Die Republica ist erwachsen geworden

Von Uwe Renners und Kerstin Fritzsche
 Foto: red

Zum zehnten Geburtstag hat sich die Netzkonferenz Republica weit von den Anfängen in 2007 entfernt. Aus dem Klassentreffen der Blogger ist eine der bedeutendsten Netzkonferenzen Europas geworden. Auf der mittlerweile auch geführte Touren angeboten werden. Die Nerds, die 2007 den Start machten, sind mittlerweile erwachsen geworden, bei solchen Auswüchsen schütteln sie dann aber dennoch den Kopf und verdrücken sich in den Vip-Bereich, um dort gepflegt ihren Latte zu schlürfen und über die Vorratsdatenspeicherung zu diskutieren.

Trotzdem, so auch das Motto, das Obernetzguru Sascha Lobo, während der drei Tage ausgegeben hat, die Republica unterscheidet sich immer noch von den meisten anderen Netz- und Medienkonferenzen. 700 sogenannte Sessions mit über 800 Sprechern werden den rund 8000 Besuchern in einem alten Postbahnhof in Berlin-Kreuzberg angeboten. Neben den großen Themen wie Virtual Reality, mit denen Google und andere Konzerne den Trend des nächsten Jahres vorgeben, bleibt immer noch Platz für das Besondere: „Geld verdienen mit Selbstbefriedung? So macht´s die deutsche Sexbloggerszene“ ist ein Beispiel für eine Session, die Medienmacher, Marketingfachleute und Programmierer nicht unbedingt im Alltag hilft, trotzdem bestens besucht ist und für die Republica steht.

Immer noch viele Themen ohne Lösungsansätze

Ob große Politik mit Edward Snowden oder EU-Kommissar Günther Oettinger, bei der Republica gibt es 2016 immer noch Dinge zu entdecken, die auch die Netzexperten bisher nicht auf dem Schirm hatten oder auf die sie noch keine Antworten haben. So gibt es zahlreiche Veranstaltungen, bei denen es um die Monetarisierung von Inhalten geht oder darum, wie Medienunternehmen junge Zielgruppen ansprechen können. Dabei dominierte in diesem Jahr das soziale Netzwerk Snapchat mit seinen Möglichkeiten.

So viele Großkonzerne: Wem gehört das Netz?


Eine Frage, die nach zehn Jahren fast schon wieder in Vergessenheit gerät, lautet: Wem gehört eigentlich das Netz? Ansätze dazu findet man am Rande auf der Republica. Zum Beispiel bei der britischen Feministin und Publizistin Laurie Penny. Sie redet auf der Konferenz über Fan Fiction, also dem Phänomen, dass beispielsweise „Star Trek“-Fans im Internet die Geschichten ihrer Helden weiterschreiben oder anders schreiben. Da gibt es schon mal eine schwarze Hermine in Harry Potter und eine homoerotische Liebesgeschichte. Für Penny verlieren Filme und Mainstream-Produktionen im Fernsehen dadurch immer mehr Bedeutung, weil Menschen durch und mit dem Internet ihre eigenen Geschichten erzählen. „Viele, die in den 80ern Fan Fiction geschrieben haben, arbeiten jetzt selbst in den Medien und erzählen dort Geschichten auch anders. Wir können die Dinge nur ändern, wenn wir sie auch selbst anders machen.“
 

Neben so viel Eindrücken, können sich die Besucher zwischen den ganzen Expertenrunden auch einfach mal den Spiegel vorhalten lassen. Zum Beispiel, wenn Buchautor Gunter Dueck die Lage in den deutschen Unternehmen und das Verhalten von Managern analysiert: „Wir bauen den kompletten Konzern um, aber machen Sie sich keine Sorgen, an ihrem Arbeitsplatz ändert sich nichts. So lange er noch da ist.“ Sollte der Umbau scheitern, gibt es laut Dueck  immer noch eine Alternative: „Wenn alles nichts mehr hilft, machen wir halt ein neues Logo.“

 

Das Logo der re:publica wird auch 2017 wohl noch das Alte sein. Obwohl die Netzkonferenz in diesem Jahr mit ihrem Besucherrekord an den Rand ihrer Kapazitäten gekommen ist.

Und hier die "Predigt" von Guru Sascha Lobo, "Trotzdem":

 

 

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