Der grüne Faden Jakob Vonau: "Ich liebe die Arbeit mit den Kids"

BAYREUTH: Der junge Mann, der heute den Grünen Faden hält, weiß eines gewiss: Völlig egal, wo auf dem Globus er ist – mit den richtigen Leuten wird es eine tolle Erfahrung, und heim nach Bayreuth kommt er immer wieder: Jakob Vonau.

Zwei große Fotobücher mit Bildern aus Südengland und Malaysia sind es, die Jakob Vonaus „Lebensphilosophie“ sehr schön verdeutlichen. Dabei ist er gerade einmal 27 Jahre alt. Jakob Vonau jedoch durfte bereits Erfahrungen machen, die ihm eine Riesenportion Gelassenheit schenkten für all das, was in Zukunft noch auf ihn zukommen wird. „Nach dem Examen werde ich für mein Referendariat irgendwo hinkommen, und mir ist wirklich völlig gleich, wohin. Im ungünstigsten Fall wird es eine Erfahrung, aber im besten Fall wird es ein echtes Geschenk.“

"Einfach eine tolle Zeit"

Jakob Vonau hat nach seinem ersten Studium zwei Monate als Englischlehrer in Malaysia verbracht, und hier hat er das gleiche erlebt, wie in seinem Auslandssemester in Southampton: „Anfangs kennst du niemanden, aber innerhalb kürzester Zeit schließt man Freundschaften. Und mit den richtigen Leuten ist es völlig egal, wo auf dem Globus du dich gerade befindest – es ist dann einfach eine tolle Zeit.“

Jakob Vonau kam 1992 in Bayreuth zur Welt und wuchs zusammen mit seiner großen Schwester am Grünen Hügel auf. Er besuchte die Grundschulen in St. Georgen und Laineck, seine Gymnasialzeit verbrachte er am WWG. „Das war für mich genau die richtige Wahl“, erzählt er. „Ich hatte zwar keine ausgeprägten Lieblings- oder Hassfächer, aber ich konnte mein Interesse für Wirtschaft gut ausleben und hatte insgesamt eine tolle Schulzeit.“ Seine Klasse war der letzte G9-Jahrgang, und nach dem Abitur im März stand er vor der Frage: Was tun? Der Lehrerberuf, so hörte er aus verschiedensten Richtungen, sei derzeit völlig überlaufen.

Schon als Bub beim Basketball dabei

Also schrieb er sich für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Bayreuth ein. An dieser Stelle lacht Vonau auf, denn nach acht Semestern und dem Bachelor-Abschluss stand er wieder vor der gleichen Frage wie vier Jahre zuvor: „Was jetzt? Ich hatte meine Leistungskursfächer Englisch und Wirtschaft noch in sehr guter Erinnerung, außerdem konnte ich wirklich gut mit Kindern und Jugendlichen. Also schrieb ich mich doch fürs Lehramtsstudium für Gymnasien ein.“

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kannte Jakob Vonau zum damaligen Zeitpunkt zwar nicht im Schulbereich, aber im sportlichen Bereich umso besser. Als Bub begleitete er seine beiden Cousins zu ihren Basketballspielen und natürlich zum Training beim BBC, und nach kurzer Zeit wollte er selbst mitmachen. Bei den Spielen seiner Cousins machte er den Kampfrichter, und den endgültigen Ausschlag gab dann ein Schnuppertraining in der dritten Grundschulklasse. „Ich habe von da an sämtliche Jugendmannschaften beim BBC durchlaufen und praktisch dort meine gesamte Jugend verbracht.“

Kindern in Malaysia Englisch beigebracht

Das Teamgefüge und das Zusammengehörigkeitsgefühl findet er „dermaßen klasse, dass ich es auch an die jüngeren Spieler weitergeben möchte“. Seit einigen Jahren trainiert er beim BBC und beim BSC Saas die Nachwuchsspieler und macht in der Saas auch den „Hampelmann für alles“, den Spielertrainer. „Ich liebe diese Arbeit mit den Kids und den Jugendlichen auch deshalb, weil hier nie alles abläuft wie geplant. Im Zweifel muss ich immer darauf reagieren, was gerade passiert – und das ist auch für meinen künftigen Beruf ein Riesenvorteil.“

