"Die Kommunen wissen, dass sie ein Problem haben", sagt Professor Egbert Keßler von der Hochschule Coburg, der die Studie geleitet hat. "Aber sie haben nicht die Ressourcen, das Problem zu beheben." Und deshalb werde so manche Brücke wohl lieber nicht allzu genau unter die Lupe genommen, wenn die Gefahr besteht, dass sie dann von heute auf morgen gesperrt wird, ohne dass Geld für eine Sanierung da ist.

Schon eine Sichtprüfung lässt nichts Gutes erahnen

Keßler und sein Team von der Hochschule Coburg haben sich alle kommunalen Brücken im Landkreis angeschaut. 400 Stück sind das. Es war keine Prüfung, wie sie ein Ingenieurbüro durchgeführt hätte. Aber schon alleine die Sichtprüfung habe ergeben, dass, so Keßler, "der Brückenzustand im Mittel sehr schlecht ist".

Soweit das Baujahr der Brücken überhaupt bekannt ist, seien drei Viertel der Brücken älter als 25 Jahre. Und ein Drittel habe sogar 50 Jahre und mehr auf dem Buckel. 50 Jahre, das sei so ungefähr die Lebensdauer, die eine Brücke erreicht, bevor eine komplette Sanierung oder gar ein Neubau fällig sei. Eine Brücke aus den 1960er bis 80er-Jahren sei "tatsächlich am Ende ihres Lebensalters angelangt", sagt Keßler.

Rost ist der Anfang vom Ende einer Brücke

Das gilt auch für die Brücke für die Brücke, auf der die Bindlacher Bahnhofstraße die Trebgast quert. Dort stellte der Verband der Bauindustrie Bayern die Studie vor. An der Unterseite der Brücke bröckelt der Beton. Rostiger Stahl schaut an manchen Stellen heraus. Kaputte Brücken sind aber nicht allein ein Bindlacher Problem. "Wir sind hier, weil das eine Brücke ist, wie es sie überall im Landkreis gibt", sagt der Professor. Der Rost an den sogenannten Bewährungsstäben sei "der Anfang vom Ende einer Brücke".

Auch der Bindlacher Bürgermeister Gerald Kolb ist gekommen. Er hat bereits reagiert. Die Gemeinde habe ein Ingenieurbüro beauftragt, alle kommunalen Brücken zu untersuchen und den Zustand in einem Brückenbuch zu dokumentieren. "Jede Gemeinde sollte so ein Buch haben", sagt Kolb. Die Studie aber zeigt, dass nur es nur in wenigen Gemeinden eine vollständige Bestandserhebung gibt.

Forderung nach Fördermitteln vom Bund und vom Freistaat

Über den schlechten Zustand der Brücken informiert zu sein, löst das Problem aber nicht. Die Bauwerke müssten dann auch saniert oder sogar neu errichtet werden. "Alleine schafft das keine Kommune", sagt der Bindlacher Bürgermeister. "Wir werden das angehen", sagt er. Aber der Bund oder der Freistaat müssten dafür Fördermittel zur Verfügung stellen.

So sieht es auch der Verband der bayerischen Bauindustrie. Der kritisiert, dass Gemeinden zwar Mittel für den Neubau von Brücken bekommen können, aber mit dem Erhalt dann alleine dastehen. "Ein großes Problem ist das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz", sagt der oberfränkische Verbandsvorsitzende Thomas Dick. Das GVFG müsse in drei Jahren novelliert werden. Der Verband wolle sich dafür einsetzen, dass der Bund dann mehr Geld für den Unterhalt von Straßen und Brücken locker macht.

Verband sieht seine Aufgabe darin, über den Zustand der Brücken zu informieren

Kann der Verband dem schlechten Zustand der Brücken etwas abgewinnen? Schließlich würden seine Mitglieder von den Aufträgen profitieren. Denn, da sind sich alle Beteiligten einig, in ganz Bayern sieht es wohl so aus, wie im Landkreis Bayreuth. Die Auftragslage in der Bauindustrie in Bayern sei derzeit ohnehin gut, sagt der Leiter der oberfränkischen Verbandsgeschäftsstelle, Martin Schneider.

Es gehe also nicht um Aufträge, sondern es sei "Aufgabe der Verbände, auf den Zustand der Infrastruktur aufmerksam zu machen. Und diesen Zustand nennt der Coburger Hochschulprofessor Keßler "alarmierend".

Die Ergebnisse der Studie

Im Landkreis Bayreuth gibt es 400 Brücken, für die die Gemeinden zuständig sind. Die Studie der Hochschule Coburg hat ergeben, dass die meisten davon Schäden aufweisen, die kurz- oder mittelfristig behoben werden müssten. Doch das Problem fängt schon früher an. Denn, auch das hat die Studie gezeigt, viele Gemeinden haben gar keine ausreichenden Informationen über ihre Brücken.

Fachverbände empfehlen, dass eine Brücke alle sechs Jahre von einem Ingenieur geprüft werden sollte. Von den kommunalen Brücken im Landkreis seien aber in den vergangenen sechs Jahren nur rund 100 einer solchen Prüfung unterzogen worden. „Die Qualität des Datenbestands zu den Brücken ist im Mittel sehr schlecht, in einzelnen Gemeinden katastrophal“, heißt es in der Zusammenfassung der Studie. Bei zwei Dritteln aller Brücken sei nicht einmal das Baujahr bekannt.

In den Gemeinden Bindlach, Eckersdorf, Waischenfeld und Mehlmeisel gibt es in den Rathäusern keine Daten über den Zustand der Brücken. In elf weiteren Gemeinden liegen nur rudimentäre Daten vor, wie etwa das Baujahr einer Brücke. Vollständige Daten über die Bauwerke halten nur Glashütten, Mistelbach, Goldkronach, Bischofsgrün, Weidenberg, Emtmannsberg, Seybothenreuth und Kirchenpingarten vor. Dabei ist festzuhalten, dass es in Mistelbach (1) und Glashütten (2) insgesamt nur drei Brücken in kommunaler Trägerschaft gibt.

Die Studie stellt zwei Dinge fest. Erstens: „Die kommunalen Brücken überaltern.“ Sie seien in einem technisch schlechten Zustand und es werde nicht ausreichend in den Erhalt der Brücken investiert. Die Gemeinden leben von der Substanz. Zweitens: Die mangelhafte Aktenlage zum Zustand der Brücke sei „alarmierend“. Die fehlenden Daten könnten „zu unerwarteten Schadensfällen führen“. ⋌mki