Der Kurier im Dschungelfieber bei "Ich bin ein Star!" Tag 1 im "Dschungelcamp": Einzug der Kapriziösen

Von Kerstin Fritzsche

Neue Staffel, neues Image? Im zehnten Jahr seines Bestehens scheint das „Dschungelcamp“ sein Image zu ändern. Und das hat sich nicht RTL ausgedacht, oh nein, das kommt von den Teilnehmern. Bisher dachten ja alle, das Ganze sei ein knallhartes, fieses Abenteuer mit hohem Ekel-Faktor für abgehalfterte Stars und die, die es werden wollen. Aufenthalt aus einem einzigen Grund: weil die D-Promis Geld brauchen. Weit gefehlt, findet Redakteurin Kerstin Fritzsche, die IBES mit einer Kolumne begleitet.

 Foto: red

Staffel 9 von „Ich bin ein Star!“ ist anders. Vorher ging's den Teilnehmern immer nur um Geld? So ein Quatsch. Endlich geht es mal um richtige Werte. Okay, außer bei Ex-“Caught in the Act“ Benjamin Boyce: „Ich bin ein verlorener Popstar, ich brauche die Aufmerksamkeit!“ Oder Ex-GNTM-Fünfte Sara Kulka, auf die die „Gala“ heute noch sauer ist, weil die einfach ihr Baby selbst bei Facebook vorstellte und nicht bei ihnen. Tja, hätte Sara das mal gemacht, dann müsste sie jetzt nicht im Dschungel leiden.

Nach der Werbung weiterlesen

Denn kaum haben die Teilnehmer den letzten Sekt runtergekippt, das letzte Mal den Lidstrich nachgezogen – zack! - sind sie auch schon im Grün, gefährlichen Zuschauern ausgesetzt. Und bei Sara zeichnet sich, Phänomen Nummer 1, bereits nach einem Tag ein Larissa-Effekt ab: einmal Dschungel-Prüfung, immer Dschungel-Prüfung. Blankziehen ist eben einfacher als sich eine gepflegte Marinade aus Kakerlaken zuzuziehen. Sie braucht das Geld, dann soll sie es sich bitteschön auch erkämpfen, denkt da sicherlich manch einer und möchte Sara noch mal in Schafshoden beißen sehen.

Andererseits sollte sie vielleicht nicht so oft was im Mund haben, denn da kommen lustige Sätze raus. Und so macht ihr „Marsch zum Mars“ auch Sinn. Schön, dass Sara so von sich überzeugt ist, da ist sie allen auch ein echtes Vorbild: „Ich würd mich selbst vögeln, wenn ich mich im 'Playboy' seh'!“ Doch nicht nur Äußerlichkeiten, auch in Sachen Germanistik kann das Model was bieten: „Wir sind die Arschloch-Gruppe. Beziehungsweise... die Arschloch-Gruppe sind wir“. Solche Erkenntnisse kann man sich allerdings nur selbst verschaffen, wenn man kein Englisch versteht und ergo die Instruktionen auf dem Flugplatz davor nicht mitbekommen hat. Dafür ist die Erkenntnis nach dem ersten Tag dann umso schöner, und da geht’s dann auch teilweise mit dem Englisch: „Solche bitches, dass die alle 50 Cent ausgeben!“ Ja, Sara, hier wollen alle von Deinen Erfahrungen profitieren, auch die Zuschauer. Wenn das mal keine Daseinsberechtigung fürs Camp ist! Vielleicht hilft da die anfangs geäußerte Taktik "Dumm stellen schafft Freizeit"? Aber dazu müsste man vielleicht auch den Mund halten.

Die anderen Teilnehmer haben da ganz profane Motive. Patricia Blanco etwa, Lebensleistung Tochter-Sein, verwechselt das mit einem Abentuer-Luxus-Urlaub: „So schön hier! Die Natur, und alles so ruhig! Back to the roots!“. Ob alles noch so wellness-leicht fällt, wenn Patti ganz back to the roots mal eine Prüfung mit Schlangen und Urkrebsen machen muss? Vielleicht, aber nur vielleicht, ist sie auch dabei, weil sie sich die Möpse neu machen lassen will. Was sogleich handgreiflich fachfraulich von Tanja „Tische“ Tischewitsch bestätigt wurde und uns die erste richtige Gesprächsszene nicht vorenthielt:

Patricia zu Aurelio: „Bist du mehr der Po-Typ oder der Busen-Typ?“

Aurelio: „Beides.“

Hätten wir das auch geklärt.

Und wenn Anfassen mal nicht geht, gibt Walter Freiwild Erotik-Tipps: Wenn man wen liebt, hat man immer Dessous der Liebsten mit in der Hosentasche dabei. Naja, bis man ans australische Militär gerät.