Nach dem abgeschlossenen Betriebswirtschafts-Bachelor nahm Jakob Vonau sein Lehramtsstudium auf, ebenfalls an der Uni Bayreuth. Die Praktika, erzählt er, seien dermaßen ermutigend und schön gewesen, dass er sich nicht nur in seiner Berufswahl völlig bestätigt sah, sondern auch eine besondere Herausforderung annahm: Kinder und Jugendliche mit der Muttersprache Malaysisch in Englisch zu unterrichten – in Malaysia. Über eine Agentur wurde Jakob Vonau auf diese Möglichkeit aufmerksam, und sie interessierte ihn auch deshalb, weil er nach dem Abitur sofort gearbeitet und studiert hatte: „Viele meiner Schulfreunde haben sich nach dem Abi erst mal auf eine längere Reise gemacht oder eine Auszeit genommen. Ich nicht, und damals war das auch gut so. Aber das Praktikum hat mich extrem angesprochen, also hab ich’s gemacht.“

Das Leben nehmen, wie's kommt

Die Schule, an der er unterrichtete, lag „mitten im Nirgendwo“, war als Gesamtkomplex mit Internat und Lehrerwohnungen so groß wie das benachbarte Dorf Telaga, hatte fast immer Strom und war bevölkert von einer international bunt gemischten Schar zukünftiger Englischlehrer. „Ich kannte anfangs überhaupt niemanden, aber ich bin der Typ Mensch, der das Leben nimmt, wie’s kommt. Wenn du die richtigen Leute um dich herum hast, dann fühlst du dich überall auf der Welt wohl.“

Diese Erfahrung konnte Jakob Vonau fast eins zu eins übertragen, als er sich vorletztes Jahr für ein Auslandssemester an der University of Southampton in England einschrieb. „Ich kannte wieder niemanden, aber das änderte sich genauso schnell wie in Malaysia“, erinnert er sich. „Deshalb habe ich überhaupt keine Angst davor, wohin es mich im Referendariat verschlägt. Ich durfte zweimal die Erfahrung machen, dass man immer irgendwie die passenden Leute trifft – das ist ein Riesengeschenk.“ Mit seiner Southampton-Truppe unternahm Jakob Vonau an den Wochenenden unzählige Ausflüge ins Umland, nach Stonehenge, an die Küste, nach Oxford und natürlich auch nach London.

Irgendwann wieder nach Bayreuth

Da er im Herbst und Winter 2017/2018 in Südengland war, konnte er auch eine sehr lieb gewonnene Tradition in Großbritannien fortsetzen: Silvester nicht daheim feiern, sondern irgendwo in Europa. „Wir sind eine eingeschworene Silvester-Clique und feierten den Jahreswechsel schon in Wien, Prag, Brüssel, Amsterdam, Dresden und eben in Southampton. Die ganze Truppe kam hierher zu Besuch, und es war einfach klasse.“

Doch wo er nach seinem Examen auch eingesetzt wird, in einem Punkt ist sich Jakob Vonau ganz sicher: Er möchte irgendwann wieder hierher, nach Bayreuth. „Hier habe ich meinen Sport, meine Freunde und vor allem meine Familie. Ich bin meinen Eltern so dankbar, dass sie mich unterstützen und mir all das ermöglichen – ich habe meine Wurzeln hier, und das wird auch so bleiben.“


INFO: Jakob Vonau gibt den Grünen Faden weiter an seinen „alten, langen und guten Freund Lukas Maisel, weil er absolut zuverlässig und ein tolles Organisationstalent ist und oft (genau wie ich) ein paar Stunden mehr am Tag bräuchte.“

Der grüne Faden: Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Bayreuth hat über 75.000 davon. Mit unserer Serie möchten wir die Schicksale hinter den vielen Gesichtern aufzeigen, die uns täglich begegnen. Ob auf dem Marktplatz oder beim Metzger. Jeder Porträtierte wird anschließend gebeten, den symbolischen Grünen Faden an jemanden weiterzureichen, dessen Geschichte auch einmal erzählt werden sollte. So zieht sich der Grüne Faden durch die Stadt.

 

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