Der Mittelpunkt von Bad Berneck

Von Ulrike Sommerer

Als Carsten Buckenthal Anfang der 1980er Jahre zu dieser Party ging, ahnte er noch nicht, dass er eines Tages mitten in Bad Berneck sitzen wird, um Pferdedecken herzustellen.

Da steht er also auf dieser Party seines Studienfreundes, es ist dessen 25. Geburtstag. Und während die anderen feiern, unterhält sich Carsten Buckenthal mit dem Herrn Papa des Freundes. Dieser hatte eine große Strickerei, Damenoberbekleidung, und für seine pferdenärrische Enkelin statt eines Damenpullovers eine Pferdedecke aus Schurwolle gestrickt. Der älter Herr schwärmte dem jungen Buckenthal vor, der sich zwar überhaupt nicht für Pferde, aber für die Technik hinter dieser Strickerei interessierte. Buckenthal war begeistert.

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Dann war die Party vorbei, Buckenthal studierte wieder und ging in die Dichtungstechnik. Die Pferdedecken fielen ihm erst wieder ein, als ein arbeitslos gewordener Kumpel vor ihm stand. "Ich mach' jetzt in Zucchinisoßenproduktion", hatte dieser verzweifelt zu Buckenthal gesagt. Und der antwortete: "Mach doch lieber in gestrickte Pferdedecken." Die Begeisterung aus Studientagen für diese Decken loderte wieder auf, Buckenthal stieg selbst mit ins Geschäft ein. Am 1. August 2005 meldete er das Gewerbe an. Buckenthal kümmerte sich neben seinem Beruf um die Organisation, der Kumpel übernahm den Vertrieb. Dumm nur: der Kumpel konnte einfach nicht verkaufen. Die Wege der beiden Männer trennten sich, Buckenthal nutzte seinen Urlaub, um das Pferdedeckengeschäft voranzutreiben. Dann wurde er selbst arbeitslos. Glück im Unglück, dass er mit den Pferdedecken bereits ein zweites Standbein hatte.

Anfangs hat Buckenthal die Decken produzieren lassen. Doch mit seinen Lohnunternehmen war er nicht mehr zufrieden. Also stieg er selbst in die Produktion ein, zunächst in seiner Bayreuther Wohnung. Buckenthal engagierte Näherinnen und suchte nach einem Haus, das seinen Pferdedecken-Produktions-Ansprüchen gerecht werden könnte. Und jetzt kommt Bad Berneck ins Spiel. "Irgendjemand hat mir dann erzählt, dass die Post in Bad Berneck seit Jahren zum Verkauf steht." Das alte Postgebäude wurde 1914 gebaut - mitten, tatsächlich mitten in Bad Berneck.

Als Buckenthal das Gebäude besichtigte, hatte er es schon fast gekauft, so ideal erschien im das Haus. Im oberen Teil des Gebäudes befinden sich Wohnungen, eine davon bewohnt Buckenthal selbst, die anderen sollen einmal vermietet werden. Es ist Platz für die Produktion, Platz für das Lager, es gibt einen Lastenaufzug. Und es wäre sogar Platz für einen kleinen Laden. Der liegt noch in weiter Ferne, denn derzeit läuft der Vertrieb der Decken über den Verkauf auf Messen und über das Internet.

Buckenthals Decken sind nicht günstig. Hätten aber den Vorteil, dass Pferde darunter nicht schwitzen, sich nicht wund reiben. Das Geheimnis ist eine besondere Strick-Art, die dazu beitrage, dass die Feuchtigkeit der Tiere nach außen abtransportiert wird.

Mit der Zeit habe sich Buckenthal einen Kundenstamm aufgebaut, der mehrere Länder umspannt. In Tasmanien sitze der am weitesten entfernte Kunde von ihm, erzählt er. Drei Leute arbeiten in seinem kleinen Betrieb, täglich verlassen Sendungen das Haus. Mit der Zeit wurde Buckenthal, der selbst gar nicht reitet, auch zum Pferde-Experten. "Am Anfang bin ich von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen getreten", sprach beispielsweise vom Hintern des Pferdes, statt von dessen Kruppe. Das habe ihn natürlich sofort als Uneingeweihten entlarvt, erinnert er sich an seine Anfänge im Pferdesportgeschäft. Heute plaudert er selbst Fachchinesisch. Und ist "zum Postbesitzer geworden und nun auch noch zum Mittelpunkt Bad Bernecks."

Daten aus Bad Berneck

Fläche: 33,58 Quadratkilometer

Einwohner: 4257

Zahl der Ortsteile: 38

Tiefster Punkt: 370 Meter (Weißmaintal)

Höchster Punkt: 700 Meter (Föllmar)

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