Der grüne Faden Geli Butzeck-Eckstein engagiert sich im Hospizverein

BAYREUTH. Heute hält den Grünen Faden eine Frau, die die Bodenhaftung nie verloren hat. Einerseits durch ihre Familie und die vielen Ehrenämter, andererseits dadurch, dass sie stets barfuß unterwegs ist: Angelika „Geli“ Butzeck-Eckstein.

Schuhe? „Nicht nötig.“ Wirklich nicht? „Echt nicht. Im Winter hab ich meine Winterschlappen, ab Frühling die Sommerschlappen, und ansonsten renn ich viel barfuß durch die Gegend.“ Geli Butzeck-Eckstein lacht vergnügt, als sie erzählt, warum sie mit Leichtigkeit auf Socken und Schuhwerk verzichten kann. Früher, sagt sie, habe sie ständig kalte Füße gehabt. Aber seit sie barfuß laufe, sei das überhaupt kein Problem mehr. „Nur wenn’s mich im Nacken friert, dann muss ich schauen, dass ich schnell ins Warme komme.“ Wenn Geli Butzeck-Eckstein etwas äußert, dann kann man sich sicher sein, dass sie es genau so meint, wie sie es sagt. Als Mutter von fünf Kindern, Oma von bald fünf Enkeln und Organisatorin von unzähligen Ehrenamts-Aufgaben weiß sie genau, dass man sich nicht auf Dauer verstellen kann. „Ich lasse mir nicht gern etwas vorschreiben, und ich lasse mich und meine Zeit nicht gern verwalten. Was ich tue, das tue ich, weil ich davon überzeugt bin und es wichtig finde.“

Ehemann im Sommerferienlager kennengelernt

Angelika Butzeck kam 1956 zur Welt und wuchs mit ihrer Schwester und ihrem Bruder in Bamberg auf. Nach der Schulzeit an der evangelischen Pestalozzischule, dem Eichendorff-Gymnasium, der Realschule und der Fachoberschule studierte sie Sozialpädagogik. „Als ich letzten Dienstag Stefans Grünen Faden gelesen habe und diese Parallele in unserem Lebenslauf erkannte, hat mich das schon sehr gefreut. Für Kinder und Jugendliche da sein, das ist ein ganz wichtiger Punkt bei uns beide.“

In den Sommerferien, erzählt sie weiter, habe sie einige Male die Bamberger Jugendwanderungen mitgemacht. Heute kann man sich so eine Aktion kaum mehr vorstellen, aber damals waren diese mehrteiligen Wanderungen sehr beliebt. Bis zu 1000 Kinder trafen sich einmal pro Ferienwoche, wurden auf die Gruppen verteilt und wanderten dann zu verschiedenen Zielen im Bamberger Umland. „Mit zehn Jahren bin ich das erste Mal mitgewandert, ab 14 war ich als Betreuerin dabei. Das war ein Riesen-Rattenschwanz, der sich da durch die fränkischen Lande gezogen hat – einfach toll.“ Die Logistik hatte damals die US-Garnison übernommen, und ein gewisser Michael Eckstein, 17 Jahre alt, half bei der Essensverteilung an die 1000 hungrigen Wanderer. Die beiden lernten sich kennen und lieben, und gewisse Dinge aus dieser Zeit haben sich bis heute erhalten. „Er war für die Futterbeschaffung zuständig, ich für die Belustigung. Das hat sich seither nie geändert, genau wie meine Liebe zu belegten Brötchen mit Gurke.“

„Die Menschen sind das Wichtige, und der Zusammenhalt.“

Nach ihrem Examen arbeitete Geli Butzeck beim Jugendamt Bamberg in der Familienfürsorge, heiratete ihren Michael, und da er ab Anfang der 1980er in Bayreuth arbeitete, wurden die fünf Kinder eben Bayreuther. „Damals war dieses Haus ein Kinderhaus, und heute ist es witzigerweise wieder eines. Als unsere Kinder nach und nach auszogen, da war ich manchmal schon sehr wehmütig. Aber die Kindheit hat mich wieder eingeholt.“ Sie lacht und erzählt weiter, das sie mehrmals im Monat die Bude voll hat, wenn die Kinder, Schwiegerkinder und Enkel sie besuchen. Momentan ist auch der Faschingsfundus heiß begehrt, denn die Kostüme aus den 1980ern und 1990ern hat sie alle aufgehoben. „Ich freu’ mich riesig, dass wir so oft ein volles Haus haben.“

