Der Gründer geht Frank Herzog steigt bei Concept Laser aus

Hoch über dem Neubau des Concept-Laser-Firmengebäudes in Lichtenfels, das seit vergangenem Jahr zu General Electric (GE) Additive gehört, thront im Hintergrund Kloster Banz. Der US-Konzern investiert 150 Millionen Euro in den Standort. Foto: Wilm Visuals

LICHTENFELS. Concept-Laser-Chef Frank Herzog hat sich aus dem Unternehmen zurückgezogen, bestätigte Pressesprecher Shaun Wootton auf Nachfrage unserer Zeitung. Alles sei freundlich verlaufen. „Es ist nichts Böses passiert.“

Das Unternehmen werde nun von vier Geschäftsführern geleitet. „Zwei waren schon da“, heißt es. 2016 hatte Herzog 75 Prozent des Lichtenfelser Unternehmens, das im 3D-Metalldruck tätig ist und das er zusammen mit seiner Frau Kerstin gegründet hatte, an den US-Riesen General Electric (GE) verkauft. 800 Millionen Dollar soll er dafür bekommen haben. Herzog blieb Chef des Unternehmens, behielt 25 Prozent. Jetzt hat der bisherige Vorsitzende der Geschäftsführung seinen Chefposten aufgegeben.

Ob er auch die restlichen 25 Prozent veräußert hat oder weiterhin Gesellschafter bleibt, dazu wollte sich Wootton nicht äußern. „Ich kann nicht darüber sprechen. Das ist Firmenrichtlinie.“ Herzog selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er befinde sich im Urlaub, hieß es im Unternehmen auf Nachfrage. 

Der Zeitpunkt des Rückzugs fällt zusammen mit dem Umzug des Unternehmens auf den neuen 3D-Campus in Lichtenfels-Seubelsdorf, in den GE, genauer die Konzernsparte GE Additive, rund 150 Millionen Euro investiert. Ende des Jahres soll am neuen Standort produziert werden. Die Verwaltung wird im nächsten Jahr auf den Campus wechseln. Concept Laser hat rund 400    Mitarbeiter und macht über 100 Millionen Euro Umsatz. Bis zu 500 Beschäftigte seien in den kommenden Jahren denkbar, sagte Sprecher Wootton.

Über Jahre gereift

Der Rückzug des bisherigen Firmenchefs und seiner Ehefrau wurde auf der ersten Betriebsversammlung im 3D-Campus bekanntgegeben, an der auch Jason Oliver, Chef von GE Additive, teilnahm. Dem Lichtenfelser „Obermain Tagblatt“ sagte Herzog: „Es war keine Entscheidung aus dem Bauch heraus, sondern sie reifte über Jahre.“ 

Und weiter mit Blick auf den Umzug in den Neubau: „Wir wollten, dass es läuft. Und es war klar: Wenn es läuft und die Mitarbeiter ziehen ein, dann bleiben wir hinter der Schranke und ziehen nicht mit ein.“ Als „Botschafter“ für seine Technologie will der 48-Jährige GE erhalten bleiben, beim Regierungsprojekt „Bayern Digital 2.0“ und bei Fraunhofer engagiert er sich.

Herzog hatte die Firma zusammen mit seiner Frau im Jahr 2000 gegründet. Concept Laser stellt Maschinen und Anlagen für den 3D-Druck  von Metallbauteilen her. Das Unternehmen wuchs rasant, mit 30, 40, manchmal 100 Prozent. Wachstum, das der kleine Mittelständler immer schwerer bewältigen konnte. Herzog holte sich Profis von außen, die die Zahlen prüften, die Märkte analysierten.

Dann, 2016, fiel die Entscheidung: Anlehnung an einen ganz Großen, Verkauf von 75 Prozent an General Electric. 48 Interessenten hatte es gegeben, sieben wurden in die engere Wahl gezogen. „Dann kam noch ein achter dazu - GE“, sagte Herzog damals im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bodenständige Franken

Dass der Neubau wieder in Lichtenfels steht, war für Herzog von besonderer Bedeutung: „Wir setzen hier den Pflock, wo es entstanden ist. Wir sind Franken, und wir sind bodenständig. Hier sind die klugen Köpfe, hier sind die Experten.“

3D-Metalldrucker machen völlig neue Produkte möglich, die stark individualisiert und oft viel leichter als bisherige Teile sind. Kunden dafür sind die Medizin (Implantate, Kronen, Brücken), die Luft- und Raumfahrt (Teile für Propellerturbinen, Kabinenhalter im Airbus A 350), die Autoindustrie (Prototypenbau) oder auch der Werkzeugbau. Das pulverbettbasierte Laserschmelzen von Metallen ermöglicht die werkzeuglose Fertigung komplexer Bauteile in kleinen Losgrößen. Die Maschinen kosten zwischen 180.000 und 1,5 Millionen Euro. Über den Verkauf der Maschinen hinaus rechnet GE für den Konzern durch die neue Technik mit internen Einsparungen in Milliardenhöhe. 

Frank Herzog, ein gebürtiger Bamberger, machte 1989 bis 1992 bei Siemens Healthcare in Erlangen eine Ausbildung zum Industriemechaniker, holte sein Abi nach, ging zur Bundeswehr, studierte Maschinenbau in Coburg. Hier lernte er seine spätere Frau kennen, eine von drei Frauen unter den angehenden Maschinenbauingenieuren.

1999 schrieb er seine Diplomarbeit, die sich mit der Produktion metallischer Bauteile mit Laserlicht beschäftigte. Das Thema ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Dann, nach einem halben Jahr, der Entschluss: Daraus müssen wir was machen. 

Onkel und Schwiegervater, beide Unternehmer, geben Herzog und seiner Frau, die mit ihrem Wissen über Laser-Technologie einen wichtigen Teil zum späteren Erfolg beiträgt, 1,5 Millionen D-Mark Startkapital. Die Vorgabe: In zwei Jahren müsst ihr alleine klarkommen. Es klappt. 2001 stellt Herzog auf einer Messe in Frankfurt den ersten 3D-Metalldrucker vor.

 

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