Der Goldene Henkel
In der Nacht vom 23. auf 24. Juni kann man mit einem Fernglas die pittoreske Erscheinung des „Goldenen Henkels“ auf dem Mond beobachten. Im Norden der Mondkugel sieht man an der Lichtgrenze des zunehmenden Mondes ein kleines, helles Häkchen oder Henkel auf der dunklen Seite leuchten.
Der Goldene Henkel erscheint, wenn die Sonne über der sogenannten Regenbogenbucht aufgeht. Sie grenzt an das Regenmeer und ist ein halb versunkener, riesiger Ringwall, dessen südöstlicher Teil von den Lavamassen des Regenmeeres überflutet wurde.
Knapp zehn Tage nach Neumond geht die Sonne über der Regenbogenbucht gerade auf. Dabei leuchten zunächst die Gipfel des Juragebirges auf, während der Beckenboden und der Gebirgsstock noch im tiefen Dunkel der Mondnacht liegen. Wer eine Mondkarte zur Orientierung benutzt, wird feststellen, dass die Mondformationen lateinische Bezeichnungen tragen. Die Regenbogenbucht wird Sinus Iridum und das Regenmeer Mare Imbrium genannt. Vollmond wird am 28. um 6:53 Uhr im Sternbild Schütze erreicht.
Das Sommerdreieck kommt
Der abendliche Fixsternhimmel hat nun sommerlichen Charakter. Das Frühlingsdreieck aus Arktur im Bootes, Regulus im Löwen und Spica in der Jungfrau ist in die westliche Himmelshälfte gerückt. Im Osten ist dagegen das Sommerdreieck mit Wega, Deneb und Atair komplett aufgegangen. Der Große Wagen steht immer noch hoch über unseren Köpfen und ist leicht zu finden. Tief im Norden zeigt sich die bei uns zirkumpolare Kapella.
Hoch im Südwesten leuchtet in der fortschreitenden Dämmerung als einer der ersten Sterne der orangerote Arktur auf. Fast zeitgleich taucht schon hoch im Osten die bläulich-weiß funkelnde Wega auf. Wega ist der Hauptstern in der Leier. Im Westen nähert sich der Löwe seinem Untergang.
Tief im Süden krabbelt der Skorpion den Horizont entlang. Sein tiefroter Hauptstern Antares ist kaum zu übersehen. Nördlich des Skorpions stößt man auf das umfangreiche aber nur aus schwachen Sternen bestehende Bild des Schlangenträgers mit der Schlange. Zwischen Großem Wagen und dem hellen Arktur befindet sich das Sternbild der Jagdhunde. In der Antike gab es dieses unscheinbare Sternbild noch nicht. Es wurde erst in der Neuzeit von dem Danzinger Ratsherrn und Amateurastronomen Johannes Hevelius im Jahre 1680 eingeführt. Hevelius besaß eine der größten und bedeutendsten Privatsternwarten seiner Zeit, die leider ein Raub der Flammen wurde.
Sommeranfang um 12.07 Uhr
Die Sonne erreicht am 21. Juni exakt um 12:07 Uhr den Gipfel ihrer Jahresbahn. Dieser Zeitpunkt markiert den astronomischen Sommerbeginn. Danach beginnt die Sonne wieder mit ihrem Abstieg zum Himmelsäquator. Der Gipfelpunkt der Sonnenbahn heißt darum auch Sommerpunkt. Er liegt im Sternbild Stier nahe an der Grenze zu den Zwillingen ein wenig östlich des Sternes Propus. Noch am gleichen Tag wechselt die Sonne um 22 Uhr in das Sternbild Zwillinge.
Der 21. Juni ist in unserer Breiten der längste Tag des Jahres. Er dauert in Hamburg 17 Stunden und drei Minuten, in München 16 Stunden und fünf Minuten.