Die Kapelle von Vorderkleebach ist noch sehr jung Der Stolz von 78 Einwohnern

Rosalinde Neukum ist mit Leib und Seele Mesnerin.Mit Jahrgang 1969 ist die Kapelle noch sehr jung. Foto:  

Der Bau der Kapelle im Pottensteiner Ortsteil war nur durch das große Engagement vieler Einheimischer möglich.

Vorderkleebach - Leise und lächelnd lässt Rosalinde Neukum die Kapelle mit sanften Tönen im Hintergrund berieseln, als sie die großzügige Dorfgebetsstätte zeigt. Sie ist die Mesnerin. Mit ruhiger Gelassenheit erklärt sie: „In Vorderkleebach gab es bis 1969 keine Kapelle. Zu kirchlichen Zusammenkünften versammelte man sich an dem Kreuz, dass heute noch neben dem Feuerwehrhaus an der Straße steht. Wir nannten das Kreuz immer Maigebet. Wegen des großen Verkehrsaufkommens könnten wir uns da heute gar nicht mehr versammeln.“

Der Wunsch nach einer eigenen Kapelle sei groß gewesen. Das Kapellengrundstück stammte von Elisabeth Neubig, die es wiederum von ihrer Tante Kunigunda Brendel mit der Stiftungsauflage erbte, dort eine Kapelle zu bauen. Vormals stand dort ein unterkellerter Stadel, der von den Bewohnern des vorderen Dorfs für Wintereinlagerungen genutzt wurde. „Bauherr der Kapelle und Grundstückseigentümer war die ehemals selbstständige Gemeinde Vorderkleebach. Nach der Eingemeindung gingen alle gemeindlichen Besitztümer auf die Stadt Pottenstein über“, betont Rosalinde Neukum. Der Kapellenbau sei nur durch viel Eigeninitiative und ehrenamtliche Bereitschaft möglich gewesen.

Eigenleistung und Spenden

Martin Richter kümmerte sich damals um die Finanzen und teilt schriftlich mit: „Die Maurerarbeiten wurden von Alfons Haas, Joseph Horn und Johann Neubig vorgenommen. Zuverlässige Handlanger waren Veit Thiem und Georg Orlet und alle Zimmerergewerke erledigte Thomas Landmann. Georg Orlet, der sich damals noch in der Ausbildung befand, übernahm alle elektrischen Arbeiten.“ Richter findet es bemerkenswert, dass sich der Bau fast ausschließlich aus Eigenmitteln und Spenden finanziert habe. In einem immensen Schriftverkehr, erinnert sich Richter, seien damals sogar Konrad Adenauer und Heinrich Lübke angeschrieben und um einen Obolus gebeten worden. Doch der Ort musste auf seine eigenen Stärken setzen. Rosaline Neukum: „Es gab keine Spenden von Bundespolitikern. Sie haben mit dem Vermerk geantwortet, lokal begrenzte Initiativen nicht zu unterstützen, da sie sonst im Sinne der Gleichbehandlung alle ähnlichen Anliegen bedenken müssten. Gleichwohl wünschten sie immer gutes Gelingen.“

„Den ersten finanziellen Grundstock gab es bereits 1960, als die Brautpaare Gunda und Adam Richter sowie Kunigunde und Friedrich Eckstein ihre Erlöse aus den Brautschuhversteigerungen für den geplanten Kapellenbau stifteten“, sagt die Mesnerin. „Adam Richter, der Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Vorderkleebach, hat sich auch um die Geldmittel und den späteren baulichen Unterhalt gekümmert.“ Eingeweiht wurde die Kapelle am 15. Juni1969 durch Pfarrer Georg Popp aus Hohenmirsberg. „Die Glocke stammt aus dem Jahr 1778“, erinnert die Mesnerin. Im Krieg wurde die Glocke zum Schutz vor Konfiszierung in der Scheune der Familie Schrenker versteckt und entging somit der Beutewut der Nazis.

Martin Richter erinnert in seinen Aufzeichnungen, dass die Glocke vorher bei der Familie Schrenker stand und die Familie damals auch das Gebetsläuten vornahm. Heute läuten die Glocken, wenn jemand aus dem Ort stirbt, und bei der Überführung ist der Glockengruß eine würdige Verabschiedung des Verstorbenen. Die Kapellenglocke läutet dann so lange als letzter Gruß, bis man den Sarg nicht mehr sieht.

„Für die Kapelle wurde eine runde Form gewählt“, erzählt Rosalinde Neukum zwischen den 60 Sitzplätzen sitzend. „Sie steht, wenn man das Ortsbild von oben betrachtet, ziemlich in der Mitte des ebenfalls runden Ortsbilds.“ Neben dem modernen Kreuzweg aus Keramik und dem eleganten Tabernakel sticht die stattliche Marienstatue ins Auge. „Die Mutter Gottes wurde uns von der Kuratie Poppendorf überlassen“, freut sich die Mesnerin aus Leidenschaft. Die Kapelle ist in das Pfarrleben der Kuratie Poppendorf sehr gut eingebunden. „Alle vier Wochen findet bei uns auch eine heilige Messe statt. Hier sind die Bewohner aus Hinterkleebach und dem Ahorntal gern gesehene Gäste.“

Heute kümmert sich Robert Neubig um die finanziellen Angelegenheiten. Rosalinde Neukum ist gerne Mesnerin, das spürt man. Sie hat noch ein Lied parat: „Leise sinkt der Abend nieder“, ertönt es sanft im ansonsten ruhigen Kirchlein mit der bemerkenswerten Akustik. „Wir haben in unserem kleinen Ort fünf Ministranten. Das ist wirklich lobenswert, mit welchem Eifer die Kinder dabei sind“, zeigt sie sich dankbar. Vorderkleebach zählt derzeit 78 Einwohner. Die Kapellenpflege teilen sich sechs Frauen in Zweiergruppen. Neben der Mesnerin helfen Karin und Margarete Haas, Margarete Hacker, Katja Neubig und Andrea Bauernschmitt. „Ich gehe beim Schmücken schon mal durch die Dorfgärten hausieren und schneide – mit Erlaubnis – schon mal die schönsten Blumen ab“, gibt sie lächelnd zu. „Manche Familien säen auch extra Blumen auf die Äcker, damit die Kapelle geschmückt werden kann“, freut sie sich.

Alle drei Jahre eine Wallfahrt

Im Sommer ist die Kapelle offen, allerdings schützt ein Holzschutzgitter den Innenraum. Alle drei Jahre an den Bitttagen ist die Marienkapelle Ziel der Poppendorfer Wallfahrt. „Im vergangenen Jahr gestalteten wir an Fronleichnam einen Altar und Pfarrer Matthew Anyanwu hielt eine Andacht. Wir waren stolz, dass unser kleiner Ort Teil der Prozession war.“

Welches Gefühl hat die Mesnerin, wenn sie die schmucke Kapelle betritt? „Es ist eine Art Urvertrauen. Besser beschreiben es noch die Bezeichnungen Heimkommen und Geborgenheit. Meine erwachsenen Kinder habe ich von klein auf dazu animiert: Kommt heim, wenn euch was belastet, wenn ihr euch freut. Erzählt was los war, nur so kann ich euch helfen, euch verteidigen. Die Last wird leichter, die Freude größer, über ein Danke bin ich glücklich. So ist auch das Gefühl, wenn ich Lasten, Freuden und auch Dank vor Gott hintrage. Man wird es los, dann kommt das Vertrauen: Mit Gottes Hilfe wird es schon gut gehen. Und über ein Danke freut er sich bestimmt – so wie ich.“

 
 

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