Der Grüne Faden Präzisionsarbeit im Boden und in der Luft

BAYREUTH. An seinem Arbeitsplatz entwickelt er laufend neue Werkstoffe und Fertigungsverfahren. In seiner Freizeit fliegt er in einem Kubikkilometer Luft seine Segelflug-Kunststücke: Mathias Mühlbacher.

"Ich habe mein Sportgerät mitgebracht, das ist unübersehbar.“ Eine gute Wegbeschreibung für den Fotografen, denn das Sportgerät von Mathias Mühlbacher ist tatsächlich ziemlich außergewöhnlich. In einem vernieteten Anhänger schlummert sein Swift und freut sich mindestens genauso wie Mühlbacher auf eine tolle Flugsaison 2019.

„Unsere Streckenflieger amüsieren sich immer köstlich darüber: das ist ein Spezialgerät für Segelkunstflug – das kann auch sonst nix anderes.“ Zusammen mit einigen Kollegen kaufte er sich das Flugzeug, und obwohl er diesen Sport seit Jahren begeistert ausübt und mittlerweile auch in der Nationalmannschaft fliegt, hat er sich ganz bewusst dafür entschieden, das Fliegen nicht zu seinem Beruf zu machen.

„Im Rückblick war das genau die richtige Entscheidung. Mein Beruf hier bei Neue Materialien Bayreuth macht mir eine Riesenfreude und ich habe ein Hobby, das ich liebe. Was will man denn mehr?“

Schon immer Interesse an Sport

Mathias Mühlbacher kam 1982 in Bayreuth auf die Welt und wuchs zusammen mit seiner Schwester in Heinersreuth auf. Seine Lieblingsfächer an der Grundschule und am Gymnasium Christian-Ernestinum deuteten den Spaß an seinem späteren Hobby und Beruf schon an: „Sport war immer meins, und in den höheren Klassen kamen dann die Naturwissenschaften, vor allem Physik, dazu.“

Er probierte verschiedenste Sportarten bei mehreren Bayreuther Sportvereinen aus, doch die Initialzündung für den Flugsport gab sein Schulfreund Manuel, der ihn zum Modellfliegen nach Hollfeld und an den Bindlacher Berg mitnahm. „Und irgendwann meinte er: Jetzt können wir eigentlich auch mal selber in die Luft gehen!“

Mit 15 fingen die beiden an, für die Fluglizenzen zu lernen und zu trainieren, und die Luftsportgemeinschaft Bayreuth gab ihnen eine weitreichende und sehr gesunde Philosophie für das Fliegen mit auf den Weg: „Fliegen ist immer ein Teamsport. Allein kommst du gar nicht erst in die Luft, und weil sich jeder diesen Sport leisten können soll, arbeiten wir alle zusammen. Ich finde das eine wirklich schöne Einstellung.“

Nach dem Abitur 2001 überlegte Mathias Mühlbacher kurz, ob er studieren oder sich als Jetpilot bei der Bundeswehr bewerben sollte. Die Pilotenlaufbahn erschien ihm dann allerdings doch zu unstet, also absolvierte er den Grundwehrdienst in mehreren technischen Einheiten und konnte sich diese Erfahrungen sogar als Praktikum anrechnen lassen, als er in Erlangen sein Maschinenbaustudium begann.

„Dieses Studium hielt ich für das Studium generale im Bereich Ingenieurswesen, und das hat sich auch bewahrheitet. Außerdem war Erlangen eine tolle Mischung aus Lernen, Arbeiten und einer schönen Landschaft.“ Der Schwerpunkt seines Studiums lag auf der Kunststofftechnik, und seine Diplomarbeit schrieb er über Faserverbundwerkstoffe.

Traumhafter Arbeitsplatz

Der Kontakt zu „Neue Materialien Bayreuth“ war zu diesem Zeitpunkt schon hergestellt, und 2010 begann er direkt nach seinem Abschluss hier zu arbeiten. „Wir sind in die Uni-Lehre mit eingebunden und eine direkte Schnittstelle zwischen Uni und Industrie. Es ist extrem spannend, was hier immer wieder an Neuem entsteht, und ich habe einen traumhaften Arbeitsplatz.“

Außerdem, fügt er hinzu, sei die Bayreuther Luftsportgemeinschaft immer eine Konstante in seinem Leben gewesen. So viel er auch in der Luft sei, „meine Wurzeln werden immer in Bayreuth sein.“

Noch während des Studiums machte Mathias Mühlbacher die Ausbildung zum Fluglehrer. Im Winter, erzählt er, lernte er die Theorie, im Sommer stand die Praxis auf dem Programm. Ansprache, Pädagogik und Didaktik gehörten natürlich auch dazu, und zusammen mit seinen Fluglehrer-Kollegen hat Mühlbacher bisher etwa 30 Flugschüler betreut.

