Mensch und Wolf Kann es ein Miteinander geben?

Das Wildtiergehege der Familie Ertel in Illafeld ist nach dem Wolfsriss verkleinert worden. Allerdings ist sich die Familie noch nicht im Klaren, ob man mit der Gehegewildhaltung weitermacht. Foto: Klaus Trenz/Archiv

„Es ist momentan schwer, eine Diskussion zu führen, weil man den Wissensstand gar nicht so schnell aufholen kann“, sagte Bürgermeister Claus Meyer in der jüngsten Sitzung des Stadtrats am Dienstag. Er meinte damit das Thema Wolf.

Betzenstein - Nicht nur, dass gerade die Gemeinde Betzenstein durch die beiden Wolfsrisse in den Wildgehegen in Riegelstein und Illafeld, wo insgesamt 25 Tiere Ende Februar und Anfang März getötet wurden, wie keine andere Kommune in Bayern getroffen wurde: Die Bevölkerung ist immer noch beunruhigt, die Stadträte Uli Strauß und Friedrich Engelhardt (beide FW) stellten einen Antrag auf Stellungnahme des Stadtrats zur Wolfsproblematik.

Christian Otto (UBB) betonte, dass bereits zwei Videokonferenzen mit dem Umweltministerium und Fachstellen stattgefunden hätten. Umweltminister Thorsten Glauber war bereits am 8. März unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Ort. Diese Woche kam dann auch Landrat Florian Wiedemann, um sich ein Bild zu machen und mit den Beteiligten zu sprechen.

Sachliche Diskussionen sind schwer

„Wir werden uns dem Thema nicht verweigern können, es ist schwer, sachlich zu diskutieren“, sagte Meyer weiter. Deshalb und wohl auch um die Sitzung möglichst kurz zu halten, forderte er die Stadträte auf, sich mit dem Antrag von Strauß auseinanderzusetzen und sich zu dem Thema Wolf eine Meinung zu bilden – bis zur nächsten Sitzung. Dann gehe man möglicherweise in eine schwere Diskussion, wie sie auch in der Öffentlichkeit und in den Medien geführt werde.

Uli Strauß hofft auf ein klares Statement des Stadtrats, ein „Zeichen für die Bevölkerung“. Strauß: „Wir haben dringenden Handlungsbedarf, müssen Konzepte entwickeln, um zu regulieren“. Er will, dass der Schutzstatus des Wolfs auf eine „verträgliche Stufe zurückgefahren wird“ und befürchtet eine Rückkehr von der Weide- zur Stallhaltung, weil die Einzäunung sehr großer Weideflächen auf Dauer nicht machbar sei. Die Zeche müssten die kleinen Erzeuger in der Fränkischen Schweiz zahlen. „Der Wolf soll seinen Platz haben, aber dann bitte in unbesiedeltem Gebiet.“

Mit dieser Meinung, die auch auf eine gezielte Bejagung des Wolfs hinausläuft, steht Strauß nicht alleine. Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer (CSU) zum Beispiel meint, dass ein Eingriff in die Wolfspopulation möglich sein sollte, und kurz nach den Wolfsrissen in Betzenstein forderte auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) eine Eingrenzung des Wolfsbestands.

Sie erntete damit aber nicht nur Empörung von Natur- und Tierschützern, sondern auch eine umgehende Reaktion von ihrem Kollegen, Umweltminister Thorsten Glauber. Der ehemalige Forchheimer Kreisrat mahnt schon fast gebetsmühlenartig zur Besonnenheit und zu „klugem Vorgehen“.

Und dass es für einen Eingriff aus tier- und naturschutzrechtlichen Gründen gar keine Möglichkeit gebe – nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf europäischer Ebene. „Die Diskussion über Abschussmöglichkeiten bring keinen weiter, sagt Glauber.

Die Rechtslage beim Wolf sei klar. Die Sicherheit der Menschen stehe an erster Stelle. Daneben gilt: „Die Länder haben keine Möglichkeit, von den strengen Schutzvorgaben der EU und des Bundes abzuweichen. Die Tierhalter brauchen keine abstrakten Debatten, sie brauchen konkrete Unterstützung“, lässt er über eine Pressemeldung verlauten.

Glauber appelliert an die Weidetierhalter, das Förderprogramm für Herdenschutzmaßnahmen zu nutzen: „Wir werden den engen Austausch mit der Region in einem Runden Tisch weiterführen.“

Ein regionaler Runder Tisch schwebt auch Stadtrat Christian Otto (UBB) vor, seines Zeichens auch Leiter der Hegegemeinschaft Betzenstein. Er möchte ein wissenschaftlich fundiertes und von der Politik getragenes Konzept, welches das Miteinander von Wolf und Mensch möglich macht.

Die Stadt soll dafür die Initiative ergreifen und die Gemeinden rund um den Veldensteiner Forst mit an den Tisch holen. Er werde bei den Hegegemeinschaften dafür werben. Seine Vision: Eine „Modellregion Mensch-Wolf“. Einen entsprechenden Antrag will Otto zur nächsten Stadtratssitzung vorlegen.

Wie emotional das Thema Wolf vor allem die betroffenen Menschen aufrüttelt, zeigt ein offener Brief der Familie Ertel, der auch heute noch an den Zäunen ihres Wildgeheges hängt und im Ort verteilt wurde. „Der Angriff war in einer Dimension, die wir nicht für möglich gehalten haben. Vielleicht waren wir etwas blauäugig, haben die Gefahr unterschätzt und uns nicht rechtzeitig und ausreichend dafür vorbereitet“. Allerdings sei die Zeit nach dem Wolfriss im benachbarten Gehege in Riegelstein auch zu kurz gewesen, um das Gehege sicher zu machen.

Man stelle sich jetzt die Frage, wie es weitergeht mit der Gehegewildhaltung. Der Aufwand, einen 1,2 Kilometer langen Zaun wolfssicher zu machen, sei immens. Man habe das Gehege verkleinert, damit es ein Stück weiter vom Dorf entfernt ist, weil man befürchtet, dass der Wolf durch die verbleibenden Tiere im Gehege erneut angelockt wird.

Und: „Der Wolf ist sicherlich ein schönes und faszinierendes Tier. Fragt sich nur, ob er in dieser Anzahl in unsere dicht besiedelte Kultur- und Weidelandschaft passt.“

INFO: Die Familie Ertel, die in der Nacht vom 2. auf den 3. März 18 trächtige und junge Tiere durch einen Wolfangriff verloren hat, hat mittlerweile das Ergebnis der DNA durch das Landesamt für Umwelt erhalten (LfU). Demnach waren es mehrere Wölfe, die in das Gehege eingedrungen sind. Eine weiterführende Analyse, ob es sich um das Rudel aus dem Veldensteiner Forst handelt, wird in den nächsten Tagen erwartet.
 

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