Marotten der Fußballamateure Bonanza, Bier und Bundesliga

Heinzelmännchen vor dem Heimspiel: Beim FC Troschenreuth beginnt ein Spieltag immer schon am Samstag mit einem Arbeitseinsatz der Spieler und Funktionäre. Foto: red

Welche verrückten Gesetze und Rituale gibt es bei den Fußballmannschaften in der Region?

Pegnitz/Pottenstein - Sie sind nicht offiziell festgehalten, aber doch allgegenwärtig: Gesetzmäßigkeiten im Fußball, Rituale, Dinge, die einfach immer so sind. Die Fußballwelt kennt viele davon: Wer den Confed-Cup gewinnt, wird im Jahr darauf auf keinen Fall Weltmeister. Wenn der Club einen Titel holt, steigt er in der Folgesaison ab – zumindest ist das seit über 50 Jahren so. Und pünktlich im Frühjahr verspielt der einst große HSV doch noch den greifbar nahen Aufstieg. Einzelne Spieler haben ebenfalls ihre Marotten. Christiano Ronaldo zum Beispiel soll den Platz immer erst mit dem rechten Fuß betreten. Folgend plaudern die Vereine aus der Region aus dem Nähkästchen.

Beim FC Pegnitz (Kreisklasse 3) beginnt das Mannschaftstraining immer exakt gleich. Mit dem berühmt-berüchtigten „Eggla“. Vier oder fünf Spieler stehen dabei zusammen und passen sich den Ball zu, zwei weitere Spieler müssen versuchen, den Ball zu gewinnen. „Ich bin inzwischen seit sieben Jahren Trainer beim FC und bin mir ziemlich sicher, dass wir noch kein einziges Training hatten, bei dem nicht zu Beginn das berühmte ,Eggla‘ gespielt wurde“, berichtet FC-Trainer Peter Schramm. „Das ist wirklich ein ungeschriebenes Gesetz.“ Nicht nur in Pottenstein schwört man auf Musik, auch der FC Pegnitz setzt auf die Akustik. Vor jedem Spiel. Der Titelsong „Bonanza“ aus der fast schon historischen Western-Serie dürfe nicht fehlen. „Das ist absolut Pflicht bei uns“, sagt Schramm. Das erste Mal hatte es den Titelsong vor den erfolgreichen Aufstiegsspielen gegeben, seither sei das ein gutes Omen. „Unsere Gegner wundern sich zwar über unseren Musikgeschmack, aber für uns ist diese Melodie ein absolutes Muss“, versichert er.

Der Heimspielsonntag beginnt beim FC Troschenreuth (Kreisklasse 3) grundsätzlich immer am Samstag. Da treffen sich die erste und zweite Mannschaft – und ein paar andere Fußballinteressierte – am Vereinsgelände und bringen alles auf Vordermann. Der Platz wird gemäht, Linien gestreut, die Kabinen hergerichtet und wenn es sein muss, wird auch schon mal dem Zaun ein neuer Anstrich verpasst. Im Anschluss geht es dann ins Sportheim – zum gemeinsamen Bundesliga schauen. „Das ist fast Pflicht bei uns“, erzählt Kilian Dettenhöfer, Ersatztorwart der „Ersten“. Das sei ein sehr alter Brauch in Troschenreuth und wichtig für den Zusammenhalt der Mannschaft.

Da liegt Musik in der Luft, wenn die SG Wolfsberg/Geschwand (wie so oft in dieser Saison) in der Kreisliga 2 gewonnen hat. Und wenn DJ Jürgen Igl in der Kabine dann auflegt, wird es nicht nur laut, sondern auch bunt. „Zu den Beats flackert auch immer die Discokugel, die Jürgen stets dabei hat“, erzählt Spielertrainer Florian Müller.

„Never change a winning Playlist“, das ist das Motto beim TSC Pottenstein (Kreisliga 2), erzählt Patrick Schrödel, einer der Spieler aus der „Ersten“. Vor jedem Spiel wird in der Kabine Musik gehört, die Playlist erstellt Kapitän Markus Schmitt. Und wenn der TSC einen Sieg einfährt, muss vor dem nächsten Spiel natürlich die gleiche Songauswahl wieder kommen. Vielleicht wäre das ja sonst ein böses Omen. In der Aufstiegssaison 2016 hatten die Spieler gut zehn Mal in Folge die gleiche Playlist, erinnert sich Schrödel. Seit einiger Zeit darf auch die TSC-Hymne nicht fehlen (die gibt es mittlerweile unter anderem auf Spotify), die der Verein zum Hundertjährigen komponierte. Und wenn es dann doch mal nicht so gut läuft, hat der TSC eine ganz eigene Regel: Wer einen Elfmeter verschießt, zahlt im Anschluss einen Kasten Bier. Den gibt es nach dem Spiel im Sportheim, erzählt Schrödel. Ein Kandidat für die Bierspende sei gerne mal Co-Trainer und Sechser Sebastian Haas, witzelt Schrödel. Er selbst hat da mehr Glück und traf bislang immer vom Punkt. Fragt sich, ob das die durstigen Mitspieler wirklich so gut finden . . .

Hannes Feeß, Abteilungsleiter bei der SpVgg Heroldsbach/Thurn (Kreisklasse 2), kennt eine solche Gesetzmäßigkeit. Die tritt nämlich genau dann auf, wenn der Gegner einen schwächeren Torwart im Aufgebot hat. Wenn man dann aus allen Lagen schießen solle, „wird in der Regel lediglich zweimal im ganzen Spiel aufs Tor geschossen.“ Und wieso ist das so? Vielleicht sei man sich zu sicher, dass ein oder zwei Bälle schon reingehen würden, meint Feeß. Das habe viel mit Psychologie zu tun. Man sei dann vielleicht etwas überheblich, sodass man erst gar nicht zum Abschluss kommt. „Wenn man gewinnt, nimmt man es mit Humor“, sagt er.

Es ist ja nahezu menschlich, dass sich Sportler gegen vermeintlich schwächere Gegner hart tun, „Bruder Leichtfuß“ lässt grüßen. Doch beim A-Klassen-Spitzenklub ATSV Forchheim, befürchtet Spielertrainer Philipp Heublein, hat sich das besonders verfestigt. Vor allem bei einem Gegner klappt es nie, selbst wenn der in der Tabelle weit unten steht. Allerdings nur auswärts. Daheim hat der ATSV den SV Neideck-Muggendorf stets im Griff, aber in der „Fränkischen“ lässt man die Punkte in aller Regel liegen und hat dort auch schon den Aufstieg verzockt. Allerdings ist Neideck daheim eine Macht und schlägt viele Favoriten. Warum das so ist, habe ihm selbst der Muggendorfer Trainer nicht erklären können, sagt Heublein. Am Platz liege es definitiv nicht, der sei gut.

 

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