Die Medi-Neuzugänge Reid Travis will sich für NBA empfehlen

In der Zone nur schwer zu verschieben: Reid Travis (hier noch im Trikot der Kentucky Wildcats am Ball) verändert mit seiner Physis das Medi-Spiel. Foto: Imago Images

BASKETBALL. Mit 203 cm als Center zu klein und zu wenig athletisch, als Power Forward mit nicht ausreichenden Fähigkeiten von außen – bei Draft-Experten stand Reid Travis nie sehr hoch im Kurs. Über die Zwischenstation Medi Bayreuth will es der 23-jährige US-Amerikaner aber doch noch in die NBA schaffen.

Sein ehemaliger Coach beim Basketball-Schwergewicht Kentucky, wo Travis sein letztes College-Jahr verbrachte, traut ihm diesen Sprung jedenfalls zu. „Reid hat die Qualität, um in der NBA zu spielen. Daran besteht für mich kein Zweifel“, sagt Trainerlegende John Calipari. „Er ist physisch und tough, zudem ein hervorragender Leader in der Kabine. Bei uns war er der Klebstoff, der das Team zusammengehalten und die Youngster geführt hat.“

Auf dem Feld überzeugte Travis mit elf Punkten und sieben Rebounds pro Spiel. „Und abseits des Feldes ist er vielseitig interessiert und weltoffen. Mit ihm kann man sich über Politik unterhalten. Wir haben über die Supreme-Court-Nominierungen gesprochen – das geht nur mit wenigen Spielern“, ergänzt Calipari. Weil mit PJ Washington, Tyler Herro und Keldon Johnson drei Teamkollegen von Travis beim diesjährigen NBA-Draft in der ersten Runde ausgewählt wurden, waren von Seiten der Medien, aber auch aus dem familiären Umfeld die Erwartungen groß, dass auch er hätte gedraftet werden sollen. Auch wegen einer Verletzung während des Draftprozesses wurde Travis jedoch von keinem Team ausgewählt.

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Travis mit gleicher Agentur wie Martin, York und Alford

„Erst während der NBA Summer League ist er wirklich auf unserem Radar aufgetaucht“, sagt der Sportliche Leiter von Medi Bayreuth, Matthias Haufer. Zwar habe man ihn natürlich schon vor seinen Einsätzen für die Atlanta Hawks gekannt, eine Verpflichtung aber für unrealistisch gehalten. In Las Vegas ergab sich dann die Gelegenheit zu einem längeren Gespräch, „und es stellte sich heraus, dass er absolut nicht abgeneigt war, nach Europa zu kommen. Am Ende half uns die Tatsache, dass er bei der gleichen Agentur unterschrieb, die bereits Hassan Martin, Gabe York und jetzt auch Bryce Alford nach Bayreuth brachte.“

Seinen Wechsel durfte Travis dann in einer Art Pressekonferenz mit mindestens 20 Mikros vor der Nase erläutern. „Meine Entscheidung, nach Europa zu gehen, hat zu Hause in den USA schon für einige Verwunderung gesorgt. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass man in Amerika so gut wie nichts über den Basketball in Übersee weiß“, erklärt Travis. „Viele denken, der Wechsel dorthin sei so eine Art vorgezogenes Karriereende. Ich kenne aber viele US-Amerikaner, die in Europa Profi sind, habe mich frühzeitig informiert und schnell begriffen, dass mir eine oder mehrere Saisons in Europa im Hinblick auf eine NBA-Karriere mehr helfen können, als zum Beispiel in der G-League zu spielen.“ Hier könne er ein anderes Spiel lernen.

"Bin neugierig auf andere Länder und Lebensweisen."

Zudem sei es auch kulturell eine tolle Erfahrung. „Ich bin jemand, der sehr neugierig ist, der andere Länder und Lebensweisen kennenlernen möchte. Viele Landsleute gehen deshalb nach Europa und zahlen dafür eine Menge Geld. Ich dagegen bekomme sogar noch Geld für diese Erfahrung – auch das war ein wichtiger Aspekt bei meiner Entscheidung.“

In Bayreuth wurde Travis anfänglich noch durch eine Knieverletzung gebremst, die wiederum Auswirkungen auf die Ferse hatte. Mittlerweile ist aber beides im Griff, und er verändert bereits jetzt das Medi-Spiel. „Seine Physis ist beeindruckend, aufgrund seines eher niedrigen Körperschwerpunktes schiebt ihn in der Zone keiner zur Seite. Er hat eine Nase für den Rebound, kann sowohl im Post, aber auch mit dem Gesicht zum Korb spielen“, ist Trainer Raoul Korner begeistert. In vielen Bereichen könne sich Travis aber auch noch verbessern. „Momentan arbeiten wir daran, seinen Wurf aus der Mitteldistanz zu stabilisieren, in seine Post Moves mehr Klarheit und Ruhe reinzubringen, die Pick-and-Roll-Defense zu verfeinern. Reid ist ein harter Arbeiter.“

 

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