Die Zahl der Ertrunkenen ist gesunken. Experten sehen aber keinen Grund zur Entwarnung. Denn immer beliebter werden Flüsse und Seen, wo die Aufsicht fehlt. Und auch das Schwimmenlernen wird schwieriger.

München/Stuttgart (dpa/lsw) - In Baden-Württemberg sind 2019 deutlich weniger Menschen ertrunken als im Jahr zuvor. Wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstag in München bekanntgab, kamen 37 Menschen in Südwest-Gewässern ums Leben. Das waren 25 weniger als 2018. Dies sei jedoch kein Grund zur Entwarnung, betonte die Hilfsorganisation. Vor allem in Flüssen und Seen bestehe ein vergleichsweise hohes Risiko, zu verunglücken.

Dies zeige auch die Statistik für das vergangene Jahr. Die meisten Verunglückten im Südwesten (33) kamen in Flüssen und Seen ums Leben, im Schwimmbad starb niemand. Zwei Todesfälle gab es in Bächen, zwei weitere in Kanälen. Drei Viertel der Todesopfer waren Männer. Etwa ein Drittel war zwischen 16 und 30 Jahre alt, ein weiteres Drittel älter als 55 Jahre.

Der Zusammenhang zwischen gutem Badewetter und Unfällen durch Ertrinken besteht laut DLRG weiter: Mehr als die Hälfte der Todesfälle im Südwesten ereignete sich in den Monaten Juni, Juli und August. Unbeaufsichtigte Badestellen erfreuten sich im Sommer großer Beliebtheit, sagte ein Sprecher des DLRG-Landesverbandes. Dies sei ein Problem, da Seen und Flüsse auch Nichtschwimmer und weniger geübte Schwimmer anlockten. Es gebe Risiken in den Gewässern, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen seien. Öffentliche Schwimmbäder mit Bade- und Aufsichtspersonal seien daher immer die bessere Wahl.

Vom Schwimmen in Flüssen rät die DLRG generell ab. Denn selbst in Ufernähe sind die Strömungen oft sehr stark, es besteht ein tödliches Risiko. Wenn überhaupt, dann sollte man nur an beaufsichtigten und dafür gekennzeichneten Stellen in den Fluss steigen.

"Das ist eine sehr gute Nachricht, dass deutlich weniger Menschen in Baden-Württemberg beim Baden oder Schwimmen ertrunken sind", sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU). "Das Schwimmen zu erlernen ist die beste Vorbeugung gegen das Ertrinken."

Das Kultusministerium ruft Eltern dazu auf, Kindern das Schwimmen beizubringen. Schwimmunterricht sei zwar Teil des Lehrplans. Das Schwimmenlernen liege aber in der Verantwortung der Eltern. Schwimmvereine und die DLRG machten entsprechende Angebote.

Allerdings gibt es immer weniger öffentliche Schwimmbäder. Kommunen seien immer weniger bereit oder in der Lage, Bäder zu finanzieren, kritisiert die DLRG. Schwimmunterricht werde dadurch zunehmend schwierig.

Die SPD forderte von der Landesregierung ein aktiveres Handeln zur Bekämpfung des Bädersterbens. "Jeder Badetote im Land ist einer zu viel", sagte der Landtagsabgeordnete Gernot Gruber. "Der einzig richtige Ort zum Schwimmenlernen ist das Bad vor Ort." Vom Land forderte die SPD ein Bäderprogramm in Höhe von 30 Millionen Euro.