hand genommen und den Stadtwerken einen Ort verwässert hat, der „die Pole-Position“ für den Bau eines Heizkraftwerks für die Fernwärmeversorgung gewesen wäre, wie Andreas Waibel, Fachbereichsleiter Contracting für Wärme und Energie bei den Stadtwerken, sagt: das Stadtbad.

Ziel sind 15 Megawatt Heizleistung

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch präsentieren Waibel, der Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Bayer und Oberbürgermeister Thomas Ebersberger das Ergebnis der Suche nach einem Alternativstandort für das Heizwerk, das es möglich machen soll, weg zu kommen von der Dampf-Erzeugung mit fossilen Energieträgern – also Gas – und den Ausbau der Leistung zu schaffen. Das Ziel seien 15 Megawatt Heizleistung. Aktuell schaffen die Stadtwerke mit dem bestehenden Heizwerk in direkter Nachbarschaft zum Stadtbad zwölf Megawatt.

Wärmewende mit hoher Präsenz

„Die Wärmewende war noch nie so präsent in der Presse wie jetzt“, sagt Bayer. Und Ebersberger legt nach: „Die Stadt ist daran interessiert, dass die Wärmewende kommt. Und sie muss städtebaulich verträglich und umsetzbar sein.“ Er sei „kein OB, der ein Bad infrage stellt“, sagt Ebersberger. Aber dieser Standort „sei eben auch zu prüfen gewesen. Und es ist schade, dass der Stadtrat abgestimmt hat, bevor die Alterativen vorlagen“, blickt Ebersberger auf die Entscheidung zurück, die klar die Vorgaben der Bürgerinitiative aufgreift. Gleichwohl gehe es um eine Abwägung: Die der Stadtwerke, die „wirtschaftlich etwas umsetzen wollen“ – und des Stadtrats, der kritisch darauf „schaut, dass es ins Gefüge passt“.

Neue Fläche in der Röntgenstraße

In dieser Gemengelage habe es bereits – unabhängig von der Stadtbad-Diskussion – eine positive Entwicklung gegeben, sagt Waibel: Über Vermittlung durch einen Stadtrat könnte sich die Möglichkeit ergeben, dass die Stadtwerke ihr bestehendes Heizwerk in der Röntgenstraße auf einem Grundstück, „das noch größer als das Stadtbad-Grundstück ist“, deutlich erweitern könnten. Was ein Schritt zum Ausbau der dezentralen Fernwärmeversorgung wäre und die Möglichkeit eröffnen könnte, neue Kunden anzuschließen. Nach ersten Schätzungen stünden hier mögliche Investitionen von sieben Millionen Euro im Raum, sagt Waibel.

Von sechs Standorten bleiben zwei

Intensiv steigt Waibel in die Alternativ-Flächen rund ums Stadtbad ein. Und zeigt am Mittwoch – wie bereits am Dienstag bei der Information der Stadträte – auf, dass bei den meisten untersuchten sechs Alternativ-Grundstücken keine Chance besteht, darauf zu bauen: Stadtbad-Vorplatz – zu schmal. Turnhallen in Kombination mit dem Spielplatz – zu schmal und kaum nutzbar wegen der Liefer-Situation mit großen Lastwagen. Bahn-Grundstücke: Stehen nicht zur Verfügung. Bleiben zwei Möglichkeiten: Das Webatex-Grundstück. Und eine Kombination aus der Parkfläche direkt vor dem Kolpinghaus und dem Parkplatz der Finanzverwaltung an der Tunnelstraße.

Webatex-Grundstück: Hohe Anschlusskosten

Beim Webatex-Grundstück, sagt Bayer ebenso wie Waibel, ist die Frage der Verfügbarkeit offen. Und: Nach Aussagen externer Planer würde es allein 1,5 Millionen Euro kosten, eine Leitung zu legen, um ans bestehende Heiznetz anschließen zu können.

Zweistöckig bauen auf Kolping-Parkplatz?

„Technisch machbar“, wie Bayer betont, denn darum ging es bei der Prüfung der Stadtwerke, wäre eine Kombination aus der rund 800 Quadratmeter großen Parkfläche des Kolpinghauses und dem rund 640 Quadratmeter großen Parkplatz der Finanzverwaltung. Aber: Man müsste direkt vor dem Kolpinghaus zweistöckig bauen, die Gebäudehöhe würde mindestens acht Meter betragen, dazu komme ein 30 Meter hoher Schornstein. „Das Kolpinghaus hätte keinen Parkplatz mehr, die Anwohner eine Wand fast direkt vor der Nase“, sagt Ebersberger. Außerdem bräuchte man „die Zustimmung des Wasserwirtschaftsamts, das auch befasst werden müsste“, weil direkt daneben der Rote Main fließt. Damit bleibe diese Version „die zweitbeste Variante“, wie Bayer sagt – Startplatz eins wäre nach wie vor das Stadtbad, wo man einstöckig bauen könnte. Wenn es die Entscheidung von vergangener Woche nicht gäbe, die mindestens ein Jahr bindend ist.

Diskussion in den Fraktionen

Wie Ebersberger auf Nachfrage sagt, werden die Stadträte die Informationen jetzt in den Fraktionen beraten, am 13. Oktober soll sich laut Bayer der Aufsichtsrat der Stadtwerke mit dem Thema befassen. Das Ziel: „Eine Entscheidung bekommen, um die Planungen zu vertiefen“, wie Bayer sagt. Wobei klar sein müsse: „Uns ging es um die technische Machbarkeit. das Stadtbild ist eine andere Fragestellung.“

Eine Fördermöglichkeit gibt es noch

Was die Fördersituation angeht, sagt Bayer: Das Programm, das zehn Millionen Euro in Aussicht gestellt hätte, sei nicht mehr schaffbar, „im Juni waren wir noch guter Hoffnung“. Dafür gebe es das im August aufgelegte Programm zur Bundesförderung für effiziente Wärmenetze, das die technischen – nicht die baulichen – Anlage mit bis zu 40 Prozent fördere.

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