Die ehrenamtlichen Aufgaben begann Geli Butzeck-Eckstein, als ihre Kinder noch klein waren. Sie hielt Mutter-Kind-Kreise in der katholischen Gemeinde Heilig Geist, machte den Übungsleiter für Seniorensport, besuchte Kindergärten als Sing-Oma und baute aus ihrer Liebe zu Musik eine Familienband in der Gemeinde auf. „Wir haben zu den verschiedensten Anlässen gespielt, und auch heute noch treffen wir uns zum Musikmachen. Wir sind zwar weniger Leute als früher in der Band, aber Spaß macht es immer noch.“ Die Familie selbst ist konfessionell gemischt. Vater Michael ist katholisch, Mutter Geli evangelisch und die Kinder katholisch. „Ich konnte in unserer Gemeinde ehrenamtlich alles machen, da gab es nie ein Problem“, erzählt sie. „Die Menschen sind das Wichtige, und der Zusammenhalt.“

Seit 2010 Hospizbegleiterin

Ihr heutiges Engagement im Hospizverein Bayreuth begann, wie bei so vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen, mit Todesfällen im persönlichen Umfeld. „Eine Freundin starb an Krebs, und etwa zu dieser Zeit, in den späten 1980ern, entdeckte ich Cicely Saunders und ihre Philosophie: ,Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben. Das hat mich sofort überzeugt.“ Geli Butzeck-Eckstein las sich ein, bildete sich fort, arbeitete bis 2010 als Hospizbegleiterin und heute zusätzlich als Trauerbegleiterin. Das Engagement für den Hospizverein sei arbeitsintensiv, koste Zeit und auch Kraft.

Aber dafür bekamen sie und ihre ganze Familie etwas zurück, das sie als unglaublich wertvoll erachtet: „Ich habe gelernt, mit Trauer umzugehen.“ Ihre Kinder, fährt sie fort, hätten die Mama sehr früh schon mit anderen Menschen teilen müssen und natürlich aus allernächster Nähe mitbekommen, wenn sie nach einem Sterbefall traurig nach Hause kam und auch weinen musste. „Aber sie haben eben auch mitbekommen, dass Trauer eine Zeit lang dauert, sich verändert, weniger wird und im Leben vergeht.“ Wenn sie heute Kinder, beispielsweise beim Projekt „Hospiz macht Schule“ mit ihrem eigenen Nachwuchs vergleicht, dann fällt ihr auch auf, wie viele Erwachsene sich im Gespräch mit ihren Kindern nicht an das Thema Sterben herantrauen. Und das versteht sie vollkommen: „Es ist ein trauriges Thema, und natürlich will man seine Kinder vor Traurigkeit schützen. Aber Trauer wird jeder von uns irgendwann erleben, daher finde ich es so wichtig, darüber zu reden und möglichst wenig Scheu aufzubauen.“

Für die Zukunft wünscht sich Geli Butzeck-Eckstein vor allem, dass ihre Familie sie weiterhin regelmäßig „heimsucht“ und die Enkelkinder gesund groß werden können. In den nächsten Wochen wird das fünfte Enkelkind erwartet, und sie würde sich riesig freuen, wenn auch sie ihr Umfeld zum Guten veränderten. „Ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie eine Welt haben, in der es sich zu leben lohnt. Und damit sich eine solche Welt erhält, dafür kann jeder Einzelne etwas tun.“

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INFO: Geli Butzeck-Eckstein gibt den Grünen Faden weiter an Jakob Vonau, weil „er mir mit seinemEngagement als Trainer des Basketball-Nachwuchses sehr imponiert und er einfach ein toller Kerl ist“.

Der grüne Faden: Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Bayreuth hat über 75 000 davon. Mit unserer Serie möchten wir die Schicksale hinter den vielen Gesichtern aufzeigen, die uns täglich begegnen. Ob auf dem Marktplatz oder beim Metzger. Jeder Porträtierte wird anschließend gebeten, den symbolischen Grünen Faden an jemanden weiterzureichen, dessen Geschichte auch einmal erzählt werden sollte. So zieht sich der Grüne Faden durch die Stadt.

 

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