Der Grüne Faden Der Drohnenflieger, der mit dem Rad kommt

BAYREUTH. Seine Mutter ist Bayreutherin, sein Vater stammt aus Ghana: Richard King hat mit 28 Jahren seine eigene Werbeagentur. In Bayreuth. Und von dort will er auf absehbare Zeit auch nicht weg.

Er ist Drohnenpilot und fährt zur Entspannung Rad. Er war schon in jungen Jahren selbstständig und hat mit 28 Jahren schon mehr erreicht, als die meisten in ihrem ganzen Leben. Sein Antrieb ist: Stets das Bestmögliche abzuliefern. Grenzen hinauszuschieben. Aber sein Antrieb ist auch ein Satz, den er mehr als einmal im Leben gehört hat: „Das kannst du nicht.“

Mitten in der Altstadt Bayreuths, in einem der sogenannten Priesterhäuser an der Sophienstraße, hat seit rund anderthalb Jahren die Werbeagentur Kingunion ihr Domizil.

Wie ein riesiges Insekt

Kingunion, das sind derzeit Richard King, ein Kompagnon und Teilhaber, eine Mitarbeiterin, Azubi und mehrere Freiberufler. In dem großen, aufgeräumt wirkenden Raum, der zuvor ein Fotostudio war, fällt die Wand aus dunklen Holzbrettern auf. Und mehr noch die gewaltige Drohne, die wie ein riesiges Insekt auf einem Tisch vor der Holzwand thront. Ein Hexakopter mit sechs Rotoren, der bis zu sechs Kilo schwere Foto- und Filmapparate tragen kann.

Richard King, der Herr über das Fluggerät, ist in Bayreuth geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seine Mutter ist Bayreutherin, sein Vater stammt aus Ghana und kam einst zum Studieren nach Bayreuth.

Er besucht die Waldorfschule und die Wirtschaftsschule. „Ich bin bekennender Waldorfschüler“ sagt Richard King mit Emphase. Waldorfpädagogik setzt auf Kreativität und Eigeninitiative. Und sich damit weiterzuentwickeln. Beides zusammen erscheint im Rückblick wie die Blaupause für Kings Werdegang.

Geprägt hat ihn auch Matt Pingel, ein Freund der Familie und Fotograf, der viel in England lebte. Er überließ Richard King schon in jungen Jahren seine teure Kamera zum Experimentieren – verbunden mit der klaren Ansage: „Wenn kaputt, dann ersetzen.“ Passiert ist das nicht.

Das Optimale abliefern

Ist Richard King so was wie ein Naturtalent? Er selbst formuliert es so: „Es war schon immer das Interesse da, Technisches ist mir schon immer leichtgefallen. Und es war mir schon immer wichtig, mir ein klares Ziel zu setzen und es dann auch zu erreichen. Nicht irgendwas, sondern das Optimale abzuliefern. Und wenn etwas nicht klappt, zu analysieren, wo der Fehler war.“ Es „zu können“. Vor allem, wenn er den Satz hörte: „Das kannst Du nicht.“

Richard King hat eine sympathische, offene, grundpositive Ausstrahlung. Ungefragt spricht er nicht von Diskriminierungserfahrungen. Und der Reporter will das heikle Thema nicht direkt ansprechen. Und versucht es auf einem Umweg: Der türkischstämmige Bayreuther Stadtrat Halil Tasdelen sagte mal, er musste in Schule und Ausbildung mehr leisten, bessere Noten haben als andere, um die gleiche Anerkennung wie die Einheimischen zu bekommen.

Hat Richard King das auch erlebt? Er denkt nach, eine ganze Weile. Und sagt dann: „Manchmal war es schon ein bisschen so.“ Und schränkt ein: „Eher während der anfänglichen Schulzeit, während und nach der Ausbildung nicht.“

Sein Berufswunsch ist zunächst diffus: „Irgendwas mit Medien. IT wäre auch infrage gekommen, aber das wäre zu trocken, und da gibt es nicht so coole Technik. Der Spieltrieb spielt auch eine Rolle.“ Deswegen ist er auch Mitglied im Modellflugverein Bayreuth, „als Drohnenflieger wurde ich sehr herzlich aufgenommen“.

Nach der Ausbildung zum Mediengestalter in Kulmbach folgt direkt der Schritt in die Selbstständigkeit, zunächst als Freiberufler für andere Agenturen mit dem Spezialgebiet Videoprojektion, was ihn durch ganz Deutschland führt. Für sich selbst arbeiten, seine Zeit frei einzuteilen, das war Richard King wichtig.

Die Gründung einer eigenen Agentur war dann irgendwann der nächste logische Schritt. Schon seit der Ausbildung war eine eigene Agentur ein festes Ziel. Und der nächste Schritt war dann ein eigenes Büro: „Zu Hause wurde es irgendwann zu eng, vor allem mit der Drohne.“ Dass es das ehemalige Fotostudio an der Sophienstraße wurde, hat sich buchstäblich im Vorbeilaufen ergeben.

"Berlin mag ich am wenigsten"

Seine Kunden reichen vom Industrieunternehmen über Mittelständler bis zu Kommunen. Für die Stadt Weißenstadt hat er ein 360-Grad-Panoramabild für die städtische Internetseite gemacht, wie auch die ganze Website selbst. Beim Weißbierfest vor wenigen Wochen hat er Drohnenfilmaufnahmen live auf zahlreiche Leinwände auf dem Festgelände übertragen. Beim Sommernachtsfest 2018 hat er Projektionen auf Gebäudefassaden konzipiert.

Du hier und nicht in Berlin, der angeblichen Hipster- und Start-up-Metropole? Das möchte man Richard King unwillkürlich fragen. Der verzieht erst das Gesicht und lacht dann: „Berlin mag ich mit am wenigsten.“

Auch sonst kommt für ihn eine Großstadt zum Leben und Arbeiten eher nicht infrage. „Bayreuth hat genau die richtige Größe.“

Genauso bodenständig klingt sein regelmäßiges Urlaubsziel: Südtirol, „mindestens zweimal im Jahr“. Dann hat er sein Enduro-Mountainbike dabei. Und genießt ansonsten die Lebensart der Südtiroler, die Mischung aus seine Arbeit zu machen, aber auch zu leben. „Dort sind Probleme wirklich Probleme, hier werden Probleme manchmal ein bisschen aufgebauscht.“

Auch wenn er nicht in Südtirol ist, steigt er mindestens einmal pro Woche für eine größere Tour aufs Rad, am Buchstein oder am Ochsenkopf: „Arbeiten und Radfahren, das sind die zwei Pole.“

Mit Musik

Mit Musik ist Richard King aufgewachsen, seit seine Mutter vor 20 Jahren Musikevents in der Schokofabrik veranstaltete. In der Waldorfschule kam er schon viel mit Musik – auch klassischer – und mit Instrumenten in Berührung und hat Grundkenntnisse mit dem Cello erworben. Und digital – ohne Instrumente – hat King auch schon selbst Musik gemacht, elektronische Tanzmusik.

Auch auf Veranstalterseite ist King mit Freunden nebenbei aktiv. „So ganz ohne Musik kommt man dann auch nicht aus.“

Eben ein „Königliches Allroundtalent“, wie ihn Michael Anger und Gabi Strobel in ihrem Buch „Bayreuth – Porträt einer Stadt“ bezeichnet haben. Und so wie es aussieht, bleibt Richard King Bayreuth noch sehr, sehr lange erhalten.


Info: Richard King gibt den Grünen Faden weiter an Birgit Weidl: „Sie hat ein traditionsreiches Familienunternehmen, das sie voller Stolz weiterführt.“

Der grüne Faden: Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Die Region Bayreuth hat rund 180.000 davon. Mit unserer Serie möchten wir die Schicksale hinter den vielen Gesichtern aufzeigen, die uns täglich begegnen. Ob auf dem Marktplatz oder beim Metzger. Jeder Porträtierte wird anschließend gebeten, den symbolischen Grünen Faden an jemanden weiterzureichen, dessen Geschichte auch einmal erzählt werden sollte. So zieht sich der Grüne Faden durch die Region.

 

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