Azubi-Messe in Bindlach Bei der Futuregram suchen Schüler ihren Traumberuf

, aktualisiert am 10.04.2025 - 18:07 Uhr

Fast 100 Firmen aus der Region Bayreuth werben am Donnerstag und Freitag in der Bindlacher Bärenhalle etwa mit 3D-Brillen, Robotern, heißen Drähten, Drohnen oder Frisier-Puppen um Nachwuchs. Wir haben mit der Kamera festgehalten, wie kreativ die Firmen bei der Azubi-Suche werden.

Die ersten Sonnenstrahlen blinzeln am Donnerstagmorgen um 8.30 Uhr durch die sich zögerliche auflösende Wolkendecke und spiegeln sich in den blitzblank-polierten schwarzen Mercedes-Limousinen von Auto Scholz vor der Bärenhalle in Bindlach.

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Schwereres Gerät hat die Bundeswehr zur großen Ausbildungsmesse Futuregram vorgefahren: Neben einem großen Sanitäts-Transporter in Tarnfarben mit dem roten Kreuz und laufendem Blaulicht unter anderem auch das Geschützfahrzeug „Eagle IV“, auf dem neben der Tag- und Nachtsichtkamera zur Aufklärung auch ein Maschinengewehr befestigt werden kann, das von innen gesteuert wird.

Ein Soldat der Aufklärungseinheit erklärt einem Jugendlichen, wie man mit dem Eagle durch tiefen Matsch steile Hänge hinauf brettern kann. Beim Ausspähen potenzieller Feinde hilft der Bundeswehr auch die Aufklärungs-Drohne „Parrot Anafi“, die ebenfalls mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet ist. „Es wird schon wieder etwas besser, aber Nachwuchs für die Bundeswehr zu finden, bleibt eine große Herausforderung“, sagt Soldat Armin Aumüller.

Drei 13-Jährige von der Mittelschule Weidenberg haben Anglerhüte in hellen Wüstentarnfarben auf. „Wir finden die vielen Möglichkeiten bei der Bundeswehr interessant“, so die einhellige Meinung. Aber auch ein Praktikum bei der Kulmbacher Brauerei könnten sie sich gut vorstellen.

Viele Betriebe aus Region Bayreuth brauchen dringend Nachwuchs

„Wir wollen die regionale Wirtschaft fördern – und das fängt bei der Jugend an“, erklärt Andreas Heinkel, Geschäftsführer des Nordbayerischen Kuriers, der die Messe veranstaltet, zur Eröffnung am Donnerstag um 8.30 Uhr. Die Futuregram geht an diesem Tag bis 16.30 Uhr und am Freitag weiter, von 8.30 bis 13 Uhr. Der Nordbayerische Kurier ist auch selbst mit einem Stand vertreten, an dem sich Jugendliche über die Ausbildung zu Medienkaufleuten oder ein Volontariat erkundigen.

Rund 700 Schüler und auch einige Ältere haben sich am Donnerstag bei den fast 100 ausstellenden Betrieben der diesjährigen Futuregram umgeschaut, die sich viel haben einfallen lassen, um beim Nachwuchs auf sich aufmerksam zu machen: Von Foto-Boxen und Videospielen über die Geschicklichkeitsspiele heißer Draht und Bierpong zu Robotern, Frisier-Puppen, chemischen Experimenten und Vielem mehr.

Am Stand der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken (Gebo), die unter anderem das Bezirkskrankenhaus in Bayreuth betreiben, präsentiert sich ein Azubi in Bademantel und Duschhaube und hat Creme im Gesicht, um Pflegekräfte zu gewinnen. In grünem Superman-Kostüm und rotem Umhang wirbt ein junger Mann für Ausbildungen beim Bayreuther Gesundheitsdienstleister Gedikom.

Die Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken erregen mit Verkleidungen die Aufmerksamkeit des potenziellen Pflege-Nachwuchses auf der Futuregram in der Bindlacher Bärenhalle. /Rudi Ziegler

Vier Jugendliche starren konzentriert auf einen viergeteilten Bildschirm und bewegen ihre Oberkörper mit den Controllern, um ihre Figuren beim Videospiel Mario Kart zu steuern. Um sie bildet sich eine Gruppe Zuschauer. „Wir wollen die Generation Z ansprechen, also müssen wir sie da abholen, wo sie sind“, sagt Daniela Le-Kausler.

Sie ist Ausbildungsleiterin bei Suprima in Bad Berneck, wo Textilprodukte für die Pflege hergestellt und vertrieben werden. Modenäher, Fachlageristen und Bürokaufleute werden dort ausgebildet. Nachwuchs zu finden sei schwierig und werde immer schwieriger, sagt Le-Kausler. „Auch wegen unseres Standorts, der gerade für Schüler schwer zu erreichen ist.“ Deswegen investiere die Firma auch viel in ein umfassendes Konzept, um junge Menschen für die Berufe zu begeistern.

„Experimente finden wir spannend“, sagt eine von drei 13-jährigen Schülerinnen aus Hummeltal vor einem Stand, wo eine Flüssigkeit in einem Reagenzglas ihre Farbe durch blau über grün in gelb ändert, man durch ein Mikroskop ein Bakterium beobachten kann und viele Apotheken-Gläser und Pillen-Döschen stehen. Der Leiter der PTA-Schule Kulmbach, Edgar Gräf, erzählt von verborgenen Gängen im alten Kloster, in dem die Schule untergebracht ist, die an Hogwarts aus Harry Potter erinnert, was die Mädchen zum Kichern bringt.

Edgar Gräf, Leiter der Schule für Pharmazeutisch-technische Assistenten in Kulmbach, wirbt auf der Futuregram mit Experimenten um Nachwuchs. /Rudi Ziegler

Pharmazeutisch-Technischer Assistent sei ein Traumberuf, wegen der vielen Abwechslung: Das Herstellen von lebenswichtigen Medikamenten, die nicht lieferbar sind, gehöre ebenso zum Berufsbild wie etwa Körperpflege-Kunde, „um den Pickel vor dem Date unsichtbar zu machen“. Man müsse über Ernährung ebenso Bescheid wissen wie über Hautkrankheiten. „Wir haben noch einige freie Stellen“, sagt Gräf. „Aber es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Deshalb sind wir auch heute hier.“

In der Friseur-Branche laufe es zwar insgesamt nicht gut bei der Nachwuchssuche, sagt Jaqueline Müller von Soul & Scissors in Bayreuth. Sie selbst könne sich aber nicht beklagen. Wohl auch deswegen, schätzt Müller, weil sie schon im vergangenen Jahr auf der Futuregram präsent war, wo Schüler sich an Puppenköpfen mit Frisier-Werkzeugen wie Glätteisen oder Kamm ausprobieren können.

Jaqueline Müller von Soul & Scissors in Bayreuth präsentiert ihr Handwerk auf der Futuregram in der Bindlacher Bärenhalle. /Rudi Ziegler

„Ich will jemanden ausbilden und neue Fachkräfte finden, klar“, sagt Müller. „Aber ich erkläre den Schülern auch, welche Weiterbildungsmöglichkeiten es für Friseure gibt.“ Unter anderem sind das etwa Maskenbildner, Berufsschullehrer oder Außendienstler für Haar-Produkte.

Wenige Meter weiter in der Bärenhalle schauen Emilia und Jasmina von der Alexander-von-Humboldt-Realschule Bayreuth in die blau leuchtenden Augen eines weißen Industrie-Roboters mit Hasenohren. „Richtig cool“, finden die 15-Jährigen den Stand der Firma Robotif mit Sitz im Harsdorfer Gemeindeteil Oberaltenreuth.

Die Firma Robotif aus Harsdorf hat einen Roboter mitgebracht. /Rudi Ziegler

„Wir sind mutmaßlich die Einzigen weltweit, die Industrie-Roboter warten“, sagt Peter Fick, Leiter für Ausbildung, Forschung und Entwicklung. Die Jugendlichen sind zwar offensichtlich von den Robotern fasziniert, „es wird aber immer schwieriger, Auszubildende zu finden“, sagt Fick.

„Wir brauchen immer Leute“, sagt auch Andreas Dinger. Der Ausbildungsleiter der Bayerischen Polizei kann sich über regen Besuch an seinem Stand in der Bärenhalle freuen, wo die Jugendlichen unter anderem schusssichere Westen begutachten können.

Eine junge Kollegin und zwei Praktikantinnen, die die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn im September unter anderem damit verbringen, bei Verhören dabei zu sein, beantworten viele Fragen zu den Grundvoraussetzungen und den verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten. Bei der Polizei herrsche noch eine „recht angenehme Lage in diesen Zeiten“, so Dinger: „Wir haben immer so um die 12.000 Bewerber, von denen wir nur jeden Achten oder Neunten nehmen.“

„Polizistin ist mein Traumjob“, sagt dann auch eine 15-Jährige von der Albert-Schweizer-Schule in Bayreuth. Ihre große Schwester macht dort gerade die Grundausbildung, „was sie erzählt finde ich sehr spannend.“