Der Kälte zum Trotz: Taufe im Roten Main

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Sie haben sich an Ostern zum christlichen Glauben bekannt: Die 37-Jährige Bianca Heine und ihr zwölf Jahre alter Sohn Julien ließen sich an Ostern am frühen Morgen von Pfarrer Otto Guggemos im Roten Main taufen.

Der Heinersreuther Pfarrer Otto Guggemos nahm an Ostern eine ganz besondere Taufe vor: Bianca und Julien Heine ließen sich von ihm im Roten Main taufen. Damit bekannten sich Mutter und Sohn zum christlichen Glauben und sind nun Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Auf den Dächern liegt noch der Frost, als sich die Gruppe in der Dämmerung gegen sechs Uhr auf den Weg zum Roten Main macht. Durch die Mühlstraße, über einen Hof, der Kies knirscht unter den Stiefeln zu einer aufgeweichten Wiese. Im Gänsemarsch laufen wir am Wasser entlang, in der Ferne leuchtet ein schon ein brennendes Holzfeuer.

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Ein urchristliches Ritual wiederbelebt

Dort wartet bereits der Heinersreuther Pfarrer Otto Guggemos, ein Mann in Turnschuhen, mit runder Brille und Zopf. Vor zwei Jahren hatte er hier am Roten Main schon einmal zwei Jugendliche an Ostern getauft. Taufen an Ostern sind ein altes, urchristliches Ritual. "Generationen von Christen", so Guggemos, wurde so in die christliche Glaubensgemeinschaft aufgenommen. "Man suchte fließendes Wasser, als Symbol für das Leben." Erst später seien die Taufen nicht mehr an Flüssen, sondern an einem Taufbecken vollzogen worden. "Die Taufe verbindet uns mit Jesus Sterben und Leben."

Die Täuflinge sind Bianca und Julien Heine aus Heinersreuth. Beide haben bei Pfarrer Guggemos das Glaubensseminar Spur 8 besucht. Die Mutter trägt weiße Hose und ein dünnes Shirt und ist ein bisschen nervös. Julien, der Präperand wird, lässt sich nichts anmerken. "Ich bin gläubig, seit ich denken kann", sagt Bianca Heine, die in einer Kirchenband singt. "Mein Glaube und die Gemeinde sind mir sehr wichtig." Zum Schritt, mit der Taufe in die evangelische Kirchengemeinde einzutreten, habe sie sich auch entschlossen, weil im Sommer eine Hochzeit anstehe. Für ihren Sohn Julien wünscht sie sich, dass er konfirmiert werden kann.

Großmutter in der DDR aufgewachsen

Als Taufpatin hat sie sich ihre Schwester Maria Würz ausgesucht. Die 25-Jährige sei die Lieblingstante von Julien. Auch die Großeltern Regine und Helmut Würz, 58 und 61 Jahre alt, sind an diesem Morgen an den Roten Main gekommen. "Ich bin selbst getauft worden, aber ich bin kein Kirchgänger", sagt die Großmutter. Sie gehe nur zu besonderen Anlässen in die Kirche, ihr Mann sei nicht gläubig. Regine Würz ist in der ehemaligen DDR in Sachsen-Anhalt bei Magdeburg aufgewachsen und ist Mutter von vier Kindern. Maria hat sie mit sechs Jahren taufen lassen, erzählt sie.

Die Gemeindejugend verbrachte die Osternacht größtenteils wachend. Die Jungen und Mädchen bastelten eine Osterkerze und sammelten Holz für das Osterfeuer. Die Bläser des Posaunenchors begleiteten die Taufe und leiteten den Gottesdienst mit "Down by the riverside" ein. Pfarrer Guggemos, jetzt im feierlichen Talar, bekreuzigte die Stirn seiner Täuflinge. "Dies ist die Nacht, in der Gott den Tod besiegt hat. Er hat sich in der Dunkelheit auf den Weg gemacht, um uns am Morgen das Licht zu bringen." Er bittet die Gemeindemitglieder, die zu der Taufe gekommen sind, einen Kreis um die beiden Neuankömmlinge zu bilden.

Rücklings unter Wasser

Während Kinder die entzündete Osterkerze halten, liest der die Taufsprüche von Bianca und Julien. Dann geleitet er sie ins Wasser. Mutter und Sohn stehen in ihrer Kleidung hüfthoch im Main wie der Pfarrer. Der tauft zuerst Bianca Heine, indem er rücklings Kopf und Oberkörper unter Wasser taucht. Dasselbe geschieht mit Julien, der noch Zeit hat, seine Brille abzunehmen. Frierend und nass, aber glücklich lachend kommen beide aus dem Wasser. "Es war gar nicht so kalt", lacht Bianca Heine und wickelt sich und ihrem Sohn eine Decke um. Auch ihr Mann, der im Posaunenchor mitwirkt, lächelt glücklich. Am Horizont ist es hell geworden, als sich die Gruppe zum Osterfrühstück in den Gemeindesaal aufmacht.