Vergebene Chance? Eine Chance für den Tourismus?

Viele Freizeiteinrichtungen in der Fränkischen Schweiz sind seit Wochen zumindest eingeschränkt wieder geöffnet. Jetzt will Birgit Haberberger mit ihrer Idee eines Pilotprojekts auch wieder Öffnungen in der Gastronomie und BeherbergungsInformationen aus erster Hand holte sich Birgit Haberberger beim Bürgermeister von Augustusburg, Dirk Neubauer. Foto: dpa/David Ebener

Die Pottensteiner Stadträtin und Tourismusbeauftragte Birgit Haberberger hat ein Pilotprojekt für den Ausstieg aus dem Lockdown erarbeitet, das jetzt für die Katz gewesen sein könnte.

Pottenstein - Es hätte eine Chance sein können, die aber durch die Corona-Notbremse der Bundesregierung schon im Ansatz im Keim erstickt sein dürfte: das Pilotprojekt „Sicherer Urlaub“, das die Tourismusbeauftragte von Pottenstein, Birgit Haberberger, für das Felsenstädtchen im Herzen der Fränkischen Schweiz nach dem Vorbild von Augustusburg auf den Weg gebracht hat. Ähnlich wie in der thüringischen Kleinstadt wollte Haberberger ein Pilotprojekt für den Ausstieg aus dem Lockdown realisieren.

Die CSU-Politikerin hat ihre Idee laut eigener Aussage bereits beim Wirtschafts- und beim Gesundheitsministerium in München vorgestellt. Nun liegt es am Landratsamt, ob das Pilotprojekt eine Chance hat. Oder an der Notbremse, wobei allerdings noch nicht ganz klar ist, wie die sich auf solche Pilotprojekte auswirkt.

Tägliche Tests als Voraussetzung

Wie sieht das Modell aus? Die Stadt darf mit Genehmigung des Landratsamts unter anderem Hotels und Gaststätten für vier Wochen probehalber unter Auflagen öffnen. Gäste und Personal dieser Einrichtungen müssen sich täglich auf eine Corona-Infektion testen lassen. Der kostenlose Antigen-Schnelltest ermöglicht per QR-Code den Zutritt zu Restaurants, Hotels, Ferienwohnungen und Museen. Dort treffen dann nur noch negativ getestete Personen aufeinander.

Birgit Haberberger hat sich gut vorbereitet. Vier Tage weilte die CSU-Stadträtin zu einem „Arbeitsurlaub“ in Augustusburg, um sich vor Ort ein konkretes Bild zu machen und sich mit dem dortigen SPD-Bürgermeister Dirk Neubauer auszutauschen. „Die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass ein sicherer Urlaub mit täglichen Tests möglich ist und dass aufgrund der guten Testsituation weder ein Übernachtungs- noch ein Tagestourist das Virus eingeschleppt hat. Es wurden lediglich wenige einheimische Personen, die ohne Symptome waren, bei den Testungen herausgefischt.“

Die Tourismusbeauftragte des Stadtrats verweist auf viele Ähnlichkeiten zwischen dem 4500-Einwohner-Städtchen bei Chemnitz und dem Luftkurort in der Fränkischen Schweiz. „Wir haben viele vergleichbare Strukturen: Einwohner- und Gästezahlen, Tagestouristen, das gastronomische und kulturelle Angebot, ein Museum, eine Burg …

Birgit Haberberger hat Landrat Florian Wiedemann angeschrieben und um „eine hoffentlich mutige Entscheidung“ gebeten. Sie legt Wert auf die Feststellung, dass ihr Projekt „Sicherer Urlaub“ nicht mit den Modellregionen wie Tübingen zu vergleichen sei, sondern ein „andersartiger“ Pilotversuch sei. „Ein Projekt eigener Art, das nach Paragraf 28 der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom Landrat genehmigungsfähig wäre.“

