Zu einem Zeitzeugengespräch unter dem Motto „70 Jahre Kriegsende“ lädt der „Nordbayerische Kurier“ am Mittwoch (11.) ein. Beginn ist um 19 Uhr in der Markgrafen-Buchhandlung am Sternplatz. Vier Bayreuther werden an diesem Abend von ihren Erlebnissen im Jahr 1945 berichten. Zwei von ihnen wuchsen als Kinder in den Ruinen der Stadt auf, die anderen zwei erlebten als Soldaten den Untergang des Tausendjährigen Reiches.
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Fritz Freiberger wurde 1938 im Haus Nummer 1 am Altbachplatz in Bayreuth geboren. Die Luftangriffe vom April 1945 überstand Freiberger unter anderem im Loherkeller an der Kanalstraße. Nach dem Einmarsch der US-Truppen am 14. April 1945 war die stark beschädigte Innenstadt für die Kinder der reinste Abenteuerspielplatz. Insbesondere die Arbeitsloren an den Schutthalden und im Mainbett hatten es den Kindern angetan. Ihre Benutzung als Spielgeräte war aber nicht ganz ungefährlich, ebenso wie der Umgang mit Fundmunition. Sie tauchte immer wieder auf, wie jene Kiste mit Gewehrpatronen aus dem Keller der Graserschule. „Uns kleineren Jungs wurde von den größeren aufgegeben, die Projektile mit einer Zange abzuziehen und das Pulver zu sammeln. Wir taten es. Die Anstifter legten eine Pulverspur und zündeten bei Dunkelheit ein Ende der Spur an. Das war Feuerwerk à la Altbachplatz“, erinnert sich Friedrich Freiberger.
Rudolf Huttinger, ebenfalls Jahrgang 1938, erlebte das Kriegsende im „Rose-Höfla“, einem markanten Anwesen an der Brandenburger Straße. Aus Angst vor Tieffliegern bleiben die Menschen in den nächsten Tagen die meiste Zeit in dem Kellergewölbe. Nur ab und an wagen sich einige Erwachsene nach oben, um etwas zu essen in den Keller zu bringen. Nach dem Einmarsch der Amerikaner endet am Samstag, 14. April, der Kelleraufenthalt. Rudolf Huttinger erinnert sich noch an die beiseite geräumten Baumstämme der Panzersperre, die man zwischen dem Haus St. Georgen 1 und der gegenüberliegenden Markgrafenkaserne errichtet hatte. Doch noch deutlicher hat sich dem Bayreuther der erste Anblick seines Zuhauses eingeprägt: „Was ich sah, war niederschmetternd. Von dem Haus war nur noch der Dachstuhl übrig, der auf dem Schutt darunter auflag.“
Christoph Höreth, Jahrgang 1926, wurde im Frühjahr 1944 zu den Gebirgsjägern nach Slowenien eingezogen. Das Kriegsende erlebt Höreth 100 Kilometer südlich von Linz. „Dort habe ich dann mein Gewehr gegen einen Baum gehauen“, so Höreth. Der Krieg ist vorbei. Man lebt. Doch ein neues Schreckgespenst macht die Runde – Kriegsgefangenschaft! Wer es bis 12. Mai zur Demarkationslinie bei Radstadt schafft, der kommt zu den Briten – wer es nicht schafft, bleibt bei den Russen. Nach einer vierwöchigen Odyssee landet Christoph Höreth dann eines Abends tatsächlich wieder in Bayreuth. Am Bahnhof steigen die ehemaligen Soldaten aus und laufen über den Luitpoldplatz in Richtung Sternplatz. Plötzlich taucht eine Streife der amerikanischen Militärpolizei auf. „Die wollten uns gleich verhaften. Schließlich herrschte zu diesem Zeitpunkt nachts eine Ausgangssperre“, erinnert sich Christoph Höreth. Die Deutschen erklären den US-Soldaten ihre Lage und dürfen in einem Obststand in der Richard-Wagner-Straße die Nacht verbringen.
Gustl Hacker, ebenfalls Jahrgang 1926, muss 1944 zum Kriegsdienst einrücken. Am 7. Februar 1945 wird Gustl Hacker an der Ostfront schwer verwundet: Bei einem russischen Granatwerferangriff geht er neben einem Panzer in Deckung. Trotzdem wird Hacker im Gesicht getroffen und ist vorübergehend blind. „Das war ein ganz schöner Schock!“, erinnert sich Hacker. Nach einer Operation ein paar Tage später kann Hacker aber zumindest auf dem linken Auge wieder sehen. Das rechte Auge allerdings ist verloren. „Das war allerdings auch meine Rettung“, resümiert Hacker ohne Groll, „denn wäre ich an diesem Tag nicht verwundet worden, würde ich heute nicht leben. Die Russen haben in diesem Abschnitt alles plattgemacht.“ red
Das Zeitzeugengespräch in der Markgrafen-Buchhandlung wird moderiert von Joachim Braun, Chefredakteur des Nordbayerischen Kuriers, und Kurier-Redakteur Udo Meixner. Mit dem 11. November wurde bewusst ein Termin kurz vor dem Volkstrauertag gewählt – dem Gedenktag für die Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.
Mehr zum Thema finden Sie in unserer Webreportage 70 Jahre Kriegsende in Bayreuth.
red