„Das ist ein zunehmend heißes Thema“, sagt Alexander Zahn: „Auf Messen wird fast nur noch über biometrische Sicherheitsmerkmale und besonders über die Gesichtserkennung gesprochen.“ Der geschäftsführende Desko-Gesellschafter hat auf dem internationalen Polizeikongress GPEC in Frankfurt selber gerade erst einen Vortrag dazu gehalten, dabei den Stand der Technik vorgestellt, aber auch über die Tücken und Fallstricke gesprochen.

Im Gespräch mit dem Kurier betont Zahn, dass die Technik immer besser wird. Vor allem, wenn es sich um stationäre Geräte handelt, mit denen das Gesicht erfasst wird. „Da ist das Licht gut und die Person bewegt sich nicht“, sagt Zahn.

Pilotprojekte auf Flughäfen

Desko hat mehrere Pilotprojekte an europäischen Flughäfen laufen, zum Beispiel in London und Lyon. Entsprechend ist die Teilnahme der Reisenden noch freiwillig. Sie registrieren sich mit ihrem Ausweisdokument, das von einem Desko-Lesegerät auf Echtheit geprüft wird, und lassen außerdem ein Bild von ihrem Gesicht machen. „Wenn beides hinterlegt ist, reicht es beim nächsten Mal, wenn man sein Gesicht scannen lässt“, erklärt Zahn. Die entsprechenden Prozesse laufen dann im Hintergrund.

Die Vorteile liegen für Zahn auf der Hand. Für Reisende seien die Abläufe schneller und bequemer. Eine Fluglinie, die ihre Zugangskontrollen entsprechend ausstattet, brauche weniger Personal und senke zugleich die Fehleranfälligkeit eklatant. Nicht zuletzt hätten aber vor allem die Grenzbehörden weltweit Interesse an solcher Technik. „Die wollen in der heutigen Zeit ganz genau wissen, wer kommt, aber auch, wer geht“, sagt Zahn.

Die Desko-Geräte sind dabei nach wie vor für die Echtheitskontrolle von Ausweisdokumenten zuständig, die Daten werden mit denen der Gesichtserkennung zusammengeführt. Um die reibungslose Kommunikation mit den Geräten anderer Hersteller und den unterschiedlichen Systemen in verschiedenen Ländern sicherzustellen, müssen Schnittstellen und Software-Lösungen geschaffen werden. Mittlerweile werde ein Drittel der eigenen Entwicklungskapazität im Bereich Biometrie gebündelt, so Zahn.

Zunehmend wichtig wird für Desko der chinesische Markt, der dort generierte Umsatz habe sich in den vergangenen beiden Jahren verdoppelt. Man sei dort im Bereich Einreisekontrollen, aber auch bei Zugangssystemen auf Bahnstationen präsent.

In über 100 Ländern im Einsatz

Auch die USA seien neben Europa starke Stützen, so Zahn. Insgesamt sind die Desko-Lesegeräte in über 100 Ländern im Einsatz. Der hoheitliche Bereich, der einst die Keimzelle des Unternehmens war, macht dabei immer noch 50 Prozent des Umsatzes aus.

Das Wachstum kommt heute aber überwiegend aus dem privaten Sektor, den Zahn „Know your Costumer“ nennt. Dabei geht es um Unternehmen, die besonders darauf angewiesen sind, dass sie ihre Kunden gut kennen – Autovermieter, Banken, Spielcasinos oder Hotels mit automatisierten Zugangssystemen. Sogar das EU-Parlament baut auf Desko-Technik.

Ganz frisch ist ein Auftrag, der für Desko der Türöffner in die Welt der Luxus-Marken sein könnte, hofft Marketing-Chefin Jessica Luh-Fuchs. Die Bayreuther statten zunächst die 150 europäischen Shops von Louis Vuitton mit Dokumentenlesegeräten aus.

Dabei geht es um die Mehrwertsteuererstattung für Nicht-EU-Ausländer sofort beim Kauf eines der Nobel-Artikel. Dabei wird die Herkunft der Käufer durch die Geräte zweifelsfrei festgestellt, die zollrechtlichen Formalitäten laufen dann unbemerkt im Hintergrund. Mit der gleichen Technik wurden auch 2500 Lesegeräte an eine Supermarktkette in Japan geliefert, die sehr viele chinesische Kunden hat.

Strenge Regeln

Noch mal zur Gesichtserkennung: Der Einsatz der Technik im öffentlichen Raum, also auf großen Plätzen oder Bahnhöfen, ist umstritten. Gerade sorgte die US-Firma Clearview mit der Nachricht, eine riesige Gesichter-Datenbank aufgebaut zu haben, für Aufsehen.

Alexander Zahn sagt dazu: „Viele Staaten wollen das. Und bei allen noch vorhandenen Unzulänglichkeiten wird die Technik immer sicherer. Es wäre schlecht, wenn wir uns da zurückziehen. Gerade weil es strenge Regeln braucht. Denn nur wer dabei ist, kann diese mitgestalten. Und es ist doch viel besser, wenn Deutschland und die EU diese Regeln aufstellen und nicht jemand anderes.“


Das Unternehmen

Desko entwickelt und vertreibt Dokumentenlesegeräte, die in über 100 Ländern der Erde im Einsatz sind – an Grenzen, an Flughäfen und in Behörden, aber auch bei Privatkunden wie etwa Autovermietungen, Banken, Spielcasinos, Hotels oder Luxus-Geschäften. Das Unternehmen, das seinen Sitz in Bayreuth vor zwei Jahren für mehrere Millionen Euro erweitert hat, wächst stetig.

So legte die Zahl der Mitarbeiter seither um rund zehn Prozent auf jetzt gut 60 zu. Und auch der Umsatz wächst stabil und stieg im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent. Für die Produktion baut Desko auf langjährige Partner. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Grundig Business Systems in Bayreuth, aber auch GMK in Wernberg-Köblitz. Ein dritter Partner könnte angesichts des anhaltenden Wachstums hinzukommen.