Die Nagetiere haben an der Pegnitzer Grundschule einen Damm gebaut Biber mitten in der Stadt

Von Hans-Jochen Schauer

Die Biber rücken unaufhaltsam vor: Mittlerweile sind die fleißigen Nager in Pegnitz angekommen. Vor kurzem wurde ein Damm unter der hölzernen Brücke an der Grundschule entdeckt.

Biber in Aktion: Mittlerweile haben die fleißigen Nager auch mitten in Pegnitz einen Damm gebaut. Foto: Patrick Pleul, dpa Foto: red

Für die Stadt war es nun an der Zeit einzugreifen. Denn das angestaute Wasser der Pegnitz hätte womöglich den Hof der Grundschule und angrenzende Gärten überflutet. „Wir haben alles entfernt; seitlich an der Uferböschung liegen noch ein paar Äste“, sagt Rudolf Zeilmann, Biberbeauftragter der Stadt Pegnitz. Das Tier hatte sich eine Stelle ausgesucht, wo es schnell an Äste und Zweige herankam, die für den Bau des Dammes benötigt werden. Ein Gartenzaun war für den Biber kein ernsthaftes Hindernis: „Er ist einfach untendurch geschlüpft“, so Zeilmann. Um den „Baumeister“ vom Nachschub abzuschneiden, verstärkte der Stadtbauhof den Zaun und setzte Pflocken ein. Die Maßnahme half erst mal - ob der Biber einen neuen Anlauf nimmt oder woanders seinen Dammbau fortsetzt, können selbst Fachleute wie Hansjörg Behr nicht sagen.

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Kein geeignetes Biberrevier

Er ist im Landratsamt Bayreuth für Biber zuständig und sieht den Ort an der Brücke nahe am Stadtzentrum als „kein geeignetes Biberrevier“ an. Es sei nicht ungewöhnlich, dass sie sich an solchen Stellen niederlassen. In Aufseß habe ein Biber an der Straße einen Damm errichtet.In Pegnitz tummelten sich die Nager seit drei, vier Jahren an der Fichtenohe in Richtung Buchau. Dieses Gebiet vor der Guyancourtbrücke ist noch ein kleines Stück Wildnis: Dort wachsen Sträucher, Gräser, Kräuter und Wasserpflanzen, von denen sich die reinen Vegetarier ernähren. Im Winter fressen sie die Rinde von Bäumen und Sträuchern – über 300 Pflanzenarten stehen auf ihrer Speisekarte, darunter auch Feldfrüchte.

Offenbar hat dieses Revier nicht mehr für alle Tiere ausgereicht. Die Jungtiere müssen weiterwandern. Zeilmann weiß, dass Biber, von Weidlwang kommend, nach Norden vorgestoßen sind. „Sogar in Leups und Trockau sind sie schon gesichtet worden.“ Ihre Dämme und Burgen fallen schnell auf – Dämme können 20 bis 30 Meter lang werden. Wichtig ist ihnen, dass der Eingang zum Bau unter Wasser und damit geschützt liegt. Ihre „Bauwut“ birgt jedoch Konflikte: Die Nagetiere fällen Nutzholz, untergraben Dämme, Deiche und flussnahe Äcker, sie stauen Entwässerungsgräben und fressen Feldfrüchte. Eigentümer der betroffenen Gewässer oder Anlieger schlagen deshalb Alarm, wenn die ersten Biber auftauchen. Sie zu vertreiben, ist schwer, „denn Biber stehen unter strengem naturschutzrechtlichen Schutz“, betont Behr. Und er hat festgestellt: „Die Konflikte wegen der Biber nehmen zu. Man muss sie auf geeignete Art und Weise vergrämen.“

Nützliche Tiere

Auch Experte Zeilmann ist sich bewusst, dass man bei den Tieren vorsichtig vorgehen muss. Privatleute, auf deren Grundstücke sich Biber niederlassen, müssen sich etwas einfallen lassen, um die Tier wieder loszuwerden. „Das ist ihre Aufgabe“, sagt Zeilmann, der Betroffenen beratend zur Seite steht. Elektrozäune oder Rohre im Damm, die den Wasserspiegel senken, aber auch Maschendrahtzaun um Bäume können wirksam helfen. Den Stab über die Nagetiere, die manche inzwischen als „Plage“ bezeichnen, will er dennoch nicht brechen. Biber seien auch nützliche Tiere. Bäume, deren Rinde von ihnen abgenagt wurde, werden im Wasser zu Totholz. Es bietet Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Pilze und Insekten.

Auf dem Holz gedeihen selten gewordene Pflanzen, in den Baumhöhlen finden Spechte und Meisen einen Nistplatz und Fledermäuse ein Quartier für ihre Jungen. „Im direkten Umfeld einer Biberburg gibt es mehr Forellen als in vergleichbaren Gewässern; auch Eisvögel und Ringelnattern bietet sich dort neuer Lebensraum“, betont Rudolf Zeilmann. Er fügt voller Überzeugung hinzu: „Biber schaffen Biotope.“

In Biberrevieren, in denen gravierende Schäden drohen, Präventivmaßnahmen aber nicht möglich oder zu aufwendig sind, dürfen Berechtigte auf Antrag und zu bestimmten Zeiten Biber fangen und töten oder Biberbauten beseitigen. Ansprechpartner ist in jedem Fall die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt beziehungsweise die jeweilige Stadtverwaltung.