„Es macht mir so viel Freude, mein Know-How und meine Fertigkeiten weiterzugeben. Dass ich dabei die Entwicklung von Menschen begleiten kann, ist ein echtes Geschenk.“ Er erinnert sich an scheue Jugendliche, die im Lauf der Ausbildung am Flugplatz zu richtigen Persönlichkeiten heranreiften, an junge Menschen, die mit der Zeit immer mehr Verantwortung für sich und andere übernahmen und in den Teamsport Fliegen hineinwuchsen. „Alleine kommst du halt nicht in die Luft – es macht erst im Team richtig Freude.“

Dass aus ihm schließlich ein Segelkunstflieger und kein Langstreckenflieger wurde wie Sebastian Baier, das liegt hauptsächlich am Spaß an der Präzisionsarbeit. Mathias Mühlbachers berufliche Aufgaben, beispielsweise bei der Herstellung von Auto- oder Flugzeugteilen, erfordert höchste Konzentration und Präzision. Das liegt ihm, und das benötigt er beim Kunstfliegen ebenso.

Keine Zeit für Drehwurm und Magenflattern

Außerdem, erzählt er lachend, sei ihm während der hochkonzentrierten Kunstflugtrainings oder -wettbewerbe noch nie schlecht geworden. „Mir wird eher flau, wenn ich mich bei Streckenflügen in der Thermik hochschrauben muss“, grinst er. „Beim Kunstfliegen brauchst du dein Hirn und deine Fertigkeiten vollständig für die Flugfiguren, da ist gar keine Zeit für Drehwurm und Magenflattern.“

Bei den Wettbewerben werden die Segelflieger von einem Motorflugzeug hochgezogen und vollführen in einer „Luft-Box“ von einem Kubikkilometer zehn bis zwölf Figuren – bis die Höhe weg ist. Die Bewertung durch die Jury, erzählt Mühlbacher, funktioniere erstaunlich gut und fair, auch deshalb, weil sie sich nicht über die Bewertungen austauschen können.

Und die Stimmung untereinander ist bei den hochklassigen Wettbewerben genauso unkompliziert wie daheim in der Luftsportgemeinschaft: „Das finde ich so klasse: da stehst du bei einer Meisterschaft neben dem Weltmeister, der gibt dir Tipps und freut sich mit dir über einen gelungenen Flug. Der Teamgeist hört nicht beim eigenen Verein auf, sondern geht viel weiter.“

Für die Zukunft hat Mathias Mühlbacher sich vorgenommen, seine eigenen Flugfähigkeiten so weit auszubauen, wie es machbar ist und weiterhin sein Know-how weiterzugeben. „Das Training ist zwar anstrengend, aber Fliegen selber ist für mich Genuss.“

Und beruflich gesehen hat er zwar mit seiner momentanen Position als stellvertretender Bereichsleiter für die Kunststoffe eigentlich genug zu tun, doch eine Promotion beispielsweise ist nicht ausgeschlossen. „Präzisionsarbeit ist einfach meins – am Boden und in der Luft.“


Info: Mathias Mühlbacher gibt den Grünen Faden weiter an Andreas Spörrer, weil „er in seiner Zeit bei Neue Materialien viel mit aufgebaut hat und jetzt bei Rehau spannende Bauteile entwickelt. Sein Sport ist zwar auch an der frischen Luft, aber nicht hoch oben, sondern mit dem Mountainbike im Fichtelgebirge.“



Der grüne Faden: Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Bayreuth hat über 75 000 davon. Mit unserer Serie möchten wir die Schicksale hinter den vielen Gesichtern aufzeigen, die uns täglich begegnen. Ob auf dem Marktplatz oder beim Metzger. Jeder Porträtierte wird anschließend gebeten, den symbolischen Grünen Faden an jemanden weiterzureichen, dessen Geschichte auch einmal erzählt werden sollte. So zieht sich der Grüne Faden durch die Stadt.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading