Wer in diesen Tagen Helmut Schaudek und seine Mitarbeiter besucht, geht durch eine Baustelle. Die Barmer hat ihre neue Geschäftsstelle im ersten Stock des Loher-Hauses in der vergangenen Woche eröffnet. Drinnen Geschäftsstelle ist alles tipptopp, draußen kracht's und knallt's, wie es auf einer Baustelle eben so ist. Regional-Chef Schaudek meckert nicht über die derzeitigen Umstände. Die vergehen. In ein paar Wochen ist alles in Ordnung. Was wichtiger ist: Die Krankenkasse hat den Standort, den sie wollte. Gut erreichbar für die Kunden. Parkplätze und Busstation vor der Haustür. "Solche Räume in Bayreuth zu finden, ist gar nicht so einfach." 15.000 Versicherte hat die Barmer im Einzugsbereich ihrer Geschäftsstelle. Es sollen noch mehr werden.

Die Oberbank steht in den Startlöchern

Der nächste, der kommen wird, zieht auch noch in eine Baustelle ein. Die Oberbank verlegt ihre Bayreuther Filiale von der Wölfelstraße in das Loher-Haus. Am 15. Juni zieht die Bank aus, am nächsten Tag geht es am neuen Ort weiter. Obwohl - so neu ist das Loher-Haus für die Oberbank gar nicht. Als die österreichische Bank im Jahr 2006 ihre Bayreuther Filiale plante, war Loher schon einmal Wunschstandort, sagt Filialleiter Michael Thelemann. Weil die Oberbank gerne an den Rand von Fußgängerzonen geht. Da stimmt die Erreichbarkeit, die Kundenfrequenz und die Sichtbarkeit. Das ist wichtig, denn auf Marketingmätzchen verzichtet die Bank laut Thelemann bewusst. "Wir wollen einen guten Ruf haben und präsent sein." Der Mietvertrag, den die Oberbank für ihre neue Filiale im Loher-Haus unterschrieben hat, läuft fünf Jahre lang. Wie immer bei der Oberbank. Und wie immer mit der Option dreimal um fünf Jahre zu verlängern.

Eine Zahnärztin ist die dritte, die gerade dabei ist, in das Loher-Gebäude einzuziehen. Und: Ein Unternehmen aus dem Gesundheitssektor wird eine große Fläche nehmen, sagt Bernd Deyerling. Die Unterschriften unter dem Vertrag fehlen. Deshalb nennt er den Namen nicht. Medizin und Loher - die Idee gibt es bereits sehr lange. Vor fast zwei Jahren hatte ein Betreiber von Ärztezentren Interesse an dem Bayreuther Objekt signalisiert.

Der Innenausbau läuft, die Flächen werden verteilt

"Es tut sich gerade viel", sagt Deyerling. Auf der Baustelle sorgen Arbeiter dafür, dass die technische Ausrüstung des Hauses und der Innenausbau vorankommen. Und in den Büros wird am Branchenmix für den Einzelhandel getüftelt, der bei Loher Raum finden soll. Zwei Ebenen mit jeweils 1000 Quadratmetern stehen zur Verfügung. Jetzt werden die dicken Brocken geplant. Die Händler mit großem Raumbedarf haben Vorrang, auf sie schneidern die Planer die Aufteilung der Verkaufsflächen zu. "Es werden auch Händler und Marken vertreten sein, die es bislang in Bayreuth nicht gibt", sagt Deyerling. Wenn das Haus zum Jahresende fertig ist, werden vielleicht noch ein paar kleinere Restflächen übrig sein, sagt der Projektentwickler Aber: Im Großen und Ganzen geht Loher dann an den Start.

Ein Jahr Verzögerung: "Wir hatten lange Abstimmungsphasen"

Ein Jahr später als eigentlich geplant war. Die Statik des Gebäudes sei ein Problem, heißt es. "Die haben wir im Griff", sagt Deyerling. Woran es dann lag? "Wir hatten lange Abstimmungsphasen." Aber jetzt soll es vorwärts gehen: "Wir warten auf Nichts und Niemanden mehr." Denn das Vorhaben, dem ehemaligen Kaufhaus Loher wieder Leben einzuhauchen, läuft seit vier Jahren. Und auch die Geduld der Investoren hat Grenzen. Die holländische Ashkenaz-Gruppe hatte das Loher-Haus gekauft. Und sie ist seit 2012 auch Eigentümerin des unmittelbar angrenzenden Karstadt-Gebäudes.

Karstadt will sich bald entscheiden

"Das Projekt läuft noch", sagt Jochen Keller. Er habe der Karstadt-Zentrale alle notwendigen Informationen vorgelegt, sagt der Bayreuther Filialleiter. Das heißt: Nach wie vor hat Karstadt Interesse daran, in seinem Untergeschoss einen Rewe-Lebensmittelmarkt einzurichten und den per Durchbruch in das Erdgeschoss des benachbarten und tieferliegenden Loher-Gebäudes überlaufen zu lassen. Dass der Lebensmittel-Discounter Norma inzwischen einen Mietvertrag für das Loher-Gebäude unterschrieben hat, hat man bei Karstadt registriert. Das ändere aber nichts daran, dass Karstadt vor allem Interesse an Rewe hat. Ob der Durchbruch im Untergeschoss kommt? Keller erwartet bald die Entscheidung aus der Zentrale. "Mehr kann ich nicht sagen." Dass auch ein Durchbruch zwischen dem Erdgeschoss von Karstadt und dem ersten Stock des Loher Hauses kommen könnte, so wie es anfangs geplant war, ist laut Keller in den Hintergrund gerückt. Ein gut funktionierendes Loher-Haus würde helfen, sagt er. Weil es zusätzliche Frequenz bringt. "Die Stabilisierungsphase liegt hinter uns", sagt der Filialleiter. Vorbei also die Zeiten, als die Bayreuther Karstadt-Filiale auf der Kippe stand. "Jetzt nehmen wir Fahrt auf."

Handelsexpertin sagt: Zum Wohnen in der Innenstadt gehört ein Lebensmittler

Sabine Köppel fände es gut, wenn Karstadt nach Monaten und Jahren des Zögerns jetzt den Durchbruch schaffen würde. Denn so entstünde eine attraktive Verbindung zwischen Kanalstraße und Marktplatz. Und die dazwischen, Loher und Karstadt, würden profitieren. So recht versteht die Bezirksgeschäftsführerin des Handelsverbandes Bayern nicht, warum Karstadt zögert. Der Durchbruch und ein Lebensmittelmarkt auf der gemeinsamen Fläche von Loher und Karstadt wären nicht nur für die beiden Standorte ein Gewinn. Sondern für die gesamte Innenstadt. "Wenn Wohnen in der Innenstadt funktionieren soll, bedingt das einen Lebensmittler." Gespannt ist sie, wie sich die Parksituation um das Loher-Gebäude entwickeln wird, wenn das neue Einzelhandels- und Dienstleitsungszuentrum mal läuft. "Der Projektentwickler wollte ja zusätzliche Parkmöglichkeiten schaffen. Aber da ging die Stadt nicht mit."

Die Geschichte des Hauses Loher

Hans Loher hat das Kaufhaus im Jahr 1939 erbaut. Nicht ganz freiwillig, sein Geschäft, das vor den Gontardhäusern stand´, musste weichen. Weil es die damaligen Machthaber so wollten. Loher kauft das Anwesen des Cafe Frohsinn, ließ es abreißen und baute dort sein Kaufhaus auf. In nur sieben Monaten und auf Schwemmland. 56 Brunnen gab es unter dem Gebäude. Das ließ sich auch noch nachzähle, als das Gebäude fertig war, sagt Dietbert Loher, Enkel des einstigen Erbauers. 56 Säulen gab es im Erdgeschoss. 2000 Quadratmeter ist das Kaufhaus groß, für die Zeit seines Entstehens ein stattliches Geschäft. In den 1960er Jahren ließ die Familie Loher die erste Rolltreppe in Bayreuth einbauen. Bis zum Jahresende 1974 betrieben die Lohers das Kaufhaus. Danach hieß es Bilka, die damalige Preiswert-Verkaufsschiene von Hertie. Als Bilka aufgelöst wurde, zog die Kaufhalle ein, später ein Schnäppchenmarkt. Vor 14 Jahren hat Loher das Gebäude an Kaufhof verkauft, inzwischen gehört es der holländischen Investoren- und Projektentwicklungsgruppe Ashkenaz. Askenaz hatte mehrere Immobilien in Bayreuth gekauft, darunter ein historisches Gebäude an der Friedrichstraße und der "Weidmann-Bau" an der Bindlacher Straße. Den Traditonsnamen hat Dietbert Loher jetzt, da das Gebäude am ZOH nach jarelangem Leerstand wiederbelebt wird, gerne zur Verügung gestellt. "Gottseidank geht es jetzt vorwärts." Es soll Loher-Einkaufszentrum heißen.

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