Begonnen hat alles vor zehn Jahren. Den Anstoß gab Gerhard Leikam mit der Projektgruppe „In der Heimat wohnen“, aus der schließlich das Mehrgenerationenhaus unter Leitung der Caritas erwuchs. Und – zusammen mit vielen weiteren Angeboten – auch die Möglichkeit, dreimal die Woche ein warmes Essen geliefert zu bekommen.

Mit der Metzgerei Höfner am Spitalplatz fand man einen Partner, der auch bereit war, dafür zu investieren. Ein spezieller Ofen musste angeschafft werden, und die Caritas rüstete sich mit Essensboxen aus, die zum einen gut im Fahrzeug gestapelt werden können und zum anderen die Mahlzeiten warmhalten. 120 Euro kostet so ein Service. Die Franz-Neuner-Stiftung übernahm diese Kosten.

Acht Kunden waren es am Anfang, und ein Fahrer mit seinem Privatfahrzeug konnte sie auch noch recht einfach beliefern, erinnert sich Ruth Domide. Heute sind es oft bis zu 60 Essen und zwei Fahrer. Josef Müller, den alle nur „Mozart“ nennen, und Herbert Degen, sind heute pro Tour schon mal zweieinhalb Stunden auf der Straße. Bis in den letzten Weiler hinein wird das Essen gebracht. Und: pünktlich muss es gebracht werden. Ganz wichtig für viele, die um 12 Uhr essen wollen.

Das erste Transportfahrzeug wurde von der VR-Bank zur Verfügung gestellt, doch bald stellte sich heraus, dass es nicht ausreichte. „Wir brauchten dringend noch ein zweites Fahrzeug. Nicht nur für die Mittagessen, sondern auch, um Senioren mal zu einem Treffen zu fahren, oder ins Kino.“ Und so kam die Kurier-Stiftung „Menschen in Not“ ins Spiel, die vor einem Jahr das neue Auto finanzierte.

Damit ist jetzt sichergestellt, dass die breitgefächerten Aufgaben alle bewältigt werden können. „Unsere Fahrer sind ja viel mehr als nur die Essenslieferanten“, sagt Domide. „Sie kennen die Lebensgewohnheiten der alten Leute, sie melden sofort, wenn jemand auf das Klingeln nicht reagiert, oder wenn sonst etwas anders ist als immer.“

Und vielen Angehörigen, die oft weit entfernt wohnen, gebe es ein Gefühl der Sicherheit, wenn die Eltern dreimal die Woche besucht werden. Wobei das Angebot auf den persönlichen Bedarf zugeschnitten werden kann. Manche lassen sich nur ein- oder zweimal die Woche Essen liefern, weil sich an den anderen Tagen die Kinder darum kümmern, und manche kochen einfache Gerichte, wie Kartoffeln mit Quark noch selbst. Immer aber halte man den Kontakt zu den Menschen, auch in der Corona-Zeit, wo die Box oft vor der Tür abgestellt werden müsse. Man verständige sich dann eben durch ein Winken aus dem Fenster.

Wie wichtig dieses Kümmern sei, erklärt Domide. Nicht nur, weil es für alte Leute immer schwieriger werde, ausgewogen zu kochen. Eine Hollfelderin mit beginnender Demenz habe immer vergessen, die Herdplatte abzuschalten, nachdem sie gekocht hatte. Als das erkannt wurde, habe man die Angehörigen verständigt, die den Herd vom Stromnetz abklemmten.

Für Inge und Georg Rudolph beispielsweise ist das Kochen in den letzten Jahren einfach zu beschwerlich geworden. Seit drei Jahren nutzen sie das Angebot der Caritas. „Und wir sind sehr zufrieden damit“, betont der 84-jährige ehemalige Hauptschullehrer. Die beiden können nicht zuletzt wegen dieses Angebots noch zu Hause wohnen und den Umzug in ein Heim vermeiden. Ruth Domide: „Statistisch gesehen ist es dank guter Netzwerke etwa ein Jahr länger möglich, gebrechliche Menschen daheim zu lassen.“


Info: Mehr über das Mehrgenerationenhaus Hollfeld und verschiedene Aufgaben der Kurier-Stiftung „Menschen in Not“ gibt es in unserer großen Online-Spenden-Gala am Samstag, 28. November, ab 20 Uhr im Livestream auf der Kurier-Homepage. Ihre Spenden nehmen wir per Telefon, E-Mail und Whatsapp entgegen.