Die Anfänge der Narreteien Kinderprinzen traten Fasching los

Die Pegnitzer Gesellschaft Glückauf mit dem Hofstaat im Jahr 2004 in der Münchner Staatskanzlei (im Bild von rechts): Bernhard Schlereth, Präsident Fastnachtsverband Franken, Lydia Nega, Walter Fichtner, damals Vorsitzender des SV Glückauf, Prinz Ottmar I., Staatsminister Eberhard Sinner, Prinzessin Elvira I., Ulrike Ziegler, als Page, Willi Biesenecker, Faschingspräsident des Bezirks Oberfranken, Heiner Nega und Werner Kilian, Vizepräsident des Fastnachtsverbandes Franken. Foto:  

Aus einem Auftritt bei der Gymnastikgruppe des SV Glückauf wurde in Pegnitz eine bunte Narretei.

Pegnitz - Eigentlich sollte Lydia Nega damals, man schrieb im Städtchen das Jahr 1988, einen Kinderfasching für die Damengymnastikgruppe des SV Glückauf organisieren. Sie war in dieser Abteilung Vergnügungswart, als diese Aufgabe auf sie zukam. Da war die Bezeichnung für das Amt noch männlich, das war ganz normal. Für die Kinder des Vereins sollte der Fasching sein. Aber nicht nur null-acht-fünfzehn mit Cowbow und Indianer, sondern mal was ganz anderes. „Die Muttis waren begeistert“, erinnert sich Lydia Nega. „Wir nähten gemeinsam Gardekostüme und bastelten Hüte.“

Manfred Thümmler war sofort dabei

Und von Anfang an war auch Claudia Wagner im Faschingsfieber. Sie war Übungsleiterin bei der Damengymnastikgruppe. „Sie war sofort bereit, mit den kleinen Faschingsnarren einen Tanz einzustudieren.“ Der Aufwand war am Ende eigentlich viel zu groß für einen reinen Kinderfasching. Damals schon Narretei im Blut, rief Lydia Nega kurzerhand beim damaligen Bürgermeister Manfred Thümmler an. Ein Pegnitzer Rathaussturm, das wärs. Glückauf, verstehst, und der „Manni“ war sofort dabei. Somit gab es am 2. Februar 1989, dem unsinnigen Donnerstag, den ersten Gardeauftritt auf dem Pegnitzer Marktplatz. Die 17 Kinder waren zwischen zwei und 14 Jahre alt.

Die Passanten rieben sich Augen und spitzten die Ohren. Was war das? Bengaz Glückauf? Mehrfach schallten diese beiden Worte wie ein Schlachtruf über den Marktplatz. Dieser war aber nicht einfach aus Jux und Tollerei gewählt. Das Bengaz Glückauf hatte durchaus einen Hintergrund: „Angesichts unseres Ursprungs aus dem Sportverein der früheren Bergmänner hatten wir uns für den Ruf entschieden“, sagt Lydia Nega. Kein Wunder, dass der SV dann wenige Tage später bei seinem Kinderfasching in der Glückauf-Gaststätte in der Lohesiedlung förmlich überrannt wurde.

Nach diesem Erfolg zauberte der SV Glückauf Pegnitz eine eigene Faschingsabteilung aus dem Hut. Aus dem Vergnügungswart der Damengymnastikgruppe wurde eine Präsidentin, die bei den Narren bis ins Jahr 2016 den Ton angab. 27 Jahre lang. Sie ist zwar nicht mehr auf der Bühne im Rampenlicht, aber ganz loslassen kann Lydia Nega dennoch nicht. „Wenn man so etwas aufgebaut und die Narretei gelebt hat, kann man das Ganze, so denke ich, als Lebenswerk bezeichnen.“ Dreinreden tut sie nicht. Sie hat sich zurückgezogen und lässt das Faschingserbe nun von einer jüngeren Generation verwalten. Naja, nicht ganz zurückgezogen. Sie ist noch Mitglied im Präsidium der Gesellschaft und im Elferrat.

Aus dem Kinderfasching in der Glückauf-Gaststätte wurden in der Folgezeit glitzernde Gala-Abende in der Christian-Sammet-Halle. Die Gesellschaft erlebte dort geschliffene Garde- und fulminante Schautänze, freche Büttenreden und jede Menge Politprominenz im Lauf der Jahre, die sich für eigenen Bühnenklamauk im Scheinwerferlicht nicht zu schade war. „Besonders stolz war ich, als ich in der Session 1994 unsere Prinzengarde, damals unter der Regie ihrer Trainerin Imrgard Bauer, als Oberfränkischer Meister bei den Auftritten vorstellen durfte“, erinnert sich Lydia Nega. An welchen Bühnennummern sich die Ex-Präsidentin noch heute gerne erinnert, lesen Sie auf Seite 26 unseres heutigen Faschingsrückblickes.

Wobei sich Lydia Nega noch an viel mehr in all den 27 Jahren sehr gerne erinnert. „Da könnte ich ein ganzes Buch füllen.“ Da gab es nicht nur die großen Auftritte in der Sammet-Halle sondern auch die kleinen Nachmittage zum Beispiel beim Club mit Herz oder in den Seniorenheimen. Ein Mega-Aufwand für die Aktien waren dagegen Gardetanzturniere, das oberfränkische Turnier der Männerballette oder die Sitzung der oberfränkischen Nachwuchsnarren.

Und dann war da auch noch der Besuch von Landtagsvize Barbara Stamm, die beim Besuch eines Gala-Abends auch die Stadt Pegnitz kennenlernte. Ein Jahr vorher, 2004, hatte sie den Pegnitzer Narren den Bürgerpreis der CSU für herausragendes bürgerschaftliches Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit verliehen. Das ist doch heute noch ein dreifach donnerndes „Bengaz Glückauf“ wert!

 

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