Die Wiederöffnung von Gaststätten und Hotels in Augustusburg hat laut Bürgermeister Dirk Neubauer nicht zu einem erhöhten Ansteckungsrisiko geführt. Das Modellprojekt sei definitiv kein Treiber der Pandemie, sagte er gegenüber den Medien. „Im direkten Zahlenvergleich tun wir uns bei der Inzidenz im Landkreis nicht sonderlich hervor.“ Zugleich gebe es von den beteiligten Gastronomen, aber auch von vielen Gästen sehr positive Rückmeldungen. Neubauer hofft, das Projekt auch unter der jetzt beschlossenen Bundes-Notbremse zu ermöglichen. Das Modellvorhaben war am 1. April gestartet und soll noch mindestens eine Woche laufen. Gäste und Personal von Gaststätten und Hotels müssen sich täglich testen lassen. Der kostenlose Antigen-Schnelltest ermöglicht per QR-Code den Zutritt zu Restaurants, Hotels, Ferienwohnungen und Museum. Dort treffen dann nur noch negativ getestete Personen aufeinander. Es gebe sehr viele Tagestouristen vor allem aus der Region, aber auch Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet, berichtete Neubauer.

Birgit Haberberger ist überzeugt, dass genau diese Kriterien auch auf Pottenstein zutreffen würden. Weder der „Sichere Urlaub“ mit dem durchdachten Konzept noch die vielen geöffneten Freizeitmöglichkeiten seien in irgendeiner Form Pandemietreiber. Die langjährige Stadträtin, Tourismusbeauftragte und Gästeführerin kennt ihren Ort natürlich wie aus der Westentasche, hat bereits Gastronomen, Hoteliers und Privatvermieter kontaktiert und „dabei durchweg positive Zustimmung erfahren“. Es gebe mehrere Interessenten für das Projekt. Testen könnte das bewährte Team der Bergwacht Pottenstein, weitere Teststationen seien wohl nicht nötig.

Nachdem die umtriebige Lokalpolitikerin alles ausgetüftelt und auf den Weg gebracht hat, hofft sie jetzt nur noch auf den Landrat und „dessen Mut“, wie sie sagt. „Eine positive Entscheidung wäre eine echte Chance für den gebeutelten Tourismus“, glaubt Haberberger. Eventuell könnte man das Projekt sogar auf weitere Kommunen in der Fränkischen Schweiz ausdehnen.

Die Pressestelle des Landratsamts Bayreuth hat bis gestern nicht auf unsere Bitte um eine Stellungnahme zu Haberbergers Anfrage reagiert.

Auch das Allgäu will „Modellprojekt Tourismus für eine Öffnungsstrategie“ werden. Ein entsprechendes Konzept hat die Allgäu GmbH ausgearbeitet und der Bayerischen Staatsregierung vorgelegt. Es ist Grundlage für die Forderung nach einer bald möglichen Öffnung für den Tourismus.

„Die Inhaber und Mitarbeiter im Tourismus brauchen ein Hoffnungszeichen und die Chance, zeigen zu können, dass ihre Konzepte funktionieren“, fordert die Allgäu GmbH. Die Teststrategie sei voll aufgegangen. Bei der Nordischen Ski-WM Ende Februar/Anfang März wurden über 23.000 Tests bei nur neun positiven Fällen vorgenommen. Urlaubsgäste sollen bei ihrer Anreise beziehungsweise beim Check-in in Beherbergungsbetrieben einen PCR-Test oder einen tagesaktuellen Schnelltest (24 Stunden alt) vorlegen. Selbsttests sollten auch vor Ort beim Zutritt möglich sein.

Das Konzept sieht vor, dass beim Aufenthalt von zwei Nächten und mehr jeweils nach 48 Stunden eine Nachtestung mit Selbsttests erfolgt. Durch diesen engen Testrhythmus sollen Übernachtungsgäste Zugang zu den Gastronomie- und Freizeiteinrichtungen bekommen – sobald diese geöffnet sind – ohne zusätzliche Tests machen zu müssen. uf

 

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