Der MSC Pegnitz liebt die Einöde Eine Katze und reichlich Pferdestärken

Von Uwe Renners

Weder einsam noch öde: In der Einöde Scharthammer ist alles anders als in anderen Einöden. In Scharthammer rattern die Motoren, es dröhnt in allen Ohren. Motocrossmaschinen, Karts und Trials ziehen dort ihre Runden. Und eine Katze.

Albrecht Sonntag ist ein Vereinsmensch. Durch und durch. Sonntag hat weder einen Motorradführerschein, noch ist er der typische Motorcrossfahrer. Trotzdem kommt der 66-Jährige mindestens zwei Mal täglich zum Vereinsgelände des Motorsportclubs (MSC) Pegnitz im ADAC in der Einöde Scharthammer und schaut nach dem Rechten. „Die Arbeit bleibt ja immer an wenigen hängen, das ist in jedem Verein so“, sagt Sonntag. Er macht sie gerne. Und er wird erwartet. Der Verein hat 220 Mitglieder. Und eine Katze. Eine ohne Namen. „Sie heißt Katze“, sagt Sonntag.

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"Katze"

Irgendwann war „Katze“ da, musste keinen Mitgliedsantrag unterschreiben und ist auch von den Gebühren befreit. Und „Katze“ fühlt sich wohl beim MSC. Albrecht Sonntag füttert sie morgens und abends, ein paar Streicheleinheiten gibt es auch. „Mit Mäusen haben wir hier keine Probleme“, sagt er. „Katze“ hat auch schon einmal geworfen. Der Nachwuchs ist dann irgendwann seine eigenen Wege gegangen. Und Sonntag mit „Katze“ zum Tierarzt. Damit ist sie wohl die erste Motorsportclubkatze in Deutschland, die auf Vereinskosten sterilisiert wurde. Und dann haben die Biker ihr ein kleines Haus gebaut, damit sie nicht im Regen steht. „Katze“ geht es in Scharthammer ziemlich gut.

Frühling

Im Frühling wird es sowohl für „Katze“ als auch für die Fahrer wieder interessanter. Die Saison hat am vergangenen Wochenende begonnen und nun kommen aus einem Umkreis von gut 100 Kilometern die Motorsportbegeisterten wieder mit ihren Maschinen, um auf der 4,2 Hektar großen Motocrossstrecke zu üben. Auch die Zuschauer kommen auf ihre Kosten, wenn die Maschinen spektakulär durch die Luft fliegen. „Wir legen großen Wert auf Sicherheit. Bisher ist noch nie etwas Schlimmes passiert“, sagt Sonntag. Das soll auch so bleiben.

1000 Kilometer

„50 Prozent der Mitglieder sind nicht älter als 27 Jahre alt“, sagt der Vorsitzende Axel Kolb. Der 37-Jährige hat - und bei ihm kann man das wirklich so sagen - Benzin im Blut. Seit seinem fünften Lebensjahr fährt er Motocross. Auf dem elterlichen Hof in Hummeltal ist er mit einer 50er-Maschine in in zwei Jahren 1000 Kilometer gefahren. Kolb: „50 Meter hin und 50 Meter zurück.“ Irgendwann hatte der Vater ein Einsehen und ist mit dem Junior zum Vereinsgelände gegangen. Da war Axel Kolb sieben Jahre alt. Seitdem ist er Mitglied, seit vier Jahren Vorsitzender. Viel Zeit selbst zu fahren hat er mittlerweile nicht mehr. „Wenn ich hier bin, dann habe ich meist anderes zu erledigen.“

Motorcrossfan

Gegründet wurde der Verein 1937, im Jahr 1986 zog der MSC nach Scharthammer. Der erste Pachtvertrag für das MSC-Gelände wurde mit den Eheleuten Martin und Margarete Fuchs geschlossen. „Der Eigentümer war ein Motocrossfan. Er war bei jedem Rennen dabei“, sagt Kolb. Seitdem fahren die Mitglieder dort von Frühling „bis es schneit“. Sie haben das Gelände immer wieder mal erweitert. In der eigenen Halle ist allerlei Gerät untergebracht, unter anderem mehrere Motocrossmaschinen, damit Anfänger schnuppern können.

Kein Führerschein

Auf dem Gelände darf jeder fahren. Kolb: „Einen Führerschein braucht man nicht. Kinder sollten gut Radfahren können.“ Dann kann es auf die Piste gehen. „Hier sind jeden Samstag Eltern mit Kindern, die das mal ausprobieren wollen. Manche kommen wieder und kaufen sich eine eigene Maschine.“ Billig ist das Hobby nicht. „Die Maschine muss ja auch mit einem Anhänger transportiert werden, außerdem benötigt man Schutzkleidung“, sagt Kolb. Meist, so haben die Pegnitzer ihre Erfahrungen gemacht, kommen die Väter mit den Kindern. „Und die Väter kaufen sich dann später auch eine Maschine. Vielleicht schieben sie die Kinder manchmal auch vor, um dabei zu sein“, sagt Kolb. Und grinst. Während die Väter dann fahren, kümmern sich die Kinder um "Katze". Kein schlechtes Leben in Scharthammer.