Widmen wir uns Maren „Eher geh ich putzen!“ Gilzer. Ihr dachtet, die braucht Geld? Die ehemalige Glücksfee, die noch im letzten Jahr versicherte, sie würde nie ins Camp gehen, verdient mit ihren Modelinien und Parfüms auf einem uns allen leider bekannten Verkaufssender genug. In Australien verfolgt sie eine Mission. Denn da ist sie ja die Älteste. Und diese blutjungen Mädels, die haben ja keine Orientierung. „Die können ja noch was lernen. Vielleicht auch von jemandem wie mir.“ Ja, vielleicht. Zum Beispiel, wie frau sich selbst was zusammenschummelt. „Ich sage euch, denkt nicht, schönes Aussehen reicht!“ gibt la Glitter schon vor dem Start Tipps. Spricht's und nimmt als Luxusartikel Mascara und Puder mit.

Die Mission eines Mr. Testosteron Aurelio Savina ist klar, das hat er ja in den letzten zwei Wochen nur ungefähr dreihundertzwölf Mal erwähnt: Er geht ins Camp, weil er gern wen flachlegen will. Gleich am ersten Tag wäre er allerdings erst mal zum Stilllegen gekommen. Nämlich Walter Freiwild, der als einziger von einer Killer-Qualle gebissen (sic!) und dann auch noch von einem Hubschrauber angefallen wurde. Und dann wollte das RTL-Team ihm keine Zigaretten geben. Da kommt noch was, wenn Walter so ganz frei von allem schon jetzt wild wird. Dachte sich auch Aurelio und bot den Damen sogleich starken Arm wie kluges Köpfchen, um die Situation zu lösen. Da empfiehlt sich schon jetzt ein Camp-Leader. Wie romantisch!

GZSZ-Schnittchen Jörn hingegen ist dabei, weil er alles „mit Eifer und Leidenschaft“ macht. Bisher saß er vor allem mit Eifer und Leidenschaft herum und schwieg leidenschaftlich, bis er sich mit Eifer um die Brechmigräne-kranke Maren kümmerte, die nicht zulassen konnte, dass Walter allein den Titel als Drama-Queen 2015 anstrebt. Vermutlich ist Jörn aber einfach mit Eifer und Leidenschaft mit seinen Haaren beschäftigt. Dauerhaft. Denn der Mann, der als Einziger ever ever ever keine Luxusartikel mit ins Camp nahm, sieht nach wie vor aus wie frisch mit Out-of-bed-Wachs gestylt. Wie geht das?

Ach nee, und wir vergaßen, Jörn empfahl sich als Beschützer bei der Wache mit Sara. Leider wurde das nicht verstanden. „Irgendwas Großes ist im Busch rumgesprungen.“ Sara: „Du jetzt?“

Zirkuspferd Rebecca Siemoneit-Barum, Lebensrolle „Iffi Zenker“ in der „Lindenstraße“ ist auch nicht aus Geld-Gründen im Dschungel. Wie so viele muss sie eine gescheiterte politische Karriere verarbeiten (sie kandidierte für die CDU in Einbeck für Rat und Kreistag Northeim). Und bestimmt wollte sie einfach mal was Eigenes machen. So wie ein Jodel-Diplom. Als selbstständiges Glied in der Gesellschaft. Um Geißendörfer mal zu zeigen, was sie sonst noch kann außer Kinderhüten und On-Off-Beziehung mit dem anderen „Lindenstraßen“-Inventar, Zottel-Momo und Beimer-Klausi.

Und die selbsternannte Rampensau Rolfe macht's natürlich auch nicht für Geld. Er ist immer da, wo der Spaß abgeht. Also vorher bei GNTM neben Heidi Klum und als Olivia-Jones-Accessoire bei deren Mallorca-Promi-Pauschalreise. Dass er mindestens 150.000 Euro kriegen müsste, um ins Camp zu gehen, hat er letztes Jahr bestimmt nur nebenbei erwähnt. Man muss ja seinen Marktwert halten, wenn man zwischen Riviera und Ibiza rumhetzt, immer dem Spaß hinterher. Da sind 150.000 Öcken höchstens Schmerzensgeld. Schmerzensgeld extra müsste man Rolfe auch für die eigentliche Dschungel-Prüfung des ersten Tages zahlen, die er ganz freiwillig absolviert hat: die Patti mal ganz Blanco machen in deren Riechorgan und ihr die Nasenhaare rausziehen. Liebes RTL, solche Folterszenen bitte nächstes Mal nur mit Ankündigung!