Herr Schmitt, am Freitagabend stehen Mozart, Haydn und Beethoven auf dem Programm. Vor lauter großer Namen - auf welchen Moment soll man sich denn da am meisten freuen?
Vier Männer müssen die Orgel tragen, auf der Christian Schmitt (39) am Freitag in der Stadthalle spielt. Gemeinsam mit den Bamberger Symphonikern tobt sich der Organist an Mozart, Haydn und Beethoven aus. Warum die Bayreuther das nicht verpassen sollten, und welche Probleme seine dicken Finger ihm machen, das hat Schmitt dem Kurier im Interview erzählt.
Herr Schmitt, am Freitagabend stehen Mozart, Haydn und Beethoven auf dem Programm. Vor lauter großer Namen - auf welchen Moment soll man sich denn da am meisten freuen?
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Christian Schmitt: Na gut, gegen Beethovens Fünfte Sinfonie kann man nicht ankommen. Ich glaube, dass die Orgel in diesem Konzert einfach einen ganz anderen Part spielt. Ich denke, das Haydn-Konzert ist relativ unbekannt. Da wird es für viele Konzertbesucher ziemlich ungewöhnlich sein, dass plötzlich eine ja doch etwas größere Orgel im Saal steht, die dann auch noch einen galanten Part übernimmt.
Sie bringen für dieses Konzert ja tatsächlich eine Orgel mit. Erzählen Sie etwas über das Instrument.
Schmitt: Die Orgel gehört der Uni Leipzig. Sie wird ganz oft im Gewandhaus und in der Thomaskirche in Leipzig benutzt. Für die größeren Orgel-Soloparts in den Kantaten von Bach zum Beispiel. Aber auch in den Orgelkonzerten von Händel.
Ist das eine besondere Orgel?
Schmitt: Die Orgel ist von Kristian Wegscheider, einem Dresdner Orgelbauer, der sich besonders auf die Rekonstruktion und Restaurierung historischer Orgeln spezialisiert hat. Er hat sich schon an mehreren historischen Orgeln bewährt.
Was bedeutet die Orgel für Ihr Konzert?
Schmitt: Mit dem Instrument kommt ein historischer Touch ins Konzert. Das klingt gerade bei älterer Musik ganz schön und apart. Außerdem ist das Instrument ein bisschen größer. Es hat sieben Register und rund 350 Pfeifen.
Ist es schwierig, auf dieser Orgel zu spielen?
Schmitt: Das wird sich im Lauf der Woche zeigen. Es ist natürlich nicht das eigene Instrument und das ist immer eine Herausforderung. Aber wir haben ja ein bisschen Probezeit in der Stadthalle. Klar: Je mehr Zeit man hat, um sich einzuspielen, desto besser wird es.
Spielen Sie gerne auf diesem Nachbau?
Schmitt: Ja, diese Orgel macht mir sehr viel Spaß. Das Problem ist nur, dass die Tasten etwas kleiner sind als normalerweise. Das sind halt richtige historische Mensuren. Da ist nichts mit großen Klaviertasten. Vielmehr entspricht die Größe den Tasten eine Cembalos. Es ist eben wie bei einer Orgel aus dem 18. Jahrhundert. Wenn man dann wie ich 1,90 Meter groß ist und relativ große Finger hat, dann ist das schon eine Herausforderung.
Cameron Carpenter, auch er kommt bald nach Bayreuth, ist ein Exzentriker. Aber er ist auch irgendwo zwischen Pop und Klassik. Tut so jemand ihrem Instrument gut?
Schmitt: Ich bin sehr froh, dass es diese Entwicklung gibt. Es gibt inzwischen mehrere Organisten, durch die die Orgel wieder mehr in Mode kommt, wie Iveta Apkalna. Aber auch die älteren Organisten, Viktor Lukas zum Beispiel, sind sehr aktiv. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg, glaube ich. Langsam wird die Orgel wieder zur Königin der Instrumente. Vor zehn Jahren fristete sie noch ein Schattendasein.
Kann die Orgel so sehr von Carpenter profitieren wie die Geige von David Garrett, an dessen Musik sich die Geister ja ebenso scheiden?
Schmitt: Carpenter geht einen ganz eigenen Weg. Das exzentrische Spiel hat schon immer gespalten, am Klavier ist Glenn Gould so ein Beispiel. Ich finde es aber gut, dass die Orgel so wieder mehr in den Fokus kommt. Es ist mir wichtig, dass mehr Menschen in unser Haupthaus nach Bamberg in die Orgelkonzerte kommen. Deswegen machen wir jetzt auch diese Tour. Ich hoffe, dass das die Leute motiviert, in unsere Konzerte zu kommen.
Geben Sie den Bayreuther einen ultimativen Grund dafür, warum sie am Freitagabend in die Stadthalle kommen sollten.
Schmitt: Na weil sie sich diese neue Orgel anschauen müssen! Diese Orgel muss von vier Männern getragen werden, sie hat richtige alte Hebemechanismen an den Seiten. Das muss man einfach mal gesehen haben.