Dinge erzählen Geschichte „Ein Schatz muss nicht immer funkeln“

Jens Kraus, Leiter des Fränkischen Schweiz-Museums  „Ein Schatz kann auch ein Gegenstand sein, der andere Menschen an ein Ereignis oder ein Erlebnis erinnert“ Foto:  

Eröffnung der Sonderausstellung „50 Schätze“ im Fränkische Schweiz-Museum

Tüchersfeld - „Ein Schatz muss nicht immer funkeln“, sagt der Leiter des Fränkischen Schweiz-Museums, Jens Kraus, und er müsse sich nicht immer nach seinem Geldwert bemessen werden: „Ein Schatz kann auch ein Gegenstand sein, der andere Menschen an ein Ereignis oder ein Erlebnis erinnert“. Das sagte und sagt Jens Kraus digital auf dem Videokanal YouTube bei der Eröffnung der Sonderausstellung „50 Schätze. Dinge erzählen Geschichte“ mit Landrat Florian Wiedemann. Eine Premiere.

Publikum war angesichts der Corona-Beschränkungen keines da, aber bis Sonntag gab es zumindest 117 Aufrufe im Internet – wesentlich mehr Zuschauer also, als in dem kleinen Ausstellungsraum überhaupt Platz gehabt hätten.

50 Einzelobjekte aus der Region

Schätze hat das Fränkische Schweiz-Museum in seinen Archiven jede Menge. Die Ausstellung rückt 50 Einzelobjekte aus der Region in den Vordergrund, vorwiegend aus dem eigenen Fundus des Museums und einigen Leihgaben. Es sei eine Herausforderung gewesen, so Kraus, eine Auswahl zu treffen. Da ist zum Beispiel ein einfacher, selbst gemachter Quirl aus einer Fichtenspitze der aus dem Frühjahr 1945 stammt. Er entstand während eine Frau mit ihrem kleinen Jungen vor der Roten Armee in die Fränkische Schweiz floh, wo sie ihren Ehemann vermutete und ein Flucht ins Ungewisse unternahm. Über das Objekt, habe es auf sozialen Netzwerken gleich Reaktionen gegeben, erklärt Kraus. Womit sich eben zeige, dass Gegenstände, die offensichtlich keinen Wert hätten, unterschiedliche Erinnerungen auslösen können.

Und fast nur darum geht es bei der Ausstellung. Nämlich um Erinnerung und Assoziation und vielleicht Reflexion. „Die Objekttexte sind diesmal sehr erzählerisch aufgebaut und enthalten viel Spielraum, die Geschichten weiterzudenken und mit den eigenen persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen“, betont Kraus. Die Vorbereitungen auf die Ausstellung seien für das Museumsteam mit ihm selbst sowie mit Museumspädagoge Fabian Wittenborn, Restauratorin Kerstin Wittenburg und Büromanagerin Barbara Bauer sehr anspruchsvoll gewesen.

Immerhin musste man – coronabedingt – immer auch gleich neben dem „Plan A“, einen Plan B und C und sogar D parat haben. Dies sei sei projektorientiertes Arbeiten mit anspruchsvollen Prozessen gewesen, sagt Wiedemann. Aber auch „Gelassenheit“ wurde an den Tag gelegt, als ein „wichtiger Teil des Wegs“.

„Die Vorzeichen für diese Ausstellung sind sonderbar“, so Kraus, „weil sie noch keiner besuchen kann“. Aber man hofft im Museum, dass die Beschränkungen irgendwann in den kommenden Wochen oder Monaten fallen werden. „Wann das Fränkische Schweiz-Museum erstmals Besucher in die spannende Sonderausstellung einlassen darf, ist jetzt noch nicht abzusehen“, sagt Kraus, aber die Ausstellung steht und sie werde auf jeden Fall bis 3. Oktober zu sehen sein.

Das ausgetüftelte Hygienekonzept des Museums für die Besucher steht ebenfalls und zwar schon länger. Mittels einer „Besucherlenkung“ werden Menschengruppen „entzerrt“. So können beispielsweise immer nur fünf Personen die Sonderausstellung besuchen; im ganzen Museum können natürlich mehr Besucher unterwegs sein.

INFO: Die kurze Ausstellungseröffnung ist unter dem Link www.youtube.com/watch?v=4Xx1KOxx8Iw zu sehen. Es lohnt sich aber auch auf der Seite des Fränkischen Schweiz-Museums noch weiter kleine Filme anzusehen. Auch Kinder finden dort museumspädagogische Filme, die mit kleinen Figuren – unter anderem auch eines weltweit bekannten Herstellers – im Stop an Motion-Verfahren entstanden sind.
 

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