Am Kulmbacher Güterbahnhof wird bald der Campus der Bayreuther Universität entstehen, junge Leute werden hier für die Zukunft arbeiten. Vor 80 Jahren, am 24. April 1942, hat sich hier der traurige Endpunkt von Verfolgung und Menschenverachtung ereignet. Die letzten sieben der in Kulmbacher verbliebenen Juden werden in einen wartenden Zug verfrachtet und ins Vernichtungslager deportiert. Früh am Morgen hat ein Kommando der Kulmbacher Polizei den Viehhändler Nathan Flörsheim mit seiner Frau Selma aus seiner Wohnung in der Pörbitsch geholt, sowie Berta und Georg Davidsohn mit ihren drei Kindern Georg, Albert und Inge aus ihrer Baracke beim Priemershof in Ziegelhütten. Dass die als „Evakuierung“ getarnte Maßnahme, bei der als Gepäckstück ein Koffer, ein Rucksack und eine Deckenrolle mitzunehmen sind, eine Fahrt ohne Wiederkehr sein werde, haben sie gewusst.