Beim Besuch eines Kraftwerks kann der Außenminister besichtigen, was der Ukraine am meisten zu schaffen macht: Raketenangriffe aus Russland. Früher seien aus dem 60 Kilometer entfernten Belgorod jenseits der Grenze zu Russland Touristen gekommen, erzähl der Bürgermeister. Jetzt kommen von dort die ballistischen Raketen wie die S-300. 59 Sekunden brauche die bis Charkiw. Sie fliege zwölf Kilometer hoch, um sich dann sehr schnell auf ihr Ziel herabzusenken.
Das Kraftwerk ist bereits sechs Mal mit insgesamt 16 Raketen angegriffen worden. Auch mit Blick auf den nächsten Winter stellt man sich in der Ukraine auf massive Angriffe auf die Energieinfrastruktur ein. Darauf soll nun auch die deutsche Hilfe ausgerichtet werden.
Wadephul bemüht sich um Patriots
Nach seinen politischen Gesprächen in Kiew sagte Wadephul der Ukraine neue humanitäre Hilfe von 50 Millionen Euro zu und machte ihr Hoffnung auf zusätzliche Mittel für die Luftverteidigung. Der CDU-Politiker versicherte, dass er weiter versuchen werde, Bündnispartner zur Abgabe von Patriot-Abwehrraketen zu bewegen. Zu den möglichen Lieferanten zählen Griechenland, Italien, Japan und Südkorea.
Auch einen weiteren Beitrag der Bundeswehr schloss er nicht aus. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) müsse "gemeinsam mit seinen Fachleuten in die Bestände gucken und schauen, ob noch etwas möglich ist".