Dialogveranstaltung zum Bahnverkehr in der Region "Die Schiene hat in Oberfranken eine Zukunft"

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"Zukunft der Schiene in Oberfranken?!“ lautete das Thema der Dialogveranstaltung Strukturwandel in Oberfranken des Vereins Oberfranken Offensiv. Doch Klaus-Dieter Josel, Konzernbeauftragter der Deutschen Bahn in Bayern, nahm gleich das Fragezeichen raus.

 Foto: red

„Die Schiene hat in Oberfranken eine Zukunft“, sagte der Manager am Dienstag im Landrätesaal der Regierung von Oberfranken. Im Vergleich zu den Fahrzeiten auf der Autobahn 9 seien die Reisezeiten wettbewerbsfähig. Oder sogar besser, wie wohl Ministerin Melanie Huml feststellen musste: Aufgrund der verstopften Straße musste die Vorsitzende von Oberfranken Offensiv ihr Kommen leider streichen.

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Die Zukunft der Schiene in Oberfranken – das ist in erster Linie die Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg-Erfurt, im Fachjargon Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8 (VDE8) genannt. Die schnelle Schiene soll im Dezember 2017 vollständig in Betrieb gehen und auch für Bayreuth Verbesserungen bringen. Nämlich die Verkürzung der Reisezeiten von und nach Berlin von jetzt 5.42 Stunden auf künftig vier Stunden, mit Umstieg in Bamberg.

Dumm: Auch die Fahrzeiten von Nürnberg nach Dresden werden künftig über die Erfurter Schiene kürzer sein als jetzt über Hof. Schlechte Aussichten also für einen von vielen erhofften Fernverkehr auf der Franken-Sachsen-Magistrale bei einer eventuellen Elektrifizierung: „Selbst bei einem entsprechenden Infrastrukturausbau ist hier kein wirtschaftlicher Fernverkehr möglich“, sagte Josel. Durchschnittlich seien die Züge hier mit 88 Reisenden besetzt; für einen wirtschaftlichen Betrieb seien aber rund 200 notwendig. Der Fernverkehr auf der Schiene werde seit der Bahnreform von den Verkehrsanbietern eigenwirtschaftlich betrieben. „Und wenn Sie als Unternehmer auf einer Strecke jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag Verlust einfahren, kommen Sie ins Nachdenken“, so Josel.

Wie mehrfach berichtet, soll der Franken-Sachsen-Express ab Dezember 2014 als von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) und den sächsischen Verkehrsträgern bestellte Leistung gefahren werden, mit Umstieg in Hof. „Diese Verbindung ist bis 2023 vertraglich festgeschrieben“, sagte Andreas Schulz, der Leiter der BEG-Planungsabteilung. Vorausgesetzt, die Strecke von Hof nach Nürnberg wird nicht zuvor elektrifiziert.

Überhaupt: Oberfranken habe bei der Ausschreibung der Nahverkehrsleistungen Glück gehabt, dass diese relativ früh erfolgten, als noch mehr Geld vorhanden war, so Schulz. Immerhin verfüge die Region nun über das größte Neigetechniknetz Deutschlands und mit Agilis über ein Verkehrsunternehmen, das qualitativ in Bayern spitze sei. Ausgebaut werden solle die Verbindung von Nürnberg nach Eger über Kirchenlaibach mit Anschluss von und nach Bayreuth. Derzeit werde ein Vierstundentakt gefahren; künftig soll noch ein Zugpaar hinzukommen.

Günter Finzel, Verkehrsbeauftragter der Stadt Bayreuth, wünscht sich für die Region unter anderem einen Halbstundentakt zwischen Nürnberg und Hof, die Erweiterung der S-Bahn der Metropolregion Nürnberg sowie – natürlich – die komplette Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale nebst zweigleisigem Ausbau des Nadelöhrs Schnabelwaid-Bayreuth. „Die Preisschere zwischen Diesel- und elektrischen Zügen wird immer weiter auseinandergehen, die Finanzierung wird nicht mehr zu halten sein“, mahnte Finzel und warnte: In ein paar Jahren wird im Fahrplan der große Kahlschlag drohen. Ein starker Verbündeter sei allerdings die EU, die mit Fördermitteln für Planung und Ausbau von wichtigen Schienenstrecken winkt. „Auf tschechischer Seite wurde die Strecke Pilsen-Eger aufwendig ausgebaut, und die EU will jetzt sehen, dass es endlich weitergeht.“

Das wird Ende 2015 der Fall sein, sagte DB-Beauftragter Josel: Dann werde der Bund bewerten, welche Vorschläge in den sogenannten Vordringlichen Bedarf Plus des Bundesverkehrswegeplans kommen.

Oberfrankens Regierungspräsident Wilhelm Wenning dürfte mit seinem Schlusswort allen Anwesenden aus der Seele gesprochen haben: „Vor Jahrhunderten wurden beim Bahnbau falsche Entscheidungen getroffen. Wir sollten heute bedenken, dass es auch noch zukünftige Generationen gibt.“