Diebestour durch das Klinikum

Von Stephan Herbert Fuchs

Sie sollen auf ihren Beutezügen im Klinikum Kulmbach Mobiltelefone, Geldbörsen, Kredit- und EC-Karten, Arzneimittel und Bargeld erbeutet haben. Dafür müssen sich ein 36- und ein 38-Jähriger seit Donnerstag vor dem Amtsgericht in Kulmbach verantworten.

Weil sie Patienten im Kulmbacher Klinikum bestohlen haben sollen, stehen seit Donnerstag zwei Männer vor dem Amtsgericht.Foto: Britta Pedersen/dpa Foto: red

Die beiden Männer sollen am 25. September des vergangenen Jahres auf Diebestour durch das Klinikum gegangen sein. Den Entwendungsschaden bezifferte die Staatsanwaltschaft auf einige Hundert Euro. Erschwerend für den Hauptangeklagten, den 36-Jährigen, kommt dazu, dass er zwei Messer einstecken hatte. Darüber hinaus soll der 36-Jährige zwei Wochen nach der Diebestour im Klinikum im Seniorenwohnheim der Diakonie an der Tilsiter Straße ebenfalls in ein Zimmer eingedrungen sein und dort reiche Beute gemacht haben. Einem Bewohnter fehlten später unter anderem die Geldbörse mit 80 Euro Bargeld, Schlüssel, Ausweise und die Krankenversicherungskarte.

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Im Zug überfallen

Wieder drei Tage später soll der Hauptangeklagte bei der Polizeiinspektion Kulmbach zu Unrecht eine Anzeige erstattet haben. Er behauptete, im Zug von Marktschorgast nach Kulmbach sei er „von drei dunkelhäutigen Männern“ bestohlen worden. Unter anderem habe man ihm seine Schmerzmittel geraubt. Später stellte sich heraus, dass er zum angegebenen Zeitpunkt gar nicht im Zug, sondern bei einem Arzt war, um genau diese Schmerzmittel zu erhalten.

Um etwas ganz anderes geht es schließlich im dritten Tatkomplex. Der 36-Jährige soll bei der Firma Glen Dimplex am Goldenen Feld über den Zaun gestiegen sein, um Kupferrohre und Kupferabfall zu sammeln, in einem Karton zu verstauen und jenseits des Zauns zum Abtransport bereit zu legen. Allerdings wurde der Angeklagte dabei beobachtet. Der Hauptangeklagte muss sich nun wegen Diebstahls in mehreren Fällen, teilweise sogar mit Waffen, und wegen des Vortäuschens einer Straftat verantworten. Der mitangeklagte 38-Jährige ist ebenfalls wegen Diebstahls dran, auch wenn er nur dabei gewesen sein will.

Zum Prozessauftakt machte der 38-jährige seine Sucht nach Schmerzmitteln geltend. Insbesondere von dem Psychopharmaka Diazepam und dem unter das Betäubungsmittelgesetz fallende Fentanyl in Form von Pflastern sei er abhängig gewesen. Das Pflaster habe er sich dabei nicht, wie vorgesehen, auf die Haut geklebt, sondern ausgekocht und sich direkt in die Blutbahn gespritzt.

„Ich bin doch kein Gewalttäter“

Die Diebestour im Klinikum sei deshalb auch nicht geplant gewesen, er habe vielmehr aufgrund von Entzugserscheinungen und epileptischen Anfällen Hilfe gesucht, sei aber nach zwei Stunden Wartezeit von den Ärzten abgewiesen worden. Da sei er zusammen mit dem Mitangeklagten durch die Stationen gelaufen und habe das Geld und die Mobiltelefone gestohlen, um sich die Schmerzmittel auf dem Schwarzmarkt besorgen zu können. Der Mitangeklagte habe sich allerdings nicht an den Diebstählen beteiligt, sondern habe auf den Gängen gewartet. Die beiden Messer, die der Hauptangeklagte einstecken hatte, sollen völlig harmlos gewesen sein. „Ich bin doch kein Gewalttäter“, beteuerte er. Das eine sei ein handelsübliches Schweizermesser gewesen, mit dem er sich gewöhnlich das Schmerzpflaster zurecht schneide, das andere sei ein komplett stumpfes Souvenirmesser gewesen. Ein aufmerksamer Patient des Klinikums, der ebenfalls Opfer wurde, hatte die beiden beobachtet und sofort die Polizei gerufen. Er war nur kurz auf der Toilette und schon waren sein Mobiltelefon, seine Geldbörse samt EC- und Kreditkarten sowie 150 Euro Bargeld weg. Die Polizei nahm damals sofort die Verfolgung der Flüchtenden auf und stellte die beiden Männer am Kulmbacher Bahnhof. Bis auf das Bargeld und die Telefone hatten sie inzwischen alles andere weggeworfen.

Zeugen sehen ihn aus dem Zimmer kommen

Während der Mann die Diebestour durch das Klinikum einräumte, stritt er die anderen Punkte der Anklage ab. Er will tatsächlich im Zug von drei dunkelhäutigen jungen Männern bestohlen worden sein. In der Nähe des Seniorenheims in der Tilsiter Straße sei er zwar gewesen, doch habe er nichts gestohlen. Allerdings hatten ihn Zeugen genau aus dem Zimmer kommen sehen, aus dem Geld, Schlüssel und anderes gestohlen wurde. Auch mit den Kupferdiebstählen will er nichts zu tun haben.

Die Verhandlung wird mit der Vernehmung weiterer Zeugen am Donnerstag, 25. August, um 13.30 Uhr fortgesetzt.