Die Straße brachte Leben und Tod

Von Harald Judas
Bezirksheimtapfleger Prof. Günter Dippold beim Vortrag 650 Jahre Gefrees im Volkshaus. Foto: Harald Judas Foto: red

Die dokumentierte Geschichte von Gefrees begann 1366 ausgerechnet mit einem Streit. Denn das älteste bekannte Schriftstück mit dem Namen der Stadt ist ein Schiedsspruch, der einen Streit zwischen den Pfarreien Marktschorgast und Münchberg um die Zuständigkeit für Gefrees beendete. „Der Schiedsspruch war eindeutig: Marktschorgast war zuständig“, erinnerte Günter Dippold am Freitagabend im Volkshaus. Der Bezirksheimatpfleger sprach anlässlich des 650-jährigen Stadtjubiläums.

Der Ort dürfte aber deutlich älter sein: „Gevreatze bedeutet im Mittelhochdeutschen so viel wie Fressen oder Schlemmerei, also war Gefrees sozusagen ein Fressplatz“, sagte Dippold. Wichtige Fernstraßen berührten sich, wo heute Gefrees liegt, und irgendwann sei dort eine Einkehr entstanden: „Via vita – eine Straße bringt Leben.“ Denn mehr als alles andere prägte Gefrees die Lage an einer bedeutenden Straßenkreuzung von europäischer Dimension.

„Was brauchten die Reisenden außer seelischem Beistand? Natürlich, sie hatten Durst“, sagte Dippold. Hier waren die Gefreeser zwar 1557 noch gehalten, ihr Bier aus Bayreuth zu beziehen. „1581 wurde bereits Ungeld gezahlt, also eine Steuer auf hier gebrautes Bier. Das Kommunbrauhaus stand jedenfalls im 19. Jahrhundert am Kornbach. 1692 werden außerdem fünf Gasthöfe erwähnt.

Und die Reisenden wurden gut versorgt. „Gefrees wies eine stattliche Zahl von Metzgern und Bäckern auf. 16 Bäcker und 27 Metzger waren es 1845 – in einer Kommune von damals gut 1500 Einwohnern“. Auch von den Durchreisenden lebten zwei Lebküchner und zehn Kaufleute und Krämer. Und auch eine Apotheke gab es 1721 schon.

Die Straße brachte allerdings bislang nicht nur Leben sondern auch den Tod. „Das galt bei Seuchen und in Kriegszeiten.“ So ist 1632 von 200 einfallenden Kroaten die Rede; während des 30-jährigen Kriegs wurde Gefrees noch öfter geschädigt.

Durchaus städtischen Charakter wies die Berufsstruktur in Gefrees auf: Ein Fensterbauer, mehrere Färber, einen Schlosser, einen Rot- und Weißgerber, zwei Zimmerleute, sechs Schneider, einen Messerschmied, Wagner, Riemer, Seiler. „Das ist eine Vielfalt, die selbst manche Stadt nicht aufzuweisen hatte.“ Und das änderte sich nicht, bisweilen tauchten sogar ausgefallene Berufe wie in den 1780er Jahren „ein Hutmacher, ein Büchsenmacher, ein Perückenmacher“ auf.

Doch sah die Stadt auch prominente Besucher. Im Mai 1815 kehrte Napoleon auf dem Weg nach Preußen in Gefrees ein, 1838 der junge Zarewitsch Alexander von Russland. Dann büßte zwar Gefrees seine Verkehrsbedeutung dann ein, weil die überregionale Bahnlinie an der Stadt vorbeiführte. Dennoch war ein wirtschaftlicher Aufbruch zu beobachten. „Seine Kraft gaben dem Ort seine Menschen, die es immer wieder verstanden, sich den geänderten Verhältnissen anzupassen“, sagte Dippold